Norderstedt
Wort zum Alltag

Mit offenen Augen auf das Gottesreich warten

Haben Sie heute schon Pläne geschmiedet? Reichen die bis zum Abend, zur nächsten Woche, zu den Ferien gar? Wie weit die Gedanken oft eilen! Dabei stürmen sie am Heute einfach so vorbei!

Wie es wohl wäre, innezuhalten, dem eigenen Spiegelbild zuzulachen, oder sogar für eine Weile auf den Beginn des Gottesreiches zu warten? Nur: Wer hat heute schon Zeit und Lust, an die Ewigkeit zu denken? Das ist doch ein Thema fürs Jahresende, besser noch fürs Lebensende. Auch. Trotzdem hat Jesus uns eingeladen, gerade jetzt darüber nachzudenken. Damit wir merken, wie und wo und wann es anfängt. Wusste er nicht, wie viel wir zu tun haben? Ich denke doch. Aber er wusste auch, dass diese Welt ein anderer Ort sein wird, wenn Menschen sich die Zeit nehmen, mit offenen Augen auf das Gottesreich zu warten! Da, wo es beginnt, geschieht nämlich Gottes Wille.

Die ersten Christen haben das wörtlich genommen. Als die Zeit lang wurde, richteten sie sich mehr und mehr in der Welt ein. Der Glaube an das Gottesreich konzentrierte sich auf Vergangenheit und Zukunft. Aber dazwischen liegt das Jetzt, unser Leben. Und es ist die Frage, was die Gegenwart mit dem Gottesreich zu tun hat. Dazu eine Geschichte.

„Wann kommt der Messias?“, fragte Rabbi Jehoschua ben Levi den Elia. „Frag ihn doch selbst“, antwortete der. „Und wo soll ich ihn finden, und wie kann ich ihn erkennen?“ „Du findest ihn vor den Toren Roms bei den aussätzigen Bettlern. Er hält sich dort immer eine ganze Weile auf und hilft beim Verbandswechsel und sagt: ‚Vielleicht werde ich in diesem Moment gebraucht‘.“ Der Rabbi ging hin, fand ihn und grüßte ihn: „Friede sei mit dir!“ Und der Messias grüßte zurück: „Friede sei mit dir, Levis Sohn.“ „Wann kommst du, mein Lehrer?“ „Ich komme heute!“

Einige Zeit später trifft Rabbi Jehoschua ben Levi abermals auf Elia. Der Rabbi beklagt sich: „Belogen und betrogen hat er mich; er hat gesagt, er komme heute. Und er ist nicht gekommen.“ Elia antwortet: „Hast du nicht gehört, was er gesagt hat? Heute ist, wenn ihr Gottes Stimme hört.“

Vermutlich ist das der Anfang und das Ende: Gottes Stimme hören. Im Moment, im Heute. Seinen Willen tun. Mitkriegen und Mittun, wo überall sein Reich beginnt. Wie das wohl wäre?

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Wie im Himmel so auf Erden.

Simone Pottmann ist Pastorin der Kirchengemeinde Kaltenkirchen in Alveslohe