Norderstedt
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Jedes Kind spielt ein Instrument

Dieses Ziel wollen die Musikschule und die Norderstedter Kitas und Grundschulen mit dem Projekt Auftakt erreichen

Norderstedt. Das hohe Bildungsziel „Jedes Kind der Stadt spielt ein Musikinstrument“ hat sich die Musikschule Norderstedt mit den Grundschulen und Kitas der Stadt gesteckt. Erreicht werden soll es mit dem neuen Bildungsprogramm Auftakt. Dessen Kernidee wiederum ist die Vergabe von Patenschaften, um allen Kindern den Musikunterricht der Musikschule an Norderstedts Schulen zu ermöglichen. Start ist am 1. August.

„Das ist genau das, was wir für Norderstedt brauchen: Jedes Kind soll aktiv musizieren können, und deshalb kommt jeder Cent aus den Patenschaften direkt den Kindern zugute“, sagt Anette Reinders, Sozial- und Kulturdezernentin der Stadt.

„Wir wollen alle Kinder erreichen, niemand soll draußen vor der Tür bleiben müssen, weil das Geld fehlt“, sagt Rüdiger George, Leiter der Musikschule Norderstedt. Manche Eltern könnten die Schulkosten von 63,50 Euro pro Kind und Jahr nicht aufbringen.

Es sei nachgewiesen, dass Kinder, die aktiv musizieren, in der Schule leistungsfähiger sind. „Beim Musikmachen wird die Verknüpfung der linken Gehirnhälfte mit der rechten aktiv gefördert“, sagt George. „Das Musizieren fördert auch soziale und kognitive Kompetenzen, und es ist offensichtlich, wie Musik alle Bereiche nach vorn bringt, und trotzdem müssen die Schulen gerade um dieses Fach immer wieder kämpfen“, sagt Annette Leopold, pensionierte Leiterin des Norderstedter Lessing-Gymnasiums und Präsidentin des Lions Clubs Forst Rantzau Norderstedt. Alle drei Norderstedter Lions Clubs unterstützen das Auftakt-Projekt.

Zur Musik-Ausbildung gehört auch das Spielen und Singen vor Publikum

Es sei wichtig, sehr früh mit dem Musizieren anzufangen, am besten im Kindergartenalter. Schon jetzt unterrichten Lehrkräfte der Norderstedter Musikschule in den Kitas und Grundschulen, beispielsweise Chor-Gesang, Blockflöte, Gitarre, Geigen-Instrumente, Keyboard, Percussion und Musical.

Zur musikalischen Ausbildung gehört auch das Spielen und Singen vor Publikum, das wiederum fördere das Selbstbewusstsein und trainiere die Kinder, direkt auf ein bestimmtes Ziel hinzuarbeiten.

Die Plattform hat die Musikschule mit den Grundschulen und Kitas bereits vor Jahren gelegt. Seit 2006 gibt es Blockflöten-Unterricht für die Zweitklässler aller zwölf Grundschulen, an dessen Ende die Kinder mit dem Blockflöten-Führerschein in einer Feierstunde ausgezeichnet werden. Zurzeit nehmen 160 Kinder, das sind 27 Prozent aller Zweitklässler, an dem Unterricht teil. Der Blockflöten-Führerschein wird vom Instrumentenbauer Yamaha unterstützt.

An vier Grundschulen gibt es Kinderchöre mit insgesamt 110 Kindern. „Mehr als zehn Prozent aller Kita-Kinder und mehr als 500 Kinder, das sind 20 Prozent aller Grundschüler, erhalten bereits Musikunterricht von den Musikschul-Fachkräften“, sagt George. Ziel von Auftakt ist es auch, demnächst die nicht städtischen Kitas für das Projekt zu gewinnen.

„Bis 2020 werden alle Norderstedter Grundschulen zu offenen Ganztagsschulen umgestaltet, die Kinder bleiben nachmittags in der Schule, eine Zeit, die ideal für Musikunterricht zu nutzen ist“, sagt Stadträtin Reinders.

Das Projekt Auftakt lädt die Kinder auch kostenfrei zu Konzerten ein, beispielsweise zu den Preisträgerkonzerten des Wettbewerbs Jugend musiziert. Zudem werden Musikinstrumente in den Schulen vorgestellt, und die Schüler können vormittags die Musikschule am Kulturwerk besuchen, um Instrumente wie Schlagzeug und Flügel zu testen. Für Sechs- bis Elfjährige bietet der Klavierbauer Bechstein in der Norderstedter Musikschule das Programm „Der kleine Klavierbauer“ an. „Ich nehme den ganzen Flügel auseinander“, verspricht Tim Sebastian Berger, Geschäftsführer von Bechstein, der das Auftakt-Projekt unterstützt.

Die Organisatoren suchen Interessierte, die eine Patenschaft übernehmen

Begleitet wird Auftakt von einem Info-Programm mit Website, Mails und Briefen an alle beteiligten Kitas, Schulen und Kinder.

„Wir wollen, dass alle Kinder dabei sind. Deshalb brauchen wir einen monatlichen Zuschuss von zehn Euro pro Kind, und dafür bitten wir Firmen, Institutionen und Privatpersonen um Patenschaften“, sagt George. Mit einer Patenschaft von 120 Euro pro Jahr kann ein Kind ein Jahr lang Musikunterricht erhalten. Unterstützt wird das Projekt auch vom Schleswig-Holstein Musik Festival, vom Musikverein Norderstedt, der Kulturstiftung Norderstedt, von Jugend musiziert, den Norderstedter Bildungswerken und Flughafen Hamburg.

Infos über die Patenschaft gibt es unter www.auftakt-norderstedt.de oder von Rüdiger George unter Telefon 040/53595164 sowie 0unter der Adresse musikschule@norderstedt.de per E-Mail.