Norderstedt
Kommentar

Der Speckgürtel wird veganisiert

Eine Glosse von Lars Hansen

Und das Land zog kräftig mit: Der wenig einträglichen Plackerei auf der Scholle überdrüssig, vergoldete so mancher stadtnahe Landwirt seinen Acker, indem er Bauland daraus machte, so er denn durfte – wobei das Dürfen häufig Anlass zu wilden Spekulationen über finanzielle oder freundschaftliche Kontakte zur Kommunalpolitik gab.

Die verbleibenden Landwirte bekamen neue Nachbarn. Deren Vorstellung vom Landleben war städtisch geprägt: Bäume, Kühe, Schafe, Wiesen, Pferde. Für sie wurden sogar Fernsehsendungen und Zeitschriften produziert. Diese Leute arbeiten in der Stadt und lassen ihr Geld im Dorf. Bald gab es einen neuen Namen für die stadtnahen Dörfer: Speckgürtel.

Das passte jedoch schon den ersten nicht: Die Gewerbetreibenden im Speckgürtel finden sich in diesem Namen nicht korrekt dargestellt, sagen sie. Speck sei träge. „Muskelgürtel“ passe viel besser. Ringmuskulatur kennen wir aber nur von Körperein- und -ausgängen. Fragt sich also, ob das Umkreisgewerbe die Stadt schlucken will oder darauf...

Nun ist aber endgültig Schluss mit Speckgürtel. Die ersten Neubewohner stellen klar, dass das einzige, was sie am Landleben noch stört, die Landwirte sind. Hier soll einer seine Äpfel nicht spritzen, da soll einer keinen Hühnerstall errichten und dort keine Schweine züchten. Tut er es doch, wird er verklagt. Fragt man diese Leute, wo sie denn glauben, dass ihre Mettwurst herkommt, hört man oft, dass „die Menschen" sowieso zu viel Fleisch essen. Wir müssen den Speckgürtel endgültig umbenennen: „Tofukringel“ scheint der passendere Name.