Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Bürgermeisterwahl mit Spaßfaktor

Polizeioberrat Stefan Bauer ist der dritte Bewerber. Die Parteien begrüßen, dass die Auswahl jetzt größer ist

Henstedt-Ulzburg. Spannender hätte es kaum sein können: Am Montag um 18 Uhr war Bewerbungsschluss für eine Bürgermeisterkandidatur in Henstedt-Ulzburg. Wie bereits am Dienstag in der Online-Ausgabe des Hamburger Abendblatts berichtet, reichte ein dritter Bewerber 40 Minuten vor „Toresschluss“ seine Unterlagen ein: Polizeioberrat Stefan Bauer will ebenfalls Verwaltungschef der größten Gemeinde Schleswig-Holsteins werden. Damit ist er der einzige Bewerber, der sich im Rathaus gemeldet hat, Doris Baum und Susanne Bendfeldt waren von den Parteien nominiert worden.

Für die meisten kam die Bewerbung des 44 Jahre alten Stefan Bauer, der seit 20 Jahren in Henstedt-Ulzburg lebt, überraschend. Einige aber hatten geahnt, dass es noch eine Überraschung geben könnte. Unter der Hand war sogar einer der Joy-Betreiber gehandelt worden, der sich angeblich bewerben und die erforderlichen 155 Unterschriften von jungen Besuchern der Diskothek im Gewerbepark vorlegen wollte. Tatsächlich aber hat Stefan Bauer sich gemeldet und über 200 Unterschriften von Unterstützern eingereicht. Er hätte auch mehr vorlegen können: „Es kommen jetzt immer noch Unterschriften hinzu.“

Der dritte Bewerber für den Bürgermeisterposten ist seit 25 Jahren bei der Hamburger Polizei tätig, wo er derzeit als Polizeioberrat das Fachkommissariat für Cyber-Kriminalität leitet und gleichzeitig stellvertretender Leiter der Abteilung für Wirtschaftskriminalität ist. Bauer gehört keiner Partei an. Über seine näheren Gründe für die Kandidatur will er erst etwas sagen, wenn am kommenden Freitag der Henstedt-Ulzburger Gemeindewahlausschuss tagt und die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl offiziell bestätigt. Die öffentliche Sitzung beginnt um 15 Uhr im ersten Stock des Rathauses, Zimmer 22. „Etwa seit einer Woche ist für mich klar, dass ich mich bewerben würde“, sagt der Polizeioberrat. Bauer ist verheiratet und hat drei Kinder.

Jetzt haben die Wahlberechtigten in Henstedt-Ulzburg wirklich die Wahl: Neben Stefan Bauer stehen Doris Baum und Susanne Bendfeldt als Kandidatinnen fest. Beide sind von den Fraktionen im Gemeinderat nominiert worden: Doris Baum von WHU und SPD, Susanne Bendfeldt von CDU und BfB. Die FDP hat sich auf keine der Bewerberinnen festgelegt. Die erforderlichen Unterschriften mussten beide nicht vorlegen, weil sie von politischer Seite ins Spiel gebracht werden. Ursprünglich hatten sich die Fraktionen gemeinsam auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen wollen. Das hat nicht geklappt.

Diplom-Verwaltungswirtin Doris Baum, die in der Segeberger Kreisverwaltung den Fachdienst für Bau und Umwelt leitet, findet die neue Situation „eine spannende Konstellation“, die ihr keine Angst macht. Susanne Bendfeldt, die in Hamburg ein Unternehmen für Immobilienentwicklung betreibt, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Politiker empfinden die Kandidatur Bauers als Bereicherung. Horst Ostwald, Fraktionsvorsitzender der SPD im Henstedt-Ulzburger Gemeinderat war überrascht: Er war zwei Tage auf Reisen und hatte bis gestern Mittag noch keine Ahnung von einer weiteren Bewerbung. „Das erhöht natürlich die Wahlmöglichkeit für die Bürger“, sagt der SPD-Politiker. Tile Abel, Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft Bürger für Bürger (BfB), hält die Wahl zwischen drei Bewerbern für „gute demokratische Voraussetzungen“. Es sei grundsätzlich gut, wenn die Wähler zwischen verschiedenen Kandidaten wählen können. FDP-Chef Klaus-Peter Eberhard drückt sich deutlich aus: „Das bringt mehr Leben in die Bude.“ CDU-Ortsvorsitzender Michael Meschede hält die Wahrscheinlichkeit für groß, dass es am Sonntag, 6. April, zu einer Stichwahl kommt. Es sei zu erwarten gewesen, dass sich auch im Rathaus jemand melden würde, der Bürgermeister werden will. „Die CDU sieht das sehr sportlich.“ Karin Honerlah, Fraktionsvorsitzende der WHU, findet die dritte Kandidatur „wunderbar“. Damit gebe es für die Bürger eine gute Auswahl. Ihr Fazit: „Es gewinnt auf jeden Fall jemand, dessen Nachname mit dem Buchstaben B beginnt ...“

Bürgermeister-Wahltag ist am Sonntag, 16. März. Aber vorher können sich alle Henstedt-Ulzburger ein Bild von den Kandidaten machen. Es gibt drei Vorstellungsrunden, in denen sie sich selbst präsentieren können und anschließend Fragen von den Besuchern beantworten müssen. Michael Zwicker von der „Segeberger Zeitung“ leitet die Versammlungen.

Das sind die offiziellen öffentlichen Vorstellungsrunden: Am Donnerstag, 6. Februar, in der Gemeinschaftsschule Rhen, am Donnerstag, 20. Februar, in der Lütten School und am Mittwoch, 5. März, im Bürgerhaus (jeweils 19.30 Uhr).