Norderstedt
Schröters Wochenschau

Tresortrottel on Tour

Immer wieder geben einem Verbrechen Rätsel auf. Im Film oder im Kriminalroman ist das zwar auch so, aber da klärt sich früher oder später das Motiv – und siehe da, es steckt immer etwas dahinter.

Es geht um viel Geld, um Macht, um Rache oder ähnlich große Gefühle. Doch was, bitte, verspricht man sich davon, den Tresor einer stinknormalen Bäckerei in Norderstedts Rathausallee zu entwenden?

Selbiges nämlich geschah am vergangenen Wochenende zwischen Sonntagabend und Montagfrüh. Der Tresor wiegt 200 kg und enthielt ein paar hundert Euro. Und jetzt rechnen Sie mal: Mehrere Stunden Nachtarbeit, und das noch zum Wochenendtarif. Für den Transport des Objekts benötigt man mindestens drei Mann, dazu ein Fahrzeug weit oberhalb der Kleinwagenkategorie – was schon wegen der heutigen Spritpreise die Hälfte der Beute verschlingt. Je nach Fahrzeuggröße und Fluchtroute kommt die Mautgebühr hinzu, und wenn’s ganz dumm läuft, wird man unterwegs noch geblitzt. Es kann so vieles schiefgehen. Eine plötzliche Fahrzeugkontrolle, die wegen überschrittener Achslast (Tresor geladen) einen weiteren kostenpflichtigen Strafzettel nach sich zieht. Oder es verreckt der Motor des Fluchtfahrzeugs, weil man sich im blinden Vertrauen auf die Pannenstatistik des ADAC blöderweise für das falsche Fabrikat entschieden hat.

Und damit nicht genug: Im Versteck angekommen, muss erst stundenlang der Tresor aufgeschweißt werden (Spezialgerät, eventuell Mietkosten). Wer das alles für die paar Kröten auf sich nimmt, kann nur ziemlich dämlich sein. Zum Glück braucht derjenige dann beim Teilen der Beute nicht besonders weit zu zählen, mangels Masse. Für einen guten Anwalt bleibt allerdings auch nichts mehr übrig. Das kann sich rächen. Immerhin droht eine Verurteilung nach Paragraf 243 StGB mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Man kann nur hoffen, dass wenigstens noch ein paar gute Kuchenrezepte im Tresor lagen. Dann könnten sich die Ganoven fortbilden und künftig als Aushilfskonditoren arbeiten, beim Bäcker an der Rathausallee zum Beispiel.

Damit würden sie zweifellos mehr Geld verdienen.