Trappenkamp

So lebt es sich in einem ehemaligen Bunker

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Helge Buttkereit

Eine Ausstellung im Trappenkamper Bürgerhaus erinnert an die Anfänge der Gemeinde. In Trappenkamp gibt es noch 62 ehemalige Bunker, die einst von den Nationalsozialisten angelegt worden waren.

Trappenkamp. Die Geschichte der Gemeinde Trappenkamp ist zumindest im Kreis Segeberg und der Region einmalig. Denn die Gemeinde ging aus einem Marinesperrwaffenarsenal hervor, in dem im Zweiten Weltkrieg Minen und Wasserbomben montiert, gewartet und einsatzbereit gehalten wurden. Neben den etwas größeren Montagestätten, dem Bahnhof der Kleinbahn und anderen Leitungsgebäuden, die teilweise heute noch stehen, standen auf dem damals dicht bewaldeten Gebiet auch 95 Minenlagerhäuser, die sogenannten Bunker. Knapp zwei Drittel davon gibt es bis heute. Sie werden als Wohnhäuser und Ferienwohnungen genutzt, oder sie sind Teil eines Kindergartens, einer Arzt- oder Physiotherapie-Praxis.

Die Gebäude sind dabei gut 20 Jahre älter als die Gemeinde selbst, denn Trappenkamp wurde erst im Jahr 1956 eigenständig. Die Bunker spielten zu Beginn eine noch viel größere Rolle als heute, denn sie waren als Wohn- oder Betriebsstätten ebenso begehrt wie als Praxis des ersten Arztes der Gemeinde.

Dass heute noch 62 ehemalige Bunker stehen, hat selbst Werner Schultz, Renate Liesenfeld und Karin Hülse überrascht. Schultz ist ehemaliger Bürgermeister und jetziger Gemeindedezernent Trappenkamps, Renate Liesenfeld leitet mit ihrer Stellvertreterin Karin Hülse den Museumsbunker in Trappenkamp. Die drei hatten sich vorgenommen, die verbliebenen Bunker zu dokumentieren. Zu diesem Zweck wälzten sie alte Unterlagen und fuhren gemeinsam mit der Grafikerin Kathrin Bühring aus Stocksee die Straßen der Gemeinde ab. Nachdem sie alle Bunker aufgespürt hatten – die meisten sind noch deutlich durch die aufliegenden Seitenpfeiler aus Beton zu erkennen, die einer Explosion standhalten sollten –, fotografierte Kathrin Bühring einige der Bunker und ihre Bewohner. Zudem sprach sie mit ihnen, auch um die Geschichte des Hauses wie der Gemeinschaft der Flüchtlinge zu erfahren, die es nach dem Krieg meist aus dem Osten Deutschlands nach Schleswig-Holstein verschlagen hatte.

Gemeinsam mit historischen Aufnahmen entstand eine sehenswerte kleine Ausstellung, die zunächst bis Ende kommender Woche im Bürgerhaus der Gemeinde hängt. Später sollen Interessenten sie buchen können.

Einer der ehemaligen Bunker gehört Rainer Schulz. Er hat ihn teilweise zu einer Ferienwohnung umgebaut, die er mit Erfolg vermietet. „Ich bin mit dem Jahr 2013 sehr zufrieden“, sagt er. Für Gäste von Familienfeiern oder Firmen werde die Wohnung gerne genutzt. Im Anbau dahinter wohnt die nächste Generation. „Bis zum Ende der 1990erJahre wurde hier noch Glas veredelt“, erzählt Schulz.

Die Familie seiner Mutter gehörte zu den Sudetendeutschen, die die Glasindustrie in Trappenkamp aufbauten. Sein Großvater schrieb einst nach dem Krieg an Kollegen, dass sie sich auch in der Gemeinde niederlassen sollten. Die Glasveredelung der Firma Arlt & Co. fand damals im ehemaligen Bunker statt. Unter anderem wurden hier Vasen für den VW-Käfer produziert, berichtet Schulz.

„Trappenkamp ist nie ein Dorf gewesen, sondern war immer kleinstädtisch geprägt“, sagt Gemeindedezernent Schultz. „Die Menschen, die hierher kamen, stammten aus kleinen Städten.“ So wollten sie möglichst rasch an der neuen Wirkungsstätte ihr Gewerbe ausführen. Die Bunker mit Telefon und Strom sowie Wasseranschluss vor dem Haus, der ursprünglich zum Löschen gedacht war, boten die notwendige Infrastruktur.

Es war schwierig, Türen in die Bunker einzubauen

„Trappenkamper reißen keinen Bunker ab“, sagt Renate Liesenfeld. Dies gelte bis heute. „Damals ist gut gebaut worden.“ Werner Schultz ergänzt: „Es war eine Leistung, Ende der 40erJahre in die Betonbauten Löcher für Fenster und Türen rauszustemmen.“ Für eine Tür sei ein Arbeitstag nötig gewesen, für zwei Fenster ebenso. Die Bunker verfügten ursprünglich nur über Metalltore hin zur Rampe, von der die Munition auf die im Sperrwaffenarsenal fahrende Schmalspurbahn verladen wurde. An die Bahn erinnert heute nichts mehr, die Bunker selbst tragen allerdings zum Teil noch die alten Bezeichnungen nach dem Gitternetz des Arsenalgeländes, das auch am Anfang der Ausstellung abgebildet ist. Es weist bereits auf die heutige kleinräumige Struktur der Gemeinde Trappenkamp hin.

Für die Gemeinde gilt laut Schultz, dass die Flüchtlingssituation ihrer Gründer die Struktur der Gemeinde geprägt hat. „In anderen Orten muss man sich fünf bis zehn Jahre beweisen, bis man in den Ort hineinkommt. Das gibt es hier bis heute nicht.“ Das sei auch eine Verpflichtung für die Zukunft, wobei für die Trappenkamper immer Integration durch die Sprache und das vielfältige Vereinsleben im Mittelpunkt steht. „Das hat immer gut geklappt“, sagt Renate Liesenfeld.

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