Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Wie war das mit der Schill-Partei?

Bürgermeisterkandidatin Susanne Bendfeldt verschwieg, dass sie Vize-Landeschefin in Mecklenburg-Vorpommern war

Henstedt-Ulzburg . Das Rennen um die Nachfolge von Bürgermeister Torsten Thormählen in Henstedt-Ulzburg wird immer spannender. Alles deutet daraufhin, dass eine Frau als hauptamtliche Verwaltungschefin ins Rathaus einziehen wird: entweder Susanne Bendfeldt, 53, Volljuristin und Christdemokratin aus Hamburg – sie wird von CDU und BFB unterstützt – oder Doris Baum, 52, Diplom-Verwaltungswirtin und parteilos aus Henstedt-Ulzburg – hinter ihr stehen SPD und WHU (das Abendblatt berichtete).

Wie die Chancen für Susanne Bendfeldt stehen, ist allerdings ungewiss, nachdem das Abendblatt am Mittwoch berichtete, dass die 53-Jährige einst stellvertretende Landesvorsitzende der Schill-Partei in Mecklenburg-Vorpommern war. Warum die Rechtsanwältin vor der Kommission ihre ehemalige Mitgliedschaft in der umstrittenen Schill-Partei nicht von sich aus zur Sprache brachte, berührt Henstedt-Ulzburgs CDU-Ortsvorsitzenden Michael Meschede offenbar nicht: „Frau Bendfeldt hat uns dazu eine schlüssige Erklärung abgegeben. Das Thema Mitgliedschaft in der Schill-Partei ist für uns abgeschlossen. Wir unterstützen sie, weil sie die bessere Kandidatin ist, weil sie über hervorragende Führungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftskompetenzen verfügt.“

Klaus-Peter Eberhard, Fraktionsvorsitzender der FDP und ebenfalls Mitglied der Findungskommission, äußerte hingegen Bedenken: „Es war unklug, dass Frau Bendfeldt vor dem Gremium nichts erzählt hat. Es ist besser, wenn man ein solches Thema offensiv angeht, auch wenn es sich beim Job des Bürgermeisters einer Gemeinde nicht um ein politisches Amt handelt. Wenn ich Bürgermeister werden will, handele ich aber anders. Für mich ist das ein schlechter Start.“

Eberhard bekräftigte erneut, dass seine Partei keine der Bewerberinnen unterstützen werde: „Die FDP ist keine Mehrheitsbeschafferin. Unser Ziel war es, dass sich alle Fraktionen auf einen Kandidaten verständigen."

Auch Bürgervorsteher Uwe Schmidt hatte nach eigener Aussage keine Kenntnis vom politischen Vorleben der Kandidatin aus Hamburg: „Ich wusste nichts davon, aber ich werde sie bei Gelegenheit befragen.“ Schmidt hatte beim Auftritt der Kandidatinnen im Rathaus die Gesprächsleitung.

Kann Susanne Bendfeldt auch auf die Unterstützung durch die Wähler der Wählergemeinschaft „Bürger für Bürger“ bauen? BFB-Fraktionsvorsitzender Thile Abel hofft darauf: „Die Resonanz war positiv. Letztlich entscheiden die Bürger, wir schlagen nur eine Kandidatin vor.“

Warum sitzt die BFB mit der CDU in einem Boot? Dazu Thile Abel: „Frau Bendfeldt ist eine kompetente Persönlichkeit. Sie hat zwar noch keine Verwaltung geleitet, als Volljuristin weiß und erkennt sie aber schnell, was in der Gemeinde künftig möglich und was machbar ist. Entscheidend für den BFB-Vorsitzenden Jens Iversen und für mich war die Tatsache, dass eine Verwaltungs-Expertin für die Gemeinde allein nicht ausreicht. Man muss verwalten und gestalten können, um den Haushalt in Ordnung zu bringen und weitere anstehende Probleme zu lösen.“

Welche Chancen hat Doris Baum? Horst Ostwald, Fraktionsvorsitzender und Sprecher der SPD, sagte: „Der Vorstand darf seinen Mitgliedern nicht vorschreiben, wen sie zu wählen haben. Wir können ihnen nur einen Vorschlag machen. Für uns ist Doris Baum die richtige Kandidatin. Aber vielleicht melden sich ja noch Privatleute mit Unterschriftslisten.“

Diese Meinung vertritt auch Verena Grützbach. Die Stellvertretende WHU-Vorsitzende gehörte der Findungskommission an, nachdem WHU-Vorsitzender Wilhelm Dahmen „aus persönlichen Gründen“ abgesagt hatte. „Doris Baum besitzt große Erfahrungen in der Verwaltung und im Umgang mit vielen Mitarbeitern, deshalb schlagen wir sie vor. Wenn unsere Mitglieder sie nicht wollen, dann wird die WHU ohne Kandidaten-Unterstützung in den Wahlkampf gehen.“ Bei den Mitgliederversammlungen in den nächsten Tagen wird es auch geheime Abstimmungen – so bei der SPD – geben.

Doris Baum hat bislang drei Einladungen erhalten, um sich den Parteien vorzustellen: von ihren Unterstützern SPD und WHU sowie von der BFB, die sich bislang gemeinsam mit der CDU für Susanne Bendfeldt ausgesprochen hatte. Von der CDU liege ihre keine Einladung vor, sagte die Kandidatin. Susanne Bendfeldt war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Termine: Mitgliederversammlungen: WHU: 16.Januar, Henstedter Hof; CDU: 23. Januar, Bürgerhaus; SPD: 23. Januar, Henstedter Hof; BFB: 24. Januar, Bürgerhaus; FDP: 26. Januar, Ort noch offen. Vorstellungstermine der Kandidaten: 6. Februar (Gemeinschaftsschule Rhen), 20. Februar: „Lütte School“ Ulzburg-Süd, 6. März: Bürgerhaus.