Kommentar

Bitte nicht so viel Harmonie

In Norderstedt herrscht Harmonie. Schon vor der Kommunalwahl gab es kaum Streit, weder unter den Parteien noch zwischen den Politikern und der Verwaltung.

Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote und seine Mitarbeiter arbeiten geschickt, verzichten auf Alleingänge, nehmen die Politiker mit, diskutieren, verändern und setzen, zumindest bei den großen Projekten, auf breiten Konsens. Grote hat dem Thema Nachhaltigkeit hohen Stellenwert eingeräumt und zieht dadurch den Grünen und Umweltschützern den Zahn, mit dem sie beißen könnten.

Und nun auch noch Harmonie beim Haushalt, einem Thema, bei dem früher die verbalen Fetzen flogen. Doch auch hier geschickte Taktik vor dem Spiel: Der Hauptausschuss hatte sich samt Dezernenten und Vertretern aller Parteien am 16. November zur Haushaltsklausur zurückgezogen. Er habe selten eine so konstruktive Diskussion erlebt, die von verantwortungsvollem Handeln zeuge, lobte der Verwaltungschef hinterher. Die finanzwirksamen Beschlüsse in den Fachausschüssen fielen weitgehend einmütig.

So viel Miteinander hat Vorteile, scheitern wichtige Projekte doch nicht an Streit und langwierigen Debatten. Doch es stellt sich die Frage, wie die Parteien ihr Profil schärfen wollen, welche Visionen sie für die Stadt entwickeln, wie sie überhaupt noch in Erscheinung treten und sich ihren Wählern nahebringen wollen. Also: Ein paar Ecken und Kanten und klare Konturen dürfen schon sein.