Henstedt-Ulzburg

400 neue Arbeitsplätze in Henstedt-Ulzburg

Die Pläne des Touristikunternehmens Roomnight überraschen Ministerpräsident Albig

Henstedt-Ulzburg. Der Ministerpräsident wunderte sich, blieb jedoch auch angesichts merkwürdiger Anpreisungen gelassen: Zwei Tage in einem Schlosshotel für etwas über 300 Euro für zwei Personen – inklusive „Sexorgie“. Das war eine Offerte, die Torsten Albig durchaus amüsierte. Sie wurde groß an die Wand gebeamt und sollte demonstrieren, was in der Tourismusbranche heute möglich ist. „Das mit der Orgie ist ein kleiner Fauxpas unserer Marketingabteilung“, sagte Roomnight-Geschäftsführer Thomas Niemeier. Der Ministerpräsident schmunzelte.

Tatsächlich spielen sexuelle Angebote aber eine Rolle in der Tourismusbranche: Das hatte die Henstedt-Ulzburger Roomnight-Gruppe anhand einer Umfrage festgestellt. Viele Reisende wünschen sich demnach unter anderem auch Sex-Spielzeuge im Hotelzimmer.

Dieses Umfrageergebnis und die damit verbundenen Schlagzeilen waren jedoch nicht der Grund für den Besuch von Ministerpräsident Albig, der am Freitag leger mit Jeans und kariertem Hemd bekleidet in der gutbürgerlichen Wohngegend am Immbarg in Henstedt-Rhen auftauchte, um einem innovativen Unternehmen der Tourismusbranche die Ehre zu geben.

Was der Politiker aus Kiel zu hören bekam, war auch für ihn erstaunlich. Denn Thomas Nordmeier und seine Geschäftsführerkollegin Monika Weglewski haben große Pläne: Sie wollen in den nächsten Jahren die Tourismusbranche revolutionieren. Mit 100 Millionen Euro Investitionskapital wollen sie 400 Arbeitsplätze schaffen. Im Mittelpunkt steht dabei das „ziellose Reisen“ – soll heißen: Nicht das Ziel einer Reise steht im Vordergrund, sondern die Angebote, das Klima, die Sonnenstunden. Mit Hilfe der Hotelsuchmaschine „Bagtion!“ sollen sich rastlose Kunden, die nicht mehr einen großen Urlaub am Stück, sondern mehrere Kleinurlaube pro Jahr antreten, ihren Urlaub im wahrsten Sinne des Wortes basteln. Der Nutzer packt all seine Lieblingsaktivitäten in einen virtuellen Koffer, anschließend wird ihm dazu das passende Hotel vorgeschlagen. Erst im nächsten Schritt werden Urlaubsland, -ort und -hotel vorgeschlagen.

„Kundenumfragen haben ergeben, dass für viele die Gegebenheiten und Möglichkeiten am Urlaubsort für die Buchungsentscheidung ausschlaggebend sind“, erklärte Thomas Nordmeier dem Ministerpräsidenten. „Mehr Menschen wollen schnell und kurzfristig weg – egal, wohin.“ Für „Bagtion!“ wurde Roomnight mit einem Innovationspreis belohnt.

Torsten Albig bewertete die Pläne der Roomnight-Gruppe als „mutige Aussage“. Er selbst gehöre zwar zu den Menschen, die ihren Urlaub nach dem Ort aussuchten, komme aber auch nicht mehr dazu, drei Wochen Urlaub am Stück zu machen. Insofern seien die Angebote für ihn auch maßgebend bei der Planung einer Privatreise. Generell brauche Schleswig-Holstein Unternehmen, die neue Wege ausprobieren wollten. „Ich mag solche Ansätze“, sagte der Ministerpräsident, der daran erinnerte, dass 80 Prozent der schleswig-holsteinischen Wirtschaft im Dienstleistungsbereich angesiedelt seien.

Geld von der öffentlichen Hand konnte Albig dem Henstedt-Ulzburger Tourismusunternehmen nicht in Aussicht stellen, sonstige Unterstützungen aber schon. „Es ist eine schöne Sache, wenn ein solches Unternehmen von Henstedt-Ulzburg aus tätig wird.“

Dass die Expansionspläne keineswegs aus der Luft gegriffen sind, beweist die bisherige Firmengeschichte von Roomnight. Seit 2005 ist das Unternehmen Spezialist im Verkauf von Reisen und Hotelgutscheinen. Der Vertriebsschwerpunkt liegt im Onlineverkauf. Bis jetzt haben die Unternehmen der Roomnight-Gruppe 2,5 Millionen Übernachtungen an mehr als 150.000 Kunden vermittelt. Mit seinen 27 Mitarbeitern gehört das Unternehmen zu den professionellsten und erfolgreichsten Reisevermitteln im Onlinehandel. Seit dem Frühjahr 2013 werden auch Flüge, Pauschalreisen, Kreuzfahrten, Mietwagen und Ähnliches in einem Reisebüro auf dem Unternehmensgelände am Immbarg angeboten.

Dabei legen Monika Weglewski und Thomas Nordmeier Wert auf eine seriöse Geschäftspolitik. „Wir sind schuldenfrei“, berichteten die Geschäftsführer dem Chef der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Sie kündigten an, das Unternehmen werde zeitnah in konkrete Gespräche mit starken Investoren sowie Experten in Sachen Wirtschaftsförderung und Vertretern der Landesregierung gehen. „Wir möchten in Henstedt-Ulzburg bleiben und setzen da auf entsprechende Unterstützung der Kommunal- und Landespolitik.“