Schröters Wochenschau

Ganz großes Kino

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Jan Schröter

Was haben wir gefiebert, damals im Kino: Feuer im ganzen Wald, Bambi mittenmang, überall schießwütige Jäger und bellende Hunde.

„Bambi“, Walt Disneys fünfter Trickfilm in abendfüllender Länge, 1942 produziert, war bei meinem ersten Besuch auch schon mehr als zwei Jahrzehnte alt, aber presste uns Kinder mit seiner dramatischen Wucht in die Sitze, als stünden wir selbst unter Beschuss.

Das lag an der Handlung, an diesem Meilenstein der Filmgeschichte. Es lag aber auch am Kino. Fernsehgeräte, sofern damals vorhanden, boten schlierige Bilder in Schwarz-Weiß, und neben dem Kasten brannte die Tütenlampe. Im Kino gab es die große, bunte Leinwand und in der Dunkelheit davor jede Menge Platz für Fantasien. Damals.

Heute gibt es, unter anderem, in Bad Bramstedt ein seit Jahren geschlossenes Kino, die einstigen „Kur-Lichtspiele“ im denkmalgeschützten Gebäude am Schlüskamp. Eine Zeitkapsel mit roten Sesseln, antiquierter Projektionstechnik und muffigem Vorhang – baufällig bis zur Vollsperrung. Leider. Hätte ich das Geld für ein nicht unbedingt rentables Hobby, hier würde ich es investieren. Auf Zelluloid gebannte Kinoträume exklusiv genießen, ein Gläschen Schampus in der Hand und den Kopf voller Fantasien. Vielleicht würde ich aber auch ein paar Leute einladen und ihnen „Bambi“ vorführen. Zum Beispiel die Nachbarn des Norderstedters Hans Heyer, dessen Garten regelmäßig ein Reh besucht, um aus dem Zierteich zu schlabbern und vom ausgelegten Vogelfutter zu naschen. Diese Nachbarn alarmierten tatsächlich die Polizei mit der Aufforderung, das Tier standrechtlich zu erschießen, weil es, möglicherweise, den fließenden Verkehr auf der nahe gelegenen Straße gefährde. Mal abgesehen davon, dass man angesichts von ballernden Uniformierten im eigenen Garten mindestens auf die Idee kommen könnte, umgehend den Weltsicherheitsrat zu alarmieren: Was sollen wir uns eigentlich für Meldungen am 1. April ausdenken, wenn so etwas schon in der Realität passiert?

Im Disney-Film zitiert der Hase Klopfer eine Weisheit seines Vaters: „Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, soll man lieber den Mund halten“. Ähem. Dann halte ich jetzt besser mal die Klappe.

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