Bad Bramstedt

Die Angst vor dem Feuerteufel

Kriminalpolizei gründet Ermittlungsgruppe und intensiviert in Bad Bramstedt die Suche nach dem Täter

Bad Bramstedt. Eine Kleinstadt lebt in Angst. Nach dem Brand im Hotel Gutsmann und zwei weiteren Feuerwehreinsätzen am Wochenende sind Polizisten und Feuerwehrleute sicher: In Bad Bramstedt ist ein Brandstifter unterwegs. Seit Monaten brennt es immer wieder im Stadtgebiet, die Polizei intensiviert ihre Ermittlungen. „Die Kriminalpolizei setzt nach den drei aktuellen Bränden in Bad Bramstedt ihre Ermittlungen dort mit höchster Priorität fort“, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. Die Kripo setze zusätzliches Personal ein und habe ein Ermittlungsteam gegründet, teilte die Polizei mit. Doch bislang ist unklar, wer für die Brandstiftungen verantwortlich ist.

„Es scheint einen oder mehrere Menschen zu geben, die Brandstiftung als Sport begreifen“, sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach. „Tatsächlich reden wir über Verbrechen, die schwer bestraft werden müssen.“ Die Brände der jüngste Zeit seien ein großer Gesprächsthema in der Stadt, berichtet der Bürgermeister. „Man kann nur zornig sein.“

Wie berichtet, hatten Unbekannte in der Nacht zu Sonntag an einer Lieferantenzufahrt des Hotels Papier und Müll angezündet. Der aufsteigende Rauch zog durch das gesamte Gebäude. Feuerwehr, Rettungskräfte und die Polizei räumten sämtliche Zimmer. 249 Gäste wurden in Sicherheit gebracht und vorübergehend in der Schön-Klinik und im Kurhaustheater betreut. Einige konnten ihr Zimmer wegen des dichten Qualms das Gebäude nur über Leitern verlassen. Zehn Personen erlitten Rauchvergiftungen. In derselben Nacht kam es in Bad Bramstedt zu zwei weiteren Bränden. Sämtliche Feuerwehren aus der Region waren im Einsatz

Dass diese Feuer vom selben Täter gelegt wurden, ist mittlerweile so gut wie sicher. Jetzt prüft die Polizei, welche Brände außerdem auf das Konto des Brandstifters gehen, der zumeist nach einem ähnlichen Schema vorgeht. An Gebäuden entzündet er nachts Abfälle, die Flammen schlagen an Gebäuden hoch. „Bei einem ungünstigeren Verlauf im Hotel hätte es deutlich mehr Verletzte geben können“, sagt Kütbach.

Die Liste der ungeklärten Brände ist lang: Am 4. August gehen an der Straße An der Hudau auf dem Gelände des Altenheims Eschwege ein Carport und zwei Schuppen in Flammen auf. Ein Einfamilienhaus und der Wohntrakt, in dem Behinderte leben, wird geräumt. Am 19. Oktober steht ein Carport an der Holsatenallee in Flammen. Anwohnern gelingt es, ihre sechs geparkten Autos in Sicherheit zu bringen. Der Schaden wird auf 20.000 Euro geschätzt. Am 21. Oktober brennt an der Rosenstraße ein leer stehendes Einfamilienhaus aus. Der Schaden beläuft sich auf eine sechsstellige Summe.

Hinzu kommen viele Containerbrände, die die freiwillige Feuerwehr löschen muss. Auf 86 aktive Feuerwehrleute kann Wehrführer Kai Harms zählen. Außerdem unterstützen die Wehren aus den umliegenden Dörfern die Bramstedter Kräfte, die in diesem Jahr bereits 178 Einsätze hinter sich haben. „Damit sind wir weit über dem Durchschnitt der letzten Jahre“, sagt der Gemeindewehrführer.

Er hält es für auffällig, dass die Brände meistens wenige Stunden nach Veranstaltungen der Bramstedter Feuerwehr ausbrechen. Am Sonnabend trafen sich die Kameraden zum Spieleabend, Stunden später brannte es im Hotel. Dass ein Bramstedter Feuerwehrmann für die Feuer verantwortlich ist, hält Harms jedoch für ausgeschlossen.

Bei ihren Ermittlungen prüft die Polizei auch Zusammenhänge mit Bränden der vergangenen Jahre. Ein ähnliche Serie hatte Polizei und Feuerwehr 2010 in Atem gehalten. Spektakulärster Einsatz war im Juli der Großbrand in einem Einkaufszentrum an der Holsatenallee, ein Discounter und mehrere Geschäfte wurden zerstört. Der Schaden ging in die Millionen. Auch dort hatte der Täter an einer Zufahrt Müll angezündet. Einem Verdächtigen, den die Polizei im Visier hatte, konnte die Tat nicht nachgewiesen werden

Am Eingang des Hotels Gutsmann hängen Schilder mit der Aufschrift „Geschlossen“. Wie hoch der Schaden ist, weiß Hoteldirektor Andreas Söhl noch nicht. Der Brandschaden ist vergleichsweise gering, doch das gesamte Gebäude riecht nach Rauch. Strom und Wasserversorgung sind teilweise ausgefallen. „Wir müssen uns jetzt erst einmal einen Überblick verschaffen“, sagt Söhl. Wann er das Traditionshotel wieder öffnen kann, ist noch unklar.

Bürgermeister Kütbach appelliert an die Bürger, Verdächtige sofort der Polizei zu melden.