Kisdorf

Vom Bauerndorf zur Wohngemeinde

| Lesedauer: 4 Minuten
Frank Knittermeier

In jahrelanger Kleinarbeit hat Marlene Hroch eine sehr interessante Chronik über ihre Heimatgemeinde Kisdorf verfasst

Kisdorf. Der 23. Juni 1843 war ein ganz normaler Schultag für die Kinder in Kisdorf. Das neue Schulgebäude, heute die „Ole School“, war fertig, die Kinder wurden von Lehrer Steenbock unterrichtet – vormittags drei Stunden, nachmittags drei Stunden. An jenem Freitag beschäftigten sich die Schüler der Oberstufe vormittags mit einer „Lection aus dem Katechismus“, nachmittags mussten sie „Gesangslection“ auswendig lernen. Die Mittelstufe machte Gedächtnisübungen, nachmittags Leseübungen. Die Unterstufe erhielt vormittags Unterricht in „Buchstabenkenntnis“, nachmittgs eine „Lection im Hersagen“. Details dieser Art hat Marlene Hroch zusammengetragen und in ihrer Dorfchronik veröffentlicht.

„Vom Bauerndorf zur Wohngemeinde – Geschichte des Dorfes Kisdorf“ ist der Titel des aufwendig gestalteten Buches, in dem die Autorin den großen Bogen in der Entwicklung vom reinen Bauerndorf hin zu einer attraktiven Wohngemeinde schlägt, dabei aber viele kleine Details ausgearbeitet hat, um es lesenswert zu machen. Das Kapitel über das Schulwesen gibt auch Aufschluss über die Befindlichkeiten der damaligen Schüler – offenbar hat sich wenig geändert. Der Schüler Carl Dannmeyer, der später selbst Lehrer und Rektor an einer Hamburger Volksschule war, schrieb in seine Erinnerungen nieder: „Als unser Lehrer Steenbuck 1860 mit 50 Jahren an Schwindsucht gestorben war, kam eine schöne Zeit für uns. Es wurde monatelang keine Schule gehalten...“

Unterstützt wurde die Autorin vom Arbeitskreis Kisdorfer Geschichte

Marlene Hroch hat in jahrelanger Arbeit ein großformatiges Buch zusammengestellt, das einen erstaunlich lebendigen Ein- und Überblick in die Geschichte Kisdorfs und die Befindlichkeiten seiner jeweiligen Bewohner bis in die heutige Zeit gibt. Unterstützt wurde die Autorin dabei vom Arbeitskreis Kisdorfer Geschichte, in der ihr Bruder Bernhard Kröger, Ehemann Hans-Jürgen Hroch, Sohn Florian Hroch, Eyke Nowak, Martin Ahrens und Dr. Klaus Huber Daten und Ereignisse zusammentrugen. Das Erforschen der Heimatgeschichte liegt offenbar in der Familie: Das Team konnte sich auf eine neunbändige Chronik stützen, die Marlene Hrochs Vater Ernst Kröger bereits 1980 herausgegeben hatte. Der 1990 verstorbene Landwirt war über Jahrzehnte Chronist der Gemeinde aus Leidenschaft.

Die von ihrem Vater herausgegebene Chronik bot viel Lesestoff, war aber auch ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, wenn man das Interesse der Allgemeinheit gewinnen will. „Wir haben uns bemüht, nicht nur für Wissenschaftler zu schreiben, sondern für alle, die sich für die Geschichte unseres Dorfes interessieren“, sagt Marlene Hroch. Mit Unterstützung der Husum Druck- und Verlagsgesellschaft und ihrem Sohn Florian, der zusammen mit der Verlagsangestellten Susanne Jensen für das griffige Layout sorgte, ist ein übersichtliches und klar gegliedertes Buch mit überraschend vielen Fotos entstanden, das nicht nur für die Einheimischen interessant sein dürfte.

Am Wochenende gibt es die Chronik für 35 Euro auf dem Weihnachtsmarkt

Das Buch gibt den Lesern Einblicke in die Geschichte des Dorfes und vermittelt die Sorgen und Nöte, Kriegssituationen, Kämpfe mit der Obrigkeit und Schicksalsschläge der Dorfbewohner früherer Generationen. Marlene Hroch und ihr Team beschafften sich zusätzlich zum vorhandenen Material neu aufgetauchte Protokolle, die Lebenserinnerungen eines Bürger aus dem 19. Jahrhundert sowie die Chronik der Schule von 1919 bis 1939. In jahrelanger Kleinarbeit entstand schließlich das Buch, das Marlene und Hans-Jürgen Hroch selbst finanzierten. Der Gemeinde Kisdorf war diese Ausgabe zu hoch, kaufte aber dennoch einige Exemplare. Bürgermeister Reimer Wisch bedankt sich bei Marlene Hroch und ihrem Team für dieses „außerordentliche, selbstlose Engagement“ in einem Vorwort.

Währen des Kisdorfer Weihnachtsmarktes von Freitag bis Sonntag, 22. bis 24. November, im Margarethenhoff kann die Kisdorfer Chronik zum Vorzugspreis von 35 Euro erworben werden. Vorbestellungen nimmt Marlene Hroch unter 4193/2928 und 0172/520 15 08 und E-Mail hroch@sh-mobile.de entgegen. Nach dem Weihnachtsmarkt gibt es die 300-Seiten-Chronik für 39,90 Euro im Kisdorfer Stöberstübchen, bei Steen Decoration in Kisdorf, in der Buchhandlung Fiehland in Kaltenkirchen und im Schreibwarengeschäft Biehl in Henstedt-Ulzburg.

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