Kreis Segeberg

Zukunft der Gymnasien ist sicher

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Michael Schick

Sinkende Schülerzahlen im Norden gefährden kleine Gymnasien. Doch im Kreis Segeberg sind die Schulen nicht bedroht

Kreis Segeberg. Jedes vierte Gymnasium in Schleswig-Holstein ist auf Dauer in seiner Existenz bedroht, da die Schülerzahlen deutlich zurückgehen werden. Das befürchten der Philologenverband und die Lehrergewerkschaft GEW. Für den Kreis Segeberg trifft das allerdings nicht zu, die Leiter der Gymnasien sehen positiv in die Zukunft. Norderstedts Schuldezernentin Anette Reinders spricht eine Bestandsgarantie für die vier Gymnasien in der Stadt aus. „Zumindest in den nächsten zehn bis 15 Jahren werden die Schüler weiterhin am Coppernicus-, Lessing-, Lise-Meitner- und Harksheider Gymnasium Abitur machen können“, sagt sie. Die Schülerzahlen steigen sogar.

2686 Jungen und Mädchen haben im Jahr 2006 an den Norderstedter Gymnasien gelernt, bis zum laufenden Schuljahr stieg die Zahl auf 2950. „Wir gehen davon aus, dass diese Zahlen bis 2027 oder 2030 stabil bleiben werden“, sagt die Dezernentin. Sie geht davon aus, dass die Stadt weiter wächst, junge Familien in die geplanten Neubaugebiete ziehen werden.

Wer allerdings auf die aktuelle Statistik des Schulministeriums guckt, stellt fest, dass rein rechnerisch auch das Lessing-Gymnasium im Vergleich mit den anderen Gymnasien eher wenig Fünftklässler aufgenommen hat. 70 waren es aktuell, verteilt auf drei Parallelklassen. Das bedeutet in der Rangliste des Ministeriums Rang 86 von 99. „Die Tabelle gibt einen schiefen Eindruck wieder“, sagt Carsten Apsel, neuer Leiter der Schule. Das Lessing-Gymnasium sei für drei Parallellklassen ausgelegt, seit Jahren starteten immer um die 70 Schüler an der Schule in ihre Gymnasialkarriere. „Deswegen mache ich mir überhaupt keine Sorgen um die Zukunft unserer Schule“, sagt Apsel.

Zumal das Gymnasium im Schulzentrum Nord mit der starken musikalischen Ausrichtung schon jetzt über ein Alleinstellungsmerkmal verfüge. Dennoch will Apsel das Profil weiter schärfen und bilingualen Unterricht einführen.

Seinen Weg in die Zukunft hat auch das Lise-Meitner-Gymnasium gefunden. Nachdem die Schule durch den Bau der Gemeinschaftsschule in Nahe Schüler verloren hatte, entschieden sich Lehrer, Eltern und Schüler, als einziges Gymnasium in Norderstedt das Abitur nach neun Jahren anzubieten – die Alternative brachte Aufschwung und mit 102 neu aufgenommenen Schülern in vier Klassen Platz 44 im Ranking des Ministeriums.

Norderstedter Spitzenreiter ist das Gymnasium Harksheide auf Platz 33 (108 Fünftklässler in vier Klassen), das Coppernicus-Gymnasium hat 83 Jungen und Mädchen aufgenommen und auf drei Klassen verteilt (Platz 74).

Unter den Top Ten rangieren die Gymnasien in Henstedt-Ulzburg (Rang 9, 137 neue Schüler, fünf Klassen) und Kaltenkirchen (Rang drei, 153 Schüler, sechs Klassen). „Wir sind gut aufgestellt und haben mit 1260 Schülern die komfortable Situation, dass die Schüler in der Oberstufe ein breites Angebot bekommen und unter fünf Profilen wählen können“, sagt Schulleiter Reinhard Redemund. Mangel an Schülern dürfte auch künftig nicht herrschen: Kaltenkirchen soll am stärksten im Kreis Segeberg wachsen.

„Ich gehe eher von mehr als von weniger Schülern für die Zukunft aus“, sagt Michael Höppner, Leiter des Alstergymnasiums. Auch er muss sich angesichts der Schulgröße und der guten und konstanten Anmeldezahlen keine Sorgen um die Zukunft des Henstedt-Ulzburger Gymnasiums machen. Was er vermisst, ist ein klares Gesamtkonzept für die Gemeinschaftsschulen und Gymnasien im Norden: „Es macht doch keinen Sinn, wenn überall Gemeinschaftsschulen eigene Oberstufen einrichten. Die sind zu klein, um ein umfassendes Angebot machen zu können und kosten Geld“, sagt der Pädagoge. Sinnvoller ist seiner Ansicht nach eine intensive Kooperation zwischen den beiden Schulformen.

In Henstedt-Ulzburg funktioniere die Zusammenarbeit schon, sie werde sogar vertraglich festgeschrieben. Leistungsstarke Gemeinschaftsschüler könnten schon vor dem Realschulabschluss ins Gymnasium hineinschnuppern, bei der Wahl der Profile in der Oberstufe würden sie den Gymnasiasten gleichgestellt.

Auch die Schulleiter der Jürgen-Fuhlendorf-Schule in Bad Bramstedt und der beiden Gymnasien in Bad Segeberg sehen optimistisch in die Zukunft. Der Blick in die Tabelle bestätigt die Aussagen: Das Städtische Gymnasium in der Kreisstadt rangiert mit 102 neuen Schülern in vier Klassen auf Position 45, das Bramstedter Gymnasium mit 97 Fünftklässlern in vier Klassen auf Rang 54 und die Dahlmannschule mit 81 neuen Schülern in drei Klassen auf Rang 76.

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