Norderstedt
Kreis Segeberg

Das Porträt von Waldemar von Mohl bleibt erst mal hängen

Der Landrat, der während der Nazi-Zeit in Segeberg amtierte, beschäftigt weiter die Politik und die Verwaltung in der Kreisstadt. Ausschuss bewilligt jetzt 25.000 Euro für Umgestaltung der Ahnengalerie im Kreishaus.

Bad Segeberg. Anfang des kommenden Jahres debattieren die Segeberger Kreispolitiker über die Zukunft des Porträts von Waldemar von Mohl. Derzeit hängt ein Bild des Segeberger Landrats, der zwischen 1932 und 1945 amtierte, noch zwischen seinen Vorgängern und Nachfolgern im Erdgeschoss des Foyers des Kreistagsitzungssaals in Bad Segeberg. Nachdem Anfang November das Gutachten über von Mohl vorgestellt wurde (das Abendblatt berichtete), steht nun die Frage nach dem weiteren Umgang mit der Erinnerung an den Landrat an.

Die FDP-Kreistagsfraktion hat ihre Schlüsse aus den Ergebnissen des Gutachtens bereits gezogen. Sie will die Porträts der Amtmänner und Landräte zunächst komplett entfernen und stattdessen eine Dokumentation aller Landrätinnen und Landräte des Kreises Segeberg seit 1867 bis in die unmittelbare Gegenwart mit deren Biografien im jeweiligen historischen Kontext schaffen. Ein entsprechender Antrag an den Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport des Kreises wurde am Dienstag zurückgestellt.

Denn die Gutachter hatten von Mohl zwar attestiert, kein Nationalsozialist gewesen zu sein – sein Beitritt zur NSDAP im Jahr 1937 sei nur ein Beispiel für seine Anpassungsbereitschaft und ein typisches Beispiel für die Rolle alter Eliten im Dritten Reich. Professor Uwe Danker und Dr. Sebastian Lehmann vom Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte, die das Gutachten verfasst haben, geben von Mohl aber gleichwohl eine Mitverantwortung am nationalsozialistischen Unrecht im Kreis Segeberg. So wusste der Landrat beispielsweise um die Sterilisationen, die im Kreiskrankenhaus im Zuge der Euthanasie umgesetzt wurden.

Vor diesem Hintergrund dürfe das Porträt nicht weiter unkommentiert in der Ahnengalerie verbleiben, heißt es am Ende des Gutachtens. Dort haben die Historiker auch mehrere Vorschläge für das weitere Vorgehen unterbreitet. Sie reichen vom Kommentar des Porträts und der historischen Rolle von Mohls bis hin zu einer kompletten Umgestaltung der Ahnengalerie. Hierfür hatte die FDP am Dienstag 25.000 Euro beantragt. Mit acht zu vier Stimmen, fünf von der CDU, eine der FDP und zwei von der SPD meldete der Ausschuss diese Summe nun für den kommenden Haushalt beim Kreistag an. „Er ist mit einem Sperrvermerk versehen“, erklärt der Fraktionschef der Kreis-FDP, Wolfgang Schnabel. Das Geld stünde bei Zustimmung des Kreistags also bereit, kann aber erst ausgegeben werden, wenn die Kreispolitiker Anfang des kommenden Jahres eine Entscheidung über die Zukunft der Galerie getroffen haben. Die Kreisverwaltung und die Landrätin an ihrer Spitze werden sich dabei laut Manfred Stankat, der in der Verwaltung für den Ausschuss zuständig ist, nicht im Vorfeld in die politische Beratung einmischen. Das Gutachten zeichne ein differenziertes Bild und sei eine gute Grundlage für eine Entscheidung.

Auch Kreispräsident Winfried Zylka (CDU) will keine öffentliche Empfehlung geben. Er müsse schließlich am Ende als Amtsträger die Entscheidung des Kreistages nach außen vertreten. „Das eine kann ich aber sagen: Mir ist aufgefallen, dass das Gutachten nur die Zeit bis 1945 würdigt.“ Die Jahre bis zum Tod von Mohls im Jahr 1966 würden nicht näher in den Blick genommen. Nach 1945 war von Mohl beispielsweise Vorsitzender des Kreisverbands des Roten Kreuzes und wurde öffentlich ausgezeichnet. „Damals wurde sein Wirken in der NS-Zeit sicher anders bewertet, als wir das heute tun würden“, sagt Zylka. Nach seiner Auffassung ist die Galerie im Foyer des Kreistages in keiner Weise eine Ehrengalerie. Dort hingen Porträts von Amtsträgern bis weit zurück in die dänische Zeit.

Die Linksfraktion im Kreistag, mit deren Initiative die Diskussion im Frühjar dieses Jahres begann, hat wiederum mittlerweile die Ölgemälde im Haus Segeberg in den Blick genommen und will auch über sie diskutieren. Denn im Foyer des Amtssitzes der Landrätin hängt unter anderem ein weiteres Porträt Waldemar von Mohls – ohne Namensnennung und weitere Daten. Zudem sind die Bilder von drei Landräten aus der Zeit nach 1945 zu sehen: Walter Alnor (Landrat von 1950–1959), Joachim Dorenburg (1959–1966) und Anton Graf Schwerin von Krosigk (1966–1990).