Norderstedt

Von Feuerstelle bis Mikrowelle

Das Stadtmuseum Norderstedt zeigt in der Ausstellung „Bratpfanne und Kochlöffel“ die Entwicklung des Kochens

Norderstedt. Frühmorgens stand sie auf, meistens noch, bevor die anderen der Familie aus dem Bett kamen. Sie schichtete Holz in den Herd, legte die Zeitung von gestern darauf und zündete sie an. Der Küchenherd war aus Gusseisen, zumeist blank geputzt, und wenn Großmutter mit dem Feuerhaken einzelne Ringe aus der Oberfläche des Herds zog, entstand ein Loch, aus dem das Feuer loderte. Darauf setzte sie den Kessel mit Wasser, um Kaffee zu kochen. Von einer Maschine, die nur angeknipst werden muss, träumte Großmutter nur.

„Das Kochen war früher viel mühseliger“, sagt Marlen von Xylander und zeigt in der Ausstellung „Bratpfanne und Kochlöffel“ im Stadtmuseum Norderstedt, mit welchen Geräten unsere Großmütter und unsere Mütter Obst und Gemüse winterfit gemacht haben. Einwecken wurde das Konservieren genannt, denn die Gläser, in die Äpfel und Birnen, Bohnen und auch Fleisch gefüllt wurden, hat der Unternehmer Johann Carl Weck erfunden. Die Gläser müssen kochfest sein und das Eingekochte oder Eingemachte mit einem luftdichten Abschluss gegen Schimmel und andere Eindringlinge schützen, die das Eingemachte verderben könnten.

In der Mitte der Ausstellung ist eine offene Feuerstelle aufgebaut

„Mal eben eine Packung Bohnen aus der Tiefkühltruhe holen oder eine Pizza bestellen, war undenkbar“, sagt Norderstedts Stadtarchivarin, die über das Leben der Flüchtlinge in Schleswig-Holstein nach dem Zweiten Weltkrieg promovierte.

In der Mitte des Ausstellungsraumes ist eine offene Feuerstelle aufgebaut, wie sie vor Tausenden von Jahren Menschen wärmte. Nach der Sage fiel irgendwann irgendjemanden ein Stück Fleisch, das bis dahin, frisch gejagt, roh gegessen wurde, ins Feuer. Es schmeckte besser als das rohe Fleisch, und die Menschen entwickelten das Braten, Rösten und Grillen. Wenn heute gleich bei den ersten warmen Sonnenstrahlen die Grillschwaden durch die Gärten wabern, ist das nichts anderes als ein nostalgisches Zurück zu den Urahnen.

Schon im Jahr 1679 erfand Denis Papin eine Art Schnellkochtopf

Schwerpunkt der Schau ist das vorige Jahrhundert, beispielsweise Kücheneinrichtungen der 20er-Jahre mit den typischen Küchen-Büffets, von denen ein wunderschönes, weiß lackiertes Exemplar mit farbigen Jugendstil-Glasscheiben in der Schau steht. Gleich daneben dekorierte von Xylander ein Paradetuch an der Wand, das meistens eine Art Garderobe für Küchenhandtücher, Geschirrtücher und Schürzen verdeckte, aufgehängt an einem Bord. Auch ein Teil einer Speisekammereinrichtung mit Vorratsbord ist zu sehen, denn von Kühlschränken konnten unsere Großmütter auch nur träumen.

Seit jeher versuchten die Köche, die meist zeitraubende Kocharbeit zu beschleunigen. Schon 1679 erfand Denis Papin eine Art Schnellkochtopf. 1927 brachte der Topfhersteller Silit seinen Sicomatic heraus. Diese Koch-Errungenschaft kann von Xylander ebenso zeigen wie eine Brotschneide-Maschine, eine Förtchenpfanne für das Silvester-Gebäck, antiquarische Kochbücher, aus Holz geschnittene Quirllöffel, Vorlagelöffel und Esslöffel.

„Früher hatte jeder seinen eigenen Holzlöffel, mit dem er aus der großen Schüssel aß, und den er auch sein Leben lang behielt. Daher kommt auch der Spruch ‚Den Löffel abgeben‘, wenn jemand stirbt“, sagt von Xylander.

Hinter einer schwarzen Holzwand mit runden Gucklöchern verbirgt die Ausstellungsmacherin die Thematik „Kochen in der Not“. Werden solche Wände in Museen normalerweise aufgebaut, um Frivoles vor Kinderaugen zu verbergen, will von Xylander damit die Neugier wecken. Schwarze Papp-Silhouetten symbolisieren Menschen in Not. Sie stehen hinter Tischen mit Sieben aus Stahlhelmen und Trinkgefäßen aus Patronenhülsen. „Not macht erfinderisch“, sagt von Xylander.

Veranstaltungen: Am Montag, 18. November, liest Christa Heise-Batt von 18.30 Uhr an Gedichte und Geschichten aus Küche und Keller. Eintritt sechs Euro. Am 20. Januar berichtet von 18.30 Uhr an die Gleichstellungsstelle über Kochtraditionen aus aller Welt. Eintritt: 3,50 Euro.Die Ausstellung „Bratpfanne und Kochlöffel“ im Stadtmuseum Norderstedt, Friedrichsgaber Weg 290, ist bis 27. Januar, mittwochs bis sonnabends von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Eintritt: Vier Euro, ermäßigt zwei Euro, Kinder bis zu zwölf Jahren haben freien Eintritt.