Ellerau

Die Europaeiche von Ellerau

Eine Holztafel erinnert an den Baum, der vor gut 34 Jahren gepflanzt wurde und so kräftig wuchs wie Europa

Ellerau. „Jetzt sehen wir mal bewusst, wie toll sich der Baum entwickelt hat“, sagt Gregory Schröder. Der 47-Jährige steht vor einer mächtigen Eiche, die er als Junge mit gepflanzt hat. Das war vor 34 Jahren. Er und drei weitere Jungen packten damals mit an, als der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Kurt Würzbach (CDU) zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Kurt Böge, mit Elleraus damaligem Bürgermeister Emil Schmelow und dem CDU-Gemeindevertreter Edmund Sievers eine junge Eiche an der Ecker Berliner Damm/Stettiner Straße in Ellerau in die Erde brachten. Der Baum war ein Symbol für Europa – so wie er wachsen sollte, so sollte auch der Staatenbund gedeihen.

„Wir haben damals in dem Garten an der Ecke Geburtstag gefeiert“, sagte Gregory Schröder. Mit von der Partie war 1979 auch sein Cousin Oliver Schröter, 46. Die Politiker fragten die beiden und weitere Jungen, ob sie die Patenschaft für den symbolträchtigen Baum übernehmen wollen. Er müsse regelmäßig gegossen werden. Die Teenager sagten zu, sich um das damals noch kleine Bäumchen zu kümmern.

Die Jungengruppe fiel auseinander, Schule, Ausbildung und Beruf zerstreute das Quartett. Der Baum geriet in Vergessenheit, anderes war wichtiger. Doch die Eiche gedieh auch ohne regelmäßige Pflege und wuchs zu einem stattlichen Baum. „Viele wissen aber gar nicht mehr, welche Bedeutung er hat“, sagt Joachim Dose, Vorsitzender des Vereins Wir für Ellerau.

Das wollte der Verein ändern und den Ellerauern vor Augen führen, dass mitten im Ort eine Europaeiche steht. Dose gab bei Hinrich Schümann ein Hinweisschild in Auftrag. Schümann ist gelernter Landwirt, aber einer, der mit dem Schnitzmesser bestens umgehen kann. So machte sich der Ellerauer an die Arbeit und fertigte eine hölzerne Tafel an, die jetzt eingeweiht wurde.

Doch der Verein wollte nicht nur einfach den Hinweis enthüllen. Dose hatte den Ehrgeiz, möglichst viele Akteure von damals wieder vor dem Symbolbaum zu versammeln. Er besorgte alte Fotos von Herbert Lau, der frühere Redakteur der Norderstedter Zeitung hatte die Pflanzaktion mit seiner Kamera festgehalten. Auch die Regionalausgabe Norderstedt des Hamburger Abendblattes veröffentlichte ein Foto von den Jungen – mit Erfolg.

Die jungen Baumpaten von damals wurden gefunden, zwei von ihnen, Gregory Schröder und Oliver Schröter, kamen zur Schildeinweihung, ein dritter hatte kurzfristig abgesagt. Der vierte im Bunde, Bernhard Gruner, war bei einem Autounfall ums Leben gekommen. „Meine Tante hat das Bild in der Zeitung gesehen und bei meiner Mutter angerufen“, sagte Schröder.

Er ist nach Alveslohe gezogen, fährt auf dem Weg zur Arbeit fast jeden Tag an der Europaeiche vorbei. Cousin Oliver Schröter hat es nach Kaltenkirchen verschlagen. „Der Baum führt steht nicht nur für ein wachsendes Europa, er führt jetzt auch unsere Familien zusammen“, sagte er, nachdem er mit seinem Cousin sofort verabredet hatte, dass man sich nun häufiger sehen wolle.

„Als der Baum gepflanzt wurde, war die Kirche übrigens auch eingerüstet“, sagte Joachim Dose, der mit der jüngsten Aktion auch verhindern will, dass die Europaeiche in Vergessenheit gerät. Denn einige der Protagonisten von damals leben nicht mehr. Der frühere Segeberger Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete der CDU, Kurt Böge, starb 2009. Auch der langjährige Ellerauer CDU-Gemeindevertreter Edmund Sievers ist tot. Ehrenbürgermeister Emil Schmelow konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Schildereinweihung teilnehmen. „Er lässt aber die Grüße ausrichten“, sagte Dose.

Gekommen war aber Peter Kurt Würzbach, inzwischen auch schon 75 und fit. „Das war damals eine großartige Aktion, und die aktuelle ist es wieder“, sagte der Politiker im Ruhestand. In vier Jahrzehnten Politik habe er viel erlebt, aber an die Europaeiche erinnere er sich immer gern. „Wie die Eiche sind Deutschland und Europa großartig gewachsen“, sagte Würzbach.

Der Baum habe manche Wunde überlebt, sagte der frühere Staatssekretär im Verteidigungsministerium und langjährige Bürgermeister von Klein Rönnau. Das gelte auch für das wiedervereinigte Deutschland und den europäischen Staatenbund. Er wünsche sich, dass die Europaeiche weiter wachse und gedeihe, so wie auch das Gemeinwesen in Ellerau, aber auch in allen EU-Staaten, sich weiter positiv entwickeln möge.