Moment mal!

Was die Post unter Service versteht

Eine Glosse von Katy Krause

„Sie sind viel unterwegs, selten zu Hause oder haben lange Arbeitszeiten?“ Genau, ich fühlte mich gleich verstanden, als ich den Flyer studierte, den mir die aufmerksame Frau hinter dem Postschalter ans Herz legte. Es handelte sich um die Beschreibung eines besonderen Postservices mit Komforttipp und Bonusprogramm.

Schon beim Einlesen des Abholscheins meines Päckchens hatte die Frau hinterm Schalter gleich „Oh“, ausgerufen. „Wir hätten Sie ohnehin bald angeschrieben.“ Und mir diesen Flyer in die Hand gedrückt. Ich fühlte mich auserwählt. Das Gegenteil war der Fall. Mein Postbote hat mich wohl angeschwärzt, nachdem er mich mehrfach zwischen 11 und 15 Uhr nicht zu Hause antraf und das Päckchen zurück zur Filiale bringen musste. Damit hatte ich den Stempel: Achtung, arbeitende Person. Gut, es gibt Schlimmeres - außer für die Post. Die scheint mit diesem Volk nicht umgehen zu können und versucht es auch nicht.

Denn der besondere Abholservice bedeutet nicht etwa, wie ich Naivchen dachte, dass ich mich zurücklehnen kann, sondern die Deutsche Post. Ich soll unterschreiben, dass die Päckchen gleich in der Filiale bleiben und ich sie „bequem abholen“ darf. Dafür werde ich schnell per SMS benachrichtigt und bekomme Bonuspunkte. Bei mir würde die Post übrigens punkten, wenn sie die Öffnungszeiten meiner Filiale um die Ecke, bislang täglich von 9 bis 18 Uhr, mal modernen Zeiten anpassen würde. Das wäre wirklich Service.