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Mein Verein...liebt Popmusik

Chorus Mind Norderstedt singt nicht nur Gospelmusik. Chorleiter Martin Ziemsky leitet das Ensemble seit der Gründung des Vereins

Norderstedt. Die Fäuste sind geballt, schnellen vor und zurück. Eins, zwei, Punch, eins, zwei, Punch. Mehr als 100 Fäuste schlagen Löcher in die Luft. Und das in einem Raum, der mit einem Boxring so gar nichts am Hut hat. „Kch…! Kch, kch kch!…“ ertönt es lautstark in der Schulaula. Denn es ist Rocky-Zeit für die Sänger von Chorus Mind. Sie üben gerade die Titelmelodie des bekannten Hollywoodfilms ein und auf der Bühne sollen dabei symbolisch die Fäuste fliegen. Denn singen alleine, das reicht dem Gospel- und Popchor nicht. Ein wenig Show darf ruhig dabei sein.

Martin Ziemsky feuert die Männer und Frauen an. 58 Stimmen, die das Auge des Tigers stimmgewaltig umsetzen. Jedes der 58 Vereinsmitglieder weiß genau, was es zu tun hat, welcher Ton als nächster kommt. Und das ist nicht immer leicht, denn der Chor arbeitet teils mit bis zu sieben verschiedenen Stimmmelodien. Dass es da nicht zu einem heillosen Durcheinander kommt, daran hat Martin Ziemsky als Chorleiter ganz gehörigen Anteil. „Es ist nicht ganz einfach, so viele Stimmen zu koordinieren, darauf zu achten, dass das Tempo, der Einsatz stimmt und keiner zu laut oder zu leise ist. Aber die Arbeit bringt unglaublich viel Spaß“, sagt Ziemsky. Der Verein, er sei das Beste, was ihm je passiert sei, sagt der studierte Musiker.

Ziemsky ist Gitarrist, Sänger, Komponist und Arrangeur. Ein musikalischer Tausendsassa, ein Musiklehrer, der immer mehr als einfach nur Musiklehrer sein wollte. Ein Mensch, der die Energie, die in ihn schlummert, sinnvoll einsetzen will, der seine Kreativität formen und mit anderen teilen will. Wer Ziemsky trifft, der ist unweigerlich verblüfft von diesem Mann, der wie unter Strom wirkt und dennoch ruhig, entspannt und humorvoll ist.

Innerhalb kurzer Zeit ist aus dem Chor eine Institution geworden

„Ich war schon immer von Chormusik beeindruckt und mein Traum war es, einmal einen richtig großen Chor leiten zu können, ihn zu formen. Etwas tolles daraus zu machen“, sagt Ziemsky. Das ist ihm und dem Chor gelungen. Denn innerhalb relativ kurzer Zeit ist aus einem Chorprojekt, von dem niemand zu Beginn so recht wusste, ob es klappen würde, eine feste Institution in Norderstedt geworden. Das findet auch die Stadt Norderstedt. Sie verlieh dem Gesangsverein 2012 daher den Titel „Annerkannter Kulturträger der Stadt Norderstedt“.

Im Herbst 1999 war ein alter, kirchlicher Gesangsverein in einer prekären Situation und Ziemsky, der in dem Chor war, beschloss, mit einem Freund einen neuen Chor zu gründen, der mehr Perspektive als der alte Kirchenchor haben würde und der sich nicht an Vorgaben von Institutionen halten müsse. Ein Verein, frei von alles kulturellen und kreativen Fesseln. „Ich wollte immer mal was mit Rock, Pop und Blues machen. Das kann ich jetzt“, sagt der Chorleiter und lacht vergnügt. Aus 15 Sängerstimmen wurden schnell 20, 25, 30. 2001 waren fast 40 Stimmen im Chor. „Das ist ein echter Power-Chor geworden“, sagt Ziemsky nicht ohne eine gehörige Portion Stolz.

1999 wurde der Verein aus der Taufe gehoben

Die Vereinsvorsitzende Irmgard Fuchs ist darüber glücklich, dass der Verein so viel positive Resonanz erfahren hat, sowohl bei der Stadt, als auch bei den Bürgern in und um Norderstedt. „Die Entwicklung, die der Chor genommen hat, ist, aus der zeitlichen Distanz betrachtet, schon recht rasant. 1999 wurde der Verein im Grunde aus der Taufe gehoben, aber seit 2003 sind wir erst ein eingetragener Verein. Und nun, zehn Jahre später, gehören wir zum kulturellen Bild der Stadt dazu. Das freut uns“, sagt Fuchs.

15 Männer und 43 Frauen kommen regelmäßig zu den Proben des Vereins. Sopran- und Alt, Tenor und Bass. In der Schulaula üben die 58 Sänger gemeinsam das, was sie vorher jeder einzeln für sich einproben. Denn die gemeinsamen Chorproben dienen vor allem der Koordination und Abstimmung der verschiedenen Klangkörper aufeinander. Ziemsky sagt, ihm gehe es bei den Proben darum, die richtige Mischung zu finden. „Wer zu welcher Stimmlage am besten passt, das habe ich schon immer vorher grob im Kopf“, sagt der Chorleiter. Er kennt seine Truppe. Und Selbstdarsteller, die kann er für sein Chorkonzept nicht brauchen. Es muss, wie beim Fußball auch, eine gute Mannschaft sein, die man da dirigiert.

Ziemsky erstellt für jede Stimme des Chores eine MP3-Datei

Für seine Sänger und Sängerinnen bereitet der Chorleiter von den Kompositionen, die sie für Konzerte einproben, spezielle Auskopplungen vor. Denn einige Stücke sind nicht einfach von ihren Tonfolgen. Daher erstellt Ziemsky für jede Stimme des Chores eine MP3-Datei, die die Melodie des Stückes für die jeweilige Tonlage beziehungsweisen Chorstimme vorgibt. Die Dateien werden von ihm selbst erstellt und auch eingesungen. Das fordert seine Stimme – vor allem bei Sopran. Und es erfordert viel Zeit. Doch das ist es ihm wert. Denn was er am Ende aus dem Chor raushole, das, so sagt er, haue ihn immer wieder um.

„Das Konzept funktioniert einfach hervorragend“, sagt auch Fuchs. „Wir können dank der MP3 im Auto, zu Hause oder sonstwo die Melodien anhören und mitsingen, bis wir sicher in unserer Stimme sind, sie im Schlaf beherrschen.“ Wenn dann alle Sängerinnen und Sänger zur Probe kämen, dann sei jeder so weit vorangeschritten, dass problemlos am Gesamtklang gearbeitet werden könne. „Es ist toll, so zu arbeiten. Wir schätzen, was Martin für uns leistet“, sagt Fuchs.

Zurzeit arbeitet der Chor für das Highlight des Jahres

Momentan arbeitet der Norderstedter Chor am Programm für das Highlight des Jahres: Das große Jahreskonzert, das der Verein jeden Herbst gibt. In einem knapp zweistündigen Programm präsentiert der Verein dann das Beste aus seinem Repertoire. Und das ist vielseitig. Billy Joel, 5th Dimension, Hermans Hermits, Joachim Witt, Blues Brothers, Gloria Gaynor, Beatles und Elvis sind nur ein kleiner Teil dessen, was der Chor parat hat. Und das Repertoire steigt beständig. Dafür sorgt die ungezügelte Musikbegeisterung Ziemskys. Denn der kennt noch so manche fetzige Melodie, die er in seinen Jugendjahren gehört hat und die nur darauf wartet, von ihm für einen Chor arrangiert zu werden.

Am kommenden Montag stellen wir Ihnen den Henstedt-Ulzburger Verein Bürger-Aktiv vor. Alle Folgen der Serie finden Sie im Internet.

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