Norderstedt

Prozess – Besuch von der Polizei wirkt wie Schock

Der Tatvorwurf ist gravierend und wird deshalb vor dem Schöffengericht in Norderstedt verhandelt.

Norderstedt. Tobias H., 31, soll der damals erst 16-jährigen Samantha S. in einem Zeitraum von April bis Dezember letzten Jahres insgesamt zehnmal kostenlos Marihuana gegeben oder mit ihr gemeinsam konsumiert haben.

Der Norderstedter gibt die Anklagevorwürfe zu. Es sei allerdings erstmalig an seinem Geburtstag im Mai zu einem gemeinsamen Drogenkonsum gekommen, erklärt er. SamanthaS., 17, aus Norderstedt, die bis heute seine Freundin ist, habe in der Zeit viel Alkohol getrunken und notorisch die Schule geschwänzt. Dass sie auch Drogen nehme, habe er nicht gewusst, als er sie kennenlernte, erzählt der Angeklagte. Er beschreibt auf Nachfrage den Ablauf seiner Drogenkäufe bei einem gewissen MustafaB. „Hast Du mal zehn Minuten Zeit?“ habe er beispielsweise am Telefon den Dealer gefragt. Und der habe dann gewusst, dass er für 10 Euro Marihuana kaufen wolle. Für ihn sei es damals völlig normal gewesen, am Wochenende oder am Feierabend Drogen zu nehmen. Dass das illegal sei, habe er sich nicht klar gemacht.

Doch die Polizei ermittelte gegen den Dealer und stieß dabei auch auf dessen Kundenkreis. Eines Morgens um 6 Uhr kam für den Angeklagten das böse Erwachen, als die Polizei ihn aus dem Schlaf klingelte und die Wohnung durchsuchte. Dieses Erlebnis erwies sich als heilsamer Schock, denn der gelernte Elektriker, der bis auf ein Jahr Unterbrechung immer in diesem Beruf arbeitete, ist jetzt seit drei Monaten „clean“, seine Freundin geht regelmäßig zur Suchtberatung. Den Umstand, dass er der Polizei umfangreiche Informationen über seine Dealer lieferte, musste der Angeklagte damit bezahlen, dass er bereits mehrfach bedroht wurde und aus Angst meistens bei seiner Freundin wohnt.

SamanthaS. bestätigt in ihrer Aussage, dass sie schon bevor sie den Angeklagten kennenlernte, Drogen nahm und auch allein Drogen kaufte und konsumierte. Das Paar ist sich einig, dass der gemeinsame Drogenkonsum nur in etwa sieben Fällen stattfand. Richter Jan Buchert korrigiert den Anklagevorwurf nach unten und ist zuversichtlich, dass der Angeklagte sein Leben jetzt wieder in den Griff bekomme. Der Norderstedter erhält eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten und muss sich bei der Drogenberatung melden.