Norderstedt

Raumnot bei den Flüchtlingen

Die Stadt sucht händeringend nach Unterkünften. Jetzt sind die Reihenhäuser am Kiefernkamp im Gespräch

Norderstedt. Die angespannte Situation bei der Unterbringung von Flüchtlingen im Kreis Segeberg schlägt nun in Norderstedt voll durch. Im Zeitraum von Februar 2010 bis Juli 2013 hat sich die Quote der vom Kreis Segeberg der Stadt Norderstedt zugewiesenen Asylbewerber in mehreren Stufen von 136 Personen auf 204 Personen erhöht. Bis zum Jahresende muss Norderstedt voraussichtlich noch 45 Personen aufnehmen.

Zusätzlich verschärft wird die Lage durch die Bauarbeiten an der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises Segeberg in Schackendorf. Mitte 2014 wird die Einrichtung unbewohnbar sein, die dort untergebrachten etwa 80 Bewohner müssen im Kreisgebiet verteilt werden. Stadtvertreter Thomas Jäger (SPD), der Vorsitzende des Sozialausschusses der Stadtvertretung, rechnet mit etwa 20 Personen, die von dort nach Norderstedt umziehen müssen.

Die Folge: Die Stadt sucht händeringend nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber. Im Sozialausschuss wurden mögliche Standorte bereits diskutiert. Konkret werden die fast komplett leer stehenden 28 Wohnungen am Kiefernkamp in Friedrichsgabe als gut geeigneter Standort gewertet. Die kleinen und betagten Reihenhäuser würden sich mit relativ wenig Aufwand renovieren lassen. Ihre zentrale Lage, die Nähe zum öffentlichen Nahverkehr, zu Schulen und Kitas, macht den Standort für die Flüchtlinge perfekt. Die Stadtverwaltung hat aber auch die Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EgNo) aufgefordert, im gesamten Stadtgebiet passende Objekte zu finden. Außerdem will die Stadt private Eigentümer von leer stehenden Immobilien ansprechen und die Möglichkeiten für die Unterbringung von Flüchtlingen ausloten.

In den Notunterkünften wird es eng, die Menschen müssen zusammenrücken

In den beiden Norderstedter Notunterkünften am Buchenweg und an der Lawaetzstraße, in denen Asylbewerber in der Hauptsache untergebracht sind, hat die Stadt nicht die Kapazitäten, um die aktuelle Flüchtlingswelle zu bewältigen. Bis Ende Juli waren dort insgesamt 121 Personen untergebracht. Die Stadtverwaltung hat ihnen per Schreiben mitgeteilt, dass sie sich auf zusätzliche Belegungen in ihren ohnehin schon engen Unterkünften gefasst machen müssen und dass auch Umsetzungen innerhalb der Unterkünfte anstehen. Doch das löst die Probleme nicht.

Sirko Neuenfeldt, Fachbereichsleiter Soziales in der Norderstedter Stadtverwaltung, beschrieb dem Sozialausschuss die Raumsituation. Danach ist am Buchenweg selbst durch Umsetzung keine Wohneinheit frei zu bekommen. An der Lawaetzstraße ist derzeit nur eine Wohneinheit frei. Durch Umsetzungen können maximal sechs Räume frei gemacht werden, also 24 Bettplätze bei einer Belegung mit einer Person pro Raum. „Theoretisch wäre eine Doppelbelegung der Räume mit freien Bettplätzen möglich.

Aufgrund der unterschiedlichen Personengruppen, sollte hier aus ethnischen, kulturellen und religiösen Gründen möglichst drauf verzichtet werden“, sagte Neuenfeldt im Ausschuss. Ein erheblicher Teil der Personen sei psychisch auffällig oder krank und im Grunde in einer städtischen Notunterkunft nicht tragbar, so Neuenfeldt.

Der menschliche Aspekt bei der Unterbringung der Flüchtlinge sei in der derzeitigen Diskussion sowieso unterbelichtet, kritisiert der Sozialausschussvorsitzende Thomas Jäger. Obwohl nicht erst seit gestern klar gewesen sei, dass auf den Kreis Segeberg und die Kommunen ein erhebliches Problem in der Flüchtlingsfrage zukomme, würde die konkrete Suche nach Unterkünften erst jetzt richtig in Gang kommen. „Ich vermisse da auch auf Kreisebene eine Art Task Force, die sich um die Koordination kümmert“, sagt Jäger.

Die Suche nach Unterkünften in Norderstedt laufe nicht transparent genug. „Die Verwaltung darf das nicht nur in Fachbereichsleiter-Runden besprechen, sondern muss auch frühzeitig die Bevölkerung in die Überlegungen miteinbeziehen“, sagt Jäger. Wer bei der Unterbringung von Flüchtlingen in neuen Unterkünften Vorbehalte, Vorurteile oder diffuse Ängste unter den Nachbarn verhindern möchte, der dürfe die Bürger nicht ohne Ankündigung vor vollendete Tatsachen stellen.

Jäger: „Es ist aber sehr positiv, dass es in der Norderstedter Kommunalpolitik und in der Verwaltung den Konsens gibt, dass wir die Unterbringung der Flüchtlinge anständig und in ordentlichen Unterkünften bewältigen wollen.“