Henstedt-Ulzburg

Mehrgenerationenhaus wird abgerissen

Das Haus steckt voller Asbest. Trägerverein könnte ein neues Gebäude anmieten

Henstedt-Ulzburg. Aus und vorbei: Das Mehrgenerationenhaus an der Beckersbergstraße wird abgerissen. Der Umwelt- und Planungsausschuss hat den Beschluss gefasst, nachdem klar geworden ist, dass es nicht mehr saniert werden kann. Damit stehen der Trägerverein und die Gemeinde vor einem Problem, das allerdings gelöst werden kann. Ein neues Mehrgenerationenhaus steht in Aussicht: Im Ortsteil Henstedt kann ein Gebäude angemietet werden.

Pleiten, Pech und Pannen - das „Unternehmen Mehrgenerationenhaus“ ist in Henstedt-Ulzburg eine unendliche Geschichte, von der niemand weiß, ob sie gut ausgehen wird. Nach vielem Hin und Her, nach lange hinausgezögerten Entscheidungen, nach vergeblichen Torpedierungsversuchen hatte die Gemeinde Henstedt-Ulzburg dem Trägerverein Familienzentrum ein Haus überlassen, das auf den ersten Blick marode und auf den zweiten Blick aber völlig unbrauchbar war. Manche wussten es, andere waren gutgläubiger.

Baufachbereichsleiter Jörn Mohr hatte zum Beispiel davor gewarnt, das frühere Kindergartengebäude zum Mehrgenerationenhaus umzuwidmen. Ihm war klar, dass die Bausubstanz dafür zu schlecht war. Die Politiker aber glaubten nicht ihm, sondern dem Trägerverein, der sich wiederum auf ein Architektengutachten stützte. Dieses Gutachten sagte aus, dass eine Sanierung des Gebäudes möglich wäre. Mit dem Trägerverein wurde ein Erbbaurechtsvertrag geschlossen.

Inzwischen ist klar: Das Haus, in dem Jahrzehnte ein Kindergarten untergebracht war, steckt voller Asbest. Herausgefunden wurde es, als in den Sanitärräumen die Wandverkleidungen entfernt wurden. Ein Labortest brachte die Wahrheit über das marode Gebäude ans Tageslicht.

Für den Trägerverein ist diese Erkenntnis bitter. Denn für die Untersuchung des Gebäudes, für die Erstellung der Statik und der Umbaupläne, für die Baugenehmigung und für erste Sanierungsarbeiten war bereits Geld aus den Rücklagen des Vereins geflossen. Die Gemeinde hüllte sich unterdessen in Schweigen: Kein Wort über dieses hausgemachte Problem drang an die Öffentlichkeit. Für die Politiker war es ohnehin keine Frage: Die Schuld an dem peinlichen Dilemma ist nicht bei ihnen zu suchen. Auch sie schweigen sich über diese Problematik lieber aus.

Das Mehrgenerationenprojekt musste, wie berichtet, aus dem Gebäude ausziehen und fand ein neues, aber vorübergehendes Domizil in einem ehemaligen Pflegeheim, das nur wenige Schritte vom Ursprungsgebäude entfernt liegt. Jetzt besteht Zeitdruck: Das Gebäude, in dem das Mehrgenerationenprojekt eine Aushilfsbleibe gefunden hat, soll verkauft werden. Der Eigentümer sucht nach Interessenten, mehrere Gebäudebesichtigungen haben schon stattgefunden.

Eigentlich sollte das Mietverhältnis auf Zeit Ende September beendet sein, da aber noch kein Käufer gefunden wurde, darf der Verein Familienzentrum mit dem Mehrgenerationenprojekt noch eine Weile bleiben – mindestens bis Ende Oktober. Anschließend könnte das Projekt in den Ortsteil Henstedt ziehen: In der Straße Op’n Ellerhoop hat der Trägerverein die Chance, ein Gebäude mit 250 Quadratmeter Nutzfläche zu mieten. Das 1902 errichtete Haus wurde kürzlich komplett saniert. Der Erbbaurechtsvertrag mit der Gemeinde soll gekündigt werden. Für die Miete kommt der Trägerverein selbst auf, wobei er einen kräftigen Zuschuss aus Mitteln der Europäischen Union bekommt. Die Gemeinde zahlt darüber hinaus einen jährlichen Zuschuss von 12.500 Euro. Eventuelles Personal muss der Verein selbst bezahlen. Der Ausschuss für Soziales, Senioren und Gleichstellung entscheidet am Donnerstag, 29. August, Beginn: 18.30 Uhr im Ratssaal

Sabine Samel, Vorsitzende des Vereins Familienzentrum, ist froh über die in Aussicht stehende neue Bleibe in Henstedt. „Das könnte für uns ein Neuanfang sein.“

Die Mitglieder des Ausschusses sollen am Donnerstag eine weitere wichtige Entscheidung treffen. Weil im Gebäude des Mehrgenerationenhauses eigentlich auch zwei Kinderkrippen eingerichtet werden sollten, muss Ersatz geschaffen werden. Vorgesehen ist, nach dem Abriss des Gebäudes einen Neubau für drei Krippengruppen auf dem Grundstück zu erstellen. Und zwar in Modulbauweise.

Die Verwaltung soll beauftragt werden, die Planungen zu konkretisieren, die Kosten für die Baumaßnahme, Außenanlagen und die Ausstattung zu ermitteln. Anschließend berät der Kinder- und Jugendausschuss wieder darüber.