Norderstedt

Parkfunkeln - der Wald leuchtet in vielen Farben

10.000 Besucher waren beim nächtlichen Parkfunkeln im Stadtpark. 5000 starteten beim Grillfrühschoppen in einen sonnigen Sonntag - Rekordbesuch.

Norderstedt. Die Gegensätze konnten größer kaum sein: Geheimnisvolle, märchenhafte Stimmung beim Parkfunkeln einerseits und derber Dorfrock beim Grillfrühschoppen der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichsgabe andererseits.

So präsentierte sich Norderstedt am Wochenende, und beide Angebote stießen auf enorme Resonanz. Gut 10.000 Besucher ließen sich beim Stadtpark von Lichtinstallationen begeistern, fast 5000 starteten beim Grillfrühschoppen in einen sonnigen Sonntag - Rekordbesuch.

Nachdem die Dunkelheit Wald und Moor im Stadtpark fest im Griff hatte, war auf den Wegen kein Durchkommen mehr. Die Besucher schoben sich vorwärts, Kameras und Smartphones griffbereit, die Profis bauten immer wieder ihre Stative auf, um die Szenen und Installationen des Lichtkünstlers Wolfgang Flammersfeld festzuhalten. Der Westfale bot Objektiven und Augen auf der Runde durch den Waldpark immer wieder neue Eindrücke.

Nackte Neonleuchten tauchen die Blätter in farbiges Licht, ein riesiges Pfauenrad taucht wie aus dem Nichts auf und verschwindet wieder. Grüne Lichtpunkte schwirren wie ein Schwarm kleiner Fische durch die Blätter, mitten im Moor spielt Bocksgott Pan, der Gott der Wiesen und Wälder, auf seiner Flöte, sitzt eine seiner Elfen im Baum und bläst den Besuchern Seifenblasen entgegen.

Licht, Schatten, Musik, Stimmen aus dem Moor und Stau: Die Lichtgestalten, die auf ihren Stelzen die Neugierigen deutlich überragen, tauchen plötzlich zwischen den Bäumen auf, in der Hand große Leuchtballons, die wie verwunschene Monde zum Träumen auffordern. Der echte Mond thront übrigens unverhüllt am Norderstedter Himmel, als wenn er sich die mit Überraschungen gespickte Illumination von oben ansehen will.

Vor allem die Kinder genießen die Farbspiele. Sie stellen sich immer wieder in die Scheinwerfer, kriechen unter blaue und rote Zweige, verstecken sich hinter rot angestrahlten Würfeln. "Wir arbeiten mit einfachen Mitteln", sagt Flammersfeld, der durch ganz Deutschland reist und auch schon den Maximilian Park in München oder den Westfalenpark in Dortmund mit Lichtinstallationen bestückt hat. Butterbrotpapier, Plastikstangen, die irgendwer achtlos weggeschmissen hat, Klebeband, Strumpfhosen, Bastelkugeln und Billigstühle eines schwedischen Möbelhauses - all das haben der Regisseur und sein Team in Installationen verwandelt, die zur eigenen Interpretation anregen sollen.

Natürlich hat der Lichtkünstler eigene Ideen. Die Stühle in der Luft, die je nach Standpunkt ihrer Farbe wechseln, erinnern den Macher des Parkfunkelns an Politiker, die sich drehen und wenden, an ihren Stühlen kleben oder Platz machen müssen. Die Würfel symbolisieren die Eiszeit.

Mehrere Hundert Scheinwerfer haben Flammersfeld und seine fünf Mitarbeiter aufgebaut, an gut drei Tagen sechs Kilometer Kabel verlegt. Die meisten Leuchtkörper sind mit sparsamen, aber leistungsstarken LED-Lampen ausgestattet. Zum Lichtspektakel passte auch das Bühnenprogramm: Monsieur Agon faszinierte mit seiner Trommel-Laser-Leuchtball-Show und malte mit seinen Bällen flammende Gemälde in die Dunkelheit. Zu einem entspannten Abend passte auch die Musik von "Urban Beach". "Die Lichtshow hat uns gut gefallen, vor allem die Glühwürmchen und die fliegenden Stühle", sagten Ingrid, Sabine, Ilona und Marlies die den Abend vor der Bühne ausklingen ließen. "Die Besucher waren begeistert", sagte Stadtpark-Geschäftsführer Kai Jörg Evers.

Über ein volles Haus freute sich am Sonntag auch die Freiwillige Feuerwehr Friedrichsgabe. Fast 5000 Männer, Frauen und Kinder kamen zum traditionellen Grillfrühschoppen auf den Thingplatz, um zu klönen, Freunde zu treffen und bei Bier, Wein oder alkoholfreien Getränken den eingedeutschten Oldies der Melker zu lauschen. Die Dorfrocker um Frontmann Alfred Spohr hatten auch diesmal keine Mühe, ihr Publikum in Stimmung zu bringen. "So viele Besucher hatten wir schon seit Jahren nicht mehr hier", sagte Feuerwehrsprecher Wolfgang Berghofer.