Kreis Segeberg

Die Probleme der Landwirtschaft in Kisdorf

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Bischofsvertreter Gothart Magaard und Propst Kurt Riecke informierten sich in Kisdorf.

Kisdorf. Die Beziehung von Kirche und Landwirtschaft ist zuweilen schwierig. Für Gerhard Oosting ist das alles aber eine Frage von Aufklärung. Der Kisdorfer lud deswegen den Bischofsvertreter im Sprengel Schleswig und Holstein, Gothart Magaard, auf seinen Hof ein, um ihm anlässlich der Visitation des Kirchenkreises Altholstein mit den Problemen und Chancen der Landwirtschaft vertraut zu machen. "Das Thema ist in unserer Propstei Süd wichtig", sagte Propst Kurt Riecke und Magaard ergänzte: "Bei einer Visitation geht es viel um die Leitungsebenen. Mir ist aber auch wichtig, das gesellschaftliche Leben kennenzulernen."

Für Oosting wiederum ist die Verbindung des christlichen Glaubens mit der Landwirtschaft selbstverständlich. Der 66-jährige pensionierte Landwirt gehört dem Kirchenkreisrat in Altholstein an, der Leitung des Kirchenkreises. Magaard nahm sich die Zeit, sich anlässlich der Visitation den Milchviehbetrieb genauer anzuschauen. Dabei lernte er, der seit 2009 die Aufgaben des Bischofs in der Region ausübt, einiges dazu. Unter anderem, wie die Grassilage mit Milchsäure geimpft wird.

"Das wollte ich schon immer mal wissen", sagte er. Sören Oosting erklärte Magaard den Prozess. Er hat im vergangenen Jahr mit seinem Bruder Fokke den Hof übernommen. Die Probleme des Strukturwandels in der Landwirtschaft spüren auch die Oostings. Mittlerweile melken sie 150 Kühe und insgesamt sind sie für gut 300 Tiere verantwortlich. "Es ist kein Ende in Sicht", meint Gerhard Oosting. Für seine Söhne, beide gelernte Landwirte, bedeuten die vielen Kühe jede Menge Arbeit. Morgens stehen sie zwei Stunden, am Abend zweieinhalb Stunden im Melkstand. Den Bestand der Herde haben sie dabei immer im Blick, die beiden jungen Oostings und der Lehrling auf dem Hof nutzen Smartphones, auf denen sie jederzeit die Daten zu den einzelnen Kühen abrufen können. Beispielsweise wird angezeigt, wann die jeweilige Kuh wieder kalbt - bei 170 Kalbungen im Jahr eine praktische Einrichtung. Neben den Tieren bewirtschaftet die Familie auch noch etwa 100 Hektar Land, auf dem vor allem Futter für die Tiere angebaut wird.

Die Konkurrenz um die Fläche, die durch den hohen Landbedarf von Biogasanlagen zugenommen hat, spüren dabei auch die Landwirte in Kisdorf und Umgebung, erfuhr Magaard, der das Thema Energiewende ansprach. Es entstand eine rege Diskussion auf dem Hof. "Ich denke, sie ist unabwendbar und ich halte sie auch für richtig", sagt Magaard und zählte die verschiedenen Schritte auf, die die Nordkirche geht. Allerdings sei möglicherweise bei der Steuerung etwas schief gelaufen.

An die anwesenden Betreiber der Kisdorfer Biogasanlage, Detlef Stolten und Christian Fölster, richtete er dann zwei Fragen, die immer wieder gestellt werden: Enstehe durch die Anlagen und den benötigten Rohstoff Mais eine Monokultur und werde die Abwärme der Anlage genutzt? Die Antworten der Betreiber ließen Magaard aufhorchen: "Das hört sich vernünftig an." So werden zum einen mehrere Häuser in Kisdorf durch ein Nahwärmenetz beheizt und damit jede Menge Erdöl eingespart und Betreiber Fölster stellte klar, dass er als Landwirt immer auf die Nachhaltigkeit achten würde und deshalb versuche, Monokulturen zu vermeiden. So hatte Gerhard Oosting auch bei diesem höchst umstrittenen Thema ein wenig für Aufklärung aus Sicht der Landwirte gesorgt.

( (but) )

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