Norderstedt

Tierschutzverein auf dem Prüfstand

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Frank Knittermeier

Verbandsvorsteher Hanno Krause hält die Vergabe an einen anderen Verein für möglich.

Henstedt-Ulzburg/Norderstedt . Kaltenkirchens Bürgermeistermeister Hanno Krause hat ein Amt übernommen, das ihm in den nächsten Wochen wahrscheinlich viel Arbeit und eine Menge Unbehagen bringen wird: Er ist neuer Vorsteher des Zweckverbands Fundtiere Segeberg West und damit Nachfolger von Torsten Thormählen. Er will den Tierschutzverein durchleuchten - und er sagt deutlich: "Wir werden prüfen, ob die Leistungen durch einen anderen Verein besser erbracht werden können."

Die Vorwürfe gegen den Verein Tierschutz Westerwohld haben aus einer normalen Verbandsversammlung eine brisante Veranstaltung gemacht. Und der Verein selbst trug wenig dazu bei, um die Stimmung zu glätten: Vereinsvorsitzende und Tierheimleiterin Sylvia Rückert war nicht zur Verbandsversammlung ins Henstedt-Ulzburger Rathaus gekommen, andere Vorstandsmitglieder ebenfalls nicht. "Wichtigere andere Termine" wurden als Begründung genannt - für die Verbandsmitglieder eine Art Supergau. Auch der notwendige Jahresbericht des Tierschutzvereins lag der Verbandsversammlung nicht vor. Er war nicht geliefert worden. "Das nehmen wir mit entsprechender Kritik zur Kenntnis", sagte Hanno Krause. "Das ist kein guter Umgang."

So bleiben die Vorwürfe unkommentiert im Raum: Mitglieder werden aus dem Verein ausgeschlossen, Mitarbeitern wird fristlos gekündigt. Sylvia Rückert hatte sich gegenüber dem Abendblatt eigentlich zu den Vorgängen äußern wollen, sagte den vereinbarten Gesprächstermin aber eine Stunde vorher ab.

Äußerungen hatten sich auch die Mitglieder des Zweckverbandes, zu dem die Städte Norderstedt, Kaltenkirchen und Bad Bramstedt, die Gemeinden Ellerau, Henstedt-Ulzburg sowie die Ämter Kaltenkirchen-Land und Kisdorf gehören, erhofft. Immerhin unterhält der Verband das Tierheim, in dem Fundtiere und sonstige Abgabetiere untergebracht und versorgt werden.

Verständnis für das Verhalten wurden von keinem der anwesenden Verbandsmitglieder signalisiert. "Der Verein stellt sich negativ dar", sagte Hanno Krause. "Ich bin aber gegen eine Vorverurteilung; es wird eine Überprüfung auch im Interesse des Vereinsfriedens geben."

Krause versprach, sich ein Bild von den Vorgängen zu machen, denn der Zweckverband sei in der Pflicht, näher in den Verein hineinzugucken. Es sei zwar bedauerlich, aber der Zweckverband habe keine Handhabe, die Verträge zwischen dem Verein und den Mitarbeitern zu überprüfen. Hanno Krause kündigte in einem Gespräch mit dem Abendblatt nach der Sitzung des Verbandes an, auch die Situation der Personalunion von Sylvia Rückert als Vorsitzende und Heimleiterin zu prüfen.

Er zieht nach den Vorgängen in den vergangenen Wochen und nach der Verbandsversammlung als deren neuer Vorsitzender dieses Fazit: "Die Wirkung, die für den Verein entstanden ist, ist fast nicht erträglich; das müssen wir schnell ändern." Er kündigte an, die Fachaufsicht des Kreises Segeberg stärker einzubeziehen.

Das Veterinäramt des Kreises und die örtliche Ordnungsbehörde hatten das Tierheim zuletzt am 1. August besucht und kontrolliert. Eine vollständige Auswertung hat bisher noch nicht stattgefunden. Der während der Sitzung anwesende Leiter des Veterinäramtes, Dr. Kurt Warlies, erklärte, ihm seien die Vorgänge bezüglich der Nichtaufnahme von Fundtieren bekannt und würde ihnen nachgehen. Es sei jedoch nicht selten, dass es zwischen abgebenden und annehmenden Personen zu Streitigkeiten komme.

In seinem Verwaltungsbericht bemängelte Norbert Scharf vom Ordnungsamt Henstedt-Ulzburg den Umgang des Tierheims mit gefährlichen Hunden. Die örtliche Ordnungsbehörde erhalte "überwiegend" weder eine Mitteilung über die Aufnahme, noch über die Abgabe dieser Hunde. Es könne also nicht kontrolliert werden, ob, wann und an wen die Tiere weitervermittelt würden. Die Fundtierübersicht für das zweite Kalenderhalbjahr 2012 sei vom Verein unaufgefordert vorgelegt worden. Das Rechnungsprüfungsamt Norderstedt bescheinigte dem Verein eine jederzeitige Liquidität.

Da vom Vereinsvorstand niemand zugegen war, konnten Vereinsmitglieder und entlassene Mitarbeiter ihre Vorwürfe unkommentiert gegen den Vorstand erneuern. "Es gibt Unterlagen darüber, dass Fundtiere abgelehnt worden sind, weil kein Platz mehr vorhanden war", sagte die ehemalige Tierstationsleiterin Katja Vogel. "Der Platz wurde für Tiere aus Privatbestand benötigt."

Einige der hinausgeworfenen Vereinsmitglieder kündigten an, sie wollten die Situation von einem Rechtsanwalt prüfen lassen.

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