Kreis Segeberg

Die Angst vor dem großen Flächenbrand

Was für die Menschen ein Super-Sommer ist, wird für die Flora im Land zunehmend verheerend. Im Norderstedter Stadtpark wurde jetzt ein absolutes Grillverbot verhängt.

Kreis Segeberg. Stadtpark-Geschäftsführer Kai Jörg Evers greift sich auf der großen Wiese im Feldpark einen völlig verdorrten Grasbüschel. Die Sonne hat ihn in staubtrockenes Heu verwandelt. "Das ist der perfekte Zunder", sagt Evers. Egal ob im Feldpark, auf der Heidefläche oder zwischen den Bäumen im Waldpark - es herrscht Brandgefahr im Stadtpark. Eine unbedacht weggeworfene Kippe, ein Flaschenboden, der in der Sonne zum Brennglas wird oder ein Einmalgrill auf der Rasenfläche könnten jetzt einen gefährlichen Flächenbrand auslösen. Evers hat deswegen für den gesamten Park ein absolutes Grillverbot verhängt.

Was für die Menschen ein Super-Sommer ist, wird für die Flora im Land zunehmend verheerend. In ganz Schleswig-Holstein gilt in diesen Tagen die Wald- und Flächenbrand-Gefahrenstufe 4. Darüber kommt nur noch die Gefahrenstufe 5. Die Situation ist also mehr als angespannt. Die Feuerwehren sind in ständiger Alarmbereitschaft.

Beim Bauernhof im Norderstedter Stadtpark stößt Kai Jörg Evers auf die Norderstedterin Diane Bahne und ihren Sohn Raphael, 5. Bei den Picknicktischen haben sie ihren Grill mit Holzkohle angefeuert. Kartoffeln, Mais und Würstchen sollen auf den Rost. "Grillen Sie mal schnell zu Ende. Ab heute ist hier Grillverbot, die Schilder stellen wir gleich auf", sagt Evers. "Obwohl: Wenn alle so verantwortungsvoll grillen würden wie Sie, dann hätten wir wahrscheinlich keine Probleme." Diane Bahne hat einen Grill auf langen Metall-Beinen auf die dafür vorgesehenen Steinplatten neben den Bänken gestellt. Die Kohle will sie später in den bereit gestellten Ascheneimern entsorgen. "Ich finde das super, dass es hier diese Vorrichtungen gibt. Grillen kann man doch sonst in kaum einem Park", sagt Bahne. Viele Besucher im Stadtpark kommen aber mit den Einmal-Grills, setzen sich auf die Wiesen an der Seepromenade oder nahe den Spielplätzen. Der Grill wird gleich auf dem Rasen angefeuert. Schwarz verkokelte Brandflecken auf den Rasenflächen zeugen von den Grill-Partys. "Wenn wie jetzt alles knochentrocken ist, kann sich so eine Grillparty schnell zum Flächenbrand entwickeln", sagt Evers.

In den Wäldern der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten ist die Lage ebenfalls brenzlig. "Der Boden hat nicht mehr viel Wasser", sagt Jens-Birger Bosse, der bei den Landesforsten für den Waldschutz zuständig ist. Trockenheit und Hitze böten optimale Voraussetzungen für Waldbrände, gerade im Segeberger Forst mit dem hohen Anteil an Nadelbäumen. "In der Segeberger Heide und generell auf der Geest ist das Material jetzt knistertrocken", sagt Bosse. Zwar bilde sich nachts Tau, der zu ein wenig Entspannung führe, aber sobald die Sonne aufgehe, werde es wieder trocken.

Eine Kippe oder ein heißer Katalysator können den Brand auslösen

Zwischen 11 und 14 Uhr herrsche die größte Gefahr für einen Brand, so Bosse. In dieser Zeit ist es nicht nur am heißesten, sondern es seien auch die meisten Menschen unterwegs, die Brände auslösen könnten. "Alle Waldbesucher sollten besonders sensibel mit der Situation umgehen." Wer beispielsweise auf der B 206 zwischen Bad Bramstedt und Bad Segeberg durch den Segeberger Forst unterwegs ist, könnte mit einer brennenden Zigarette ungewollt zum Brandstifter werden. Rauchen im Wald oder gar offenes Feuer sind laut Bosse ebenso große Gefahrenquellen, und ein Auto mit heißem Katalysator, geparkt über trockenem Gras, könnte ein Feuer auslösen.

Eine regelmäßige Brand-Patrouille gibt es nicht. "Die Alarmierung durch die Bürger hat sich bewährt", sagt Bosse. Teilweise alarmieren auch Flieger, die vom oder zum Flugplatz Hartenholm unterwegs sind, die Leitstellen. Wer einen Brand entdeckt, wählt einfach die 112. Überall im Forst gibt es nummerierte und beschriftete Rettungspunkte, zu denen im Notfall die Einsatzkräfte schnell finden können. Forstwirt Rolf Studt beispielsweise hat das erst vor zwei Jahren erlebt. Keine zehn Minuten nach seiner Alarmierung war die Feuerwehr vor Ort. "Das ging wahnsinnig schnell. Seitdem bin ich beruhigt", sagt er. Auch Förster Helmut Mielke von der Försterei Heidmühlen hebt den Einsatz der freiwilligen Feuerwehren hervor. "Die leisten viel und das ehrenamtlich", sagt er. Immer wieder werde im Wald geübt. "Zwei bis drei Minuten Unterschied können am Anfang entscheiden, ob es ein kleiner oder ein größerer Brand wird", sagt Jens-Birger Bosse.

Ein größeres Feuer gab es im Segeberger Forst zuletzt im Jahr 2008. Es dehnte sich auf etwa einen Hektar aus, weil es erst spät gemeldet wurde. Damals fuhren die Wehren relativ planlos auf der Suche nach dem Brand durch den Wald, es gab Abstimmungsprobleme untereinander und mit den Forstbehörden. In der Folge entwickelte der Kreisfeuerwehrverband (KFV) ein Waldbrandkonzept. "Es ist angelehnt an Konzepte in Niedersachsen, dort sind die Wehren erfahrener", erläutert die KFV-Geschäftsführerin Gabriele Turtun. Erst im Juni habe es eine große Übung gegeben. "Die Wehren sind jetzt gut ausgerüstet und ausgebildet", sagt sie. Jens-Birger Bosse ist mit der Zusammenarbeit mit den Feuerwehren der Region zufrieden.

Zuletzt sind im Wald noch zwei neue Löschwasserbrunnen gebohrt worden und es gibt ein System von Löschwasserstellen, die zweimal im Jahr überprüft werden.