Henstedt-Ulzburg

Stirbt das Tischlerhandwerk aus?

Innung beklagt, dass das Interesse der Jugendlichen an diesem Beruf immer geringer wird

Henstedt-Ulzburg. Erik Wietzke, 19, aus Weddelbrook hat sich einen Kindheitstraum erfüllt: Er wird Tischler. Besteht er am heutigen Montag nach dreijähriger Ausbildung die praktische Prüfung, dann wird ihm Obermeister Thomas Jenning am Freitag den Gesellenbrief aushändigen. Einen Arbeitsplatz hätte er schon sicher.

"Schon als kleiner Junge wollte ich Tischler werden", sagt Erik. "Die Arbeit mit Holz macht mir Spaß, sie ist vielseitig - und man kann weit kommen, wenn man Ideen hat. Mein Vater ist Baumpfleger, er hat mir alles beigebracht, was mit Holz zu tun hat."

Finn Stoffer ist, was das Tischlern betrifft, auch talentiert. Der 20-Jährige aus Henstedt-Ulzburg zeigt bei der Präsentation der Gesellenstücke im Möbelhaus Hesebeck seinen Phonoschrank. Das Möbelstück zeigt Erfindergeist, es ist so konzipiert, dass auf der Rückseite kein Kabel mehr stört.

"Ich bereue nicht, dass ich diese Ausbildung gemacht habe", sagt Finn Stoffer. "Aber ich will doch lieber Berufsschullehrer werden. Dafür will ich noch einmal zur Schule gehen und mein Fachabitur machen."

Tischlermeister Thomas Jenning aus Norderstedt, vor einem Jahr für fünf Jahre zum Innungs-Obermeister im Kreis Segeberg gewählt, klagt: "Arbeit gibt es genug, aber das Interesse der Jugendlichen für den Tischlerberuf geht ständig zurück. Nur 13 der 100 Betriebe bilden heute noch aus."

Bernd Langbehn, Geschäftsführer des Möbelhauses Hesebeck, setzt das Werk seines im März verstorbenen Onkels Werner Hesebeck fort.

Dessen Liebe gehörte u. a. dem Tischlerhandwerk. Er war Prüfungsmeister bei der Handelskammer und gründete vor zehn Jahren eine Stiftung, um jungen Menschen den Berufseinstieg zu erleichtern und Könner zu fördern. "Jeder Lehrling, der mit der Note zwei oder besser abschneidet, erhält aus der Stiftung eine Prämie von 500 Euro", kündigte Langbehn an.