Norderstedt
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Autohaus Wichert feiert in der Baugrube

Am U-Bahnhof Ochsenzoll entstehen für 30 Millionen ein neues Audi-Zentrum, Läden, Büros und ein Park-and-Ride-Haus. Am Freitag wurde in der „Riesen-Sandkiste“ kräftig gefeiert.

Hamburg/Norderstedt. Wer auf der Lange0nhorner Chaussee Richtung Norden unterwegs ist, passiert kurz vor der Grenze zu Norderstedt die größte Sandkiste in der Region. Die Grube ist Grundlage für ein Millionen-Projekt, das das Autohaus Wichert realisiert: Auf einer Fläche von 16.000 Quadratmetern, direkt am U-Bahnhof Ochsenzoll, sollen drei Gebäude entstehen: ein neues Zentrum für die Marke Audi mit Werkstätten sowie Kfz-Verkaufs- und Ausstellungsflächen, die "Wichert Welt" mit Supermarkt, Läden, Arztpraxen, Büros und Kfz-Verkaufsflächen sowie ein Park-and-ride-Parkhaus mit 327 Plätzen.

Würstchen vom Grill und im Allrad-Fahrzeug durch die Sandwüste

"Als wir die Baugrube gesehen haben, hatte meine Frau spontan die Idee, die Mit- und Bauarbeiter zu einer kleinen Grillparty einzuladen", sagt Bernd Glathe, Geschäftsführer des Audi- und VW-Händlers, der kontinuierlich wächst, seitdem Glathe und sein Kompagnon Bernd Kussmaul das Autohaus 1986 übernommen haben (s. Info-Kasten). Freitagmittag schmissen dann die Servicekräfte den Grill an, schenkten Getränke aus und schnitten Brötchen auf. Die Sonne ließ sich pünktlich blicken, und wer wollte, durfte mit den Allradern von Audi und VW durch die "Sandwüste" samt Schanze und Wasserloch jagen. Dabei flogen schon mal ein paar Einzelteile, ein Fahrzeug blieb im Wasserloch stecken.

Architekt Berthold Kleta erklärte sechs Meter unter Straßenniveau, wie die 120 Meter lange und zurzeit noch maximal 60 Meter Breite Grube gefüllt werden soll. "Wir bauen einen L-förmigen Gebäudekomplex, rund 100 Meter entlang der Langenhorner Chaussee und rund 130 Meter entlang der U-Bahn-Gleise", sagte der Planer. Geplant sind fünf Ebenen, die Fläche unter dem Straßenniveau wird fast komplett als Audi-Werkstatt und für Karosseriearbeiten genutzt. Zu ebener Erde teilen sich an der Langenhorner Chaussee das neue Audi-Terminal und das geplante Nahversorgungszentrum, die "Wichert Welt", die Fläche. Hier sollen Gastronomie und Läden entstehen. Um die Ecke, entlang der Gleise, ist ein Supermarkt geplant. Die Mischung aus Autohaus, Dienstleistern, Gewerbe und Gastronomie setzt sich im Obergeschoss fort, die zwei Etagen darüber sind entlang der Langenhorner Chaussee dann komplett der Ausstellung und dem Verkauf von Audi-Fahrzeugen gewidmet.

Der kurze Teil des Neubaus schließt mit dem Park-and-Ride-Haus ab. "Das bauen wir in Partnerschaft mit der Stadt Hamburg", sagt Architekt Kleta, der damit eine Auflage für die Baugenehmigung erfüllt. 327 Stellplätze sollen auf neun Halbgeschossen am Übergang zum U-Bahnhof entstehen, der allerdings noch nicht behindertengerecht ausgebaut ist. Die Fläche zwischen den beiden Seiten des L bleibt frei, hier werden Gebrauchtwagen stehen, aber auch die Kunden können hier ihre Fahrzeuge abstellen, wenn sie einkaufen oder zum Arzt gehen wollen. Zum Neubau gehört ein eigenes Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme liefern soll.

Rund 30 Millionen Euro investiert Wichert in den Gebäudekomplex, der Ende 2014 fertig sein soll. Ganz nach den ursprünglichen Wünschen kann Glathe allerdings nicht expandieren. Zwischen dem jetzigen Betriebsgelände am Stockflethweg und dem Neubau steht ein Mehrfamilienhaus, dessen Besitzer nicht weichen wollen. Wie ein Keil schiebt sich das Wohnhaus mit der hellgelben Fassade in die Flächen des Autohauses. "Mit unseren ,Galliern' können wir gut leben, wir bauen eben drumrum", sagt Glathe, der auf das kleine gallische Dorf in den Asterix-Comics anspielt, das sich hartnäckig den römischen Besatzern widersetzt.

Die Zufahrt für das neue Gebäude erfolgt über den Stockflethweg

Anwohner hatten im Vorfeld Kritik am Expansionsprojekt geäußert. Sie befürchten mehr Verkehr in ihrem Wohngebiet. Zumal eine Zufahrt auf das Wichert-Gelände von der Langenhorner Chaussee aus nicht vorgesehen ist. Dies würde "den Verkehrsfluss auf dieser Straße mit überregionaler Bedeutung stören", hatten Vertreter des Bezirksamts gesagt. Die Zufahrt auf das neu bebaute Gelände und ins P+R-Haus sowie der Lieferverkehr für das Autohaus sollen vom Stockflethweg erfolgen. "Ich möchte mich dazu nicht äußern. Wir müssen erst mal abwarten, bis der Verkehrsknoten Ochsenzoll fertig ist", sagt Glathe. Momentan würden viele Autofahrer die Großbaustelle über die kleinen Straßen Am Ochsenzoll und Stockflethweg umfahren.