Sülfeld

Muschelkalk soll Kirchturm retten

Sülfelder Bauwerk aus dem Jahr 1667 wird saniert, damit es wieder sicher in der Landschaft steht

Sülfeld. Bald steht der Sülfelder Kirchturm wieder sicher in der Landschaft. Denn nachdem die Kirchengemeinde im vergangenen Jahr festgestellt hat, dass das Bauwerk aus dem Jahr 1667 Risse hat, musste rasch gehandelt werden. Der Turm wird saniert. "Es hätte passieren können, dass der erste Meter oben einklappt", sagt Ulrich Bärwald und ergänzt, dass das vielleicht etwas zu dramatisch klinge. Die Sanierung sei aber fällig gewesen. Bärwald ist Vorsitzender des Sülfelder Kirchengemeinderats, wohnt direkt neben der Kirche und kann so die Bauarbeiten am etwa 22 Meter hohen Turm täglich begleiten. Einen Pastor hat die Kirchengemeinde derzeit nach dem Weggang von Michael Dübbers an den Schleswiger Dom nicht (das Abendblatt berichtete).

Für Bauangelegenheiten wäre ein Pastor ohnehin zu schade, meint Bärwald. Er selbst kennt sich mittlerweile mit Baustellen aus, schließlich haben die Sülfelder 2007 zum Anlass der 800-Jahr-Feier den gesamten Platz rund um die Kirche umgestaltet und den Friedhof wieder nutzbar gemacht, vor zehn Jahren wiederum wurde das Pastorat aufwendig saniert und wartet nun auf einen neuen Stelleninhaber. Nachdem sich die Gemeinde gegen einen Pastor ausgesprochen hatte und eine zweite Pastorin nach ihrer Wahl absagte, hoffen die vielen Ehrenamtlichen in Sülfeld auf einen neuen Kandidaten, der in die Gemeinde passt und sich insbesondere der regen Jugendarbeit annimmt. Derzeit aber steht das Bauvorhaben im Mittelpunkt, der Turm ist von beiden Seiten eingerüstet.

"Das Ganze kostet 30.000 Euro, allein das Gerüst 10.000 Euro", rechnet Bärwald vor. Es seien viele kleine Handarbeiten zu erledigen. Die Fugen müssten ausgekratzt, Ziegelsteine erneuert und die Risse beseitigt werden. Außerdem nagt der Rost an den etwa 25 Mauerankern im Turm, der Blitzschutz müsse erneuert werden und die Schallluken der Glocken neu gestrichen werden. Wenn der Turm schon einmal eingerüstet ist, dann kommt man da gut ran. Allerdings werden die Sülfelder Bürgerinnen und Bürger bei ihrer Sanierung finanziell unterstützt, denn über die Aktivregion Alsterland fließen Mittel der Europäischen Union in die Kirchturmsanierung. 55 Prozent der Nettokosten würden so gedeckt, sagt Bärwald. "Wir liegen am Jacobswanderweg, es kommen viele Pilger von Lübeck auf dem Weg nach Hamburg hier vorbei." Das sei einer der Gründe, weswegen die Aktivregion gerade die Sülfelder Kirche unterstützt.

Bald können die Pilger dann auch wieder die ganze Schönheit der Kirche bewundern, denn in etwa drei Wochen sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Ein Lübecker Unternehmen kümmert sich um die Sanierung des alten Gemäuers, für dessen Fugen beispielsweise nur Mörtel aus Muschelkalk verwendet würde. Und wenn dann die echte Baustelle abgebaut ist, kann sich die Kirchengemeinde wieder der größten sprichwörtlichen Baustelle widmen: der Pastorensuche. Keiner habe damit gerechnet, dass es so lange dauert, sagt Bärwald. Derzeit gibt es wieder eine Bewerbung...

Die Kirche in Sülfeld wurde erstmalig im Jahr1207 erwähnt. Zum Kirchspiel gehörten über Jahrhunderte die Dörfer Sülfeld, Borstel, Itzstedt, Kayhude, Nahe, Oering und Seth aus dem Kreis Segeberg sowie aus dem Kreis Stormarn Grabau, Neritz, Elmenhorst, Mönkenbrook, Jersbek, Bargfeld, Stegen und Nienwohld. Heute sind es nur noch Sülfeld und Grabau. Das Patronat über die Kirche hatten die Güter Borstel und Jersbek, bis heute haben sich die Patronatslogen aus dem 18. Jahrhundert erhalten.