Norderstedt

Regionalschule hat jetzt eine Zukunft

Sie wird ab August Gemeinschaftsschule und heißt Horst-Embacher Schule. Standort muss saniert und ausgebaut werden, fordert der Schulleiter.

Norderstedt. Nachdem die Regionalschule Garstedt jahrelang vor einer ungewissen Zukunft stand, sieht Schulleiter Gerhard Lühr positiv nach vorn. Und das hat zwei Gründe: Die Schule am Aurikelstieg wird zum 1. August Gemeinschaftsschule. Gleichzeitig tauscht sie den eher sachlichen Namen gegen einen, den Lühr und seine Kollegen zu einer Marke entwickeln wollen: Horst-Embacher-Schule lautet die neue Bezeichnung, die das Bildungsministerium ebenso genehmigt hat wie die neue Schulform.

"Damit haben wir eine Perspektive und können mit neuem Schwung an die Arbeit gehen", sagt Lühr, der in den vergangenen Jahren mit der Ungewissheit leben musste. Widerstand kam von der Politik: Die Linke hatte gefordert, die Schule zu schließen, die SPD plädiert in ihrem Kommunalwahlprogramm für ein Gymnasium und eine Gemeinschafts-/Regionalschule in jedem Stadtteil. "Daraus ergibt sich, dass die Regionalschule Garstedt mit dem Schuljahr 2015/2016 ausläuft", heißt es im Wahlprogramm. Die Linke hatte gefordert, die Schule zu schließen, da sie zu wenige Anmeldungen für die fünften Klassen habe. Beide Parteien setzen sich für ein zweigliedriges Schulsystem mit Gymnasien und Gemeinschaftsschulen ein - ein Bildungsmodell, das auch die Grünen favorisieren.

Die CDU hatte sich grundsätzlich für den Erhalt der Regionalschule Garstedt ausgesprochen. Klar bekennt sich die FDP zum Schulstandort am Aurikelstieg: "Die jetzige Regionalschule Garstedt soll als fünfte Gemeinschaftsschule einen verpflichtenden Ganztagsbetrieb in einem modernen Schulgebäude anbieten", schreiben die Liberalen in ihrem Wahlprogramm. CDU wie FDP hatten darauf hingewiesen, dass die Anmeldezahlen durch das Neubaugebiet Garstedter Dreieck wachsen werden. Im größten Norderstedter Wohnungsbaugebiet sollen 2000 Neubürger ein neues Zuhause finden.

Die Willy-Brandt-Schule hat sogar eine eigene Oberstufe

Bleibt der Standort am Aurikelstieg, gibt es in Garstedt als einzigem Norderstedter Stadtteil zwei Gemeinschaftsschulen: Die Willy-Brandt-Schule hat sogar eine eigene Oberstufe. Doch der Bildungs-Wettbewerb schreckt Lühr nicht: "Die Willy-Brandt-Schule kann traditionell nicht alle Schüler aufnehmen, die die Eltern dort anmelden." Die könnten dann am Aurikelstieg lernen. Mit dem neuen bildungspolitischen Etikett gewinne die Schule zudem an Renommee, könnten mehr Eltern bei der Schulwahl für ihre Kinder für die weiterführende Schule am Aurikelstieg gewonnen werden: Landesweit sind die Gemeinschaftsschulen bei den Eltern beliebter als die Regionalschulen.

Es fehlen vor allem Klassen- und Gruppenräume

Im Wahlprogramm der FDP gefällt Lühr vor allem der Zusatz "modernes Gebäude". Die Schule müsse dringend saniert und ausgebaut werden. Wegen der unsicheren Perspektive habe die Stadt in den vergangenen Jahren kaum Geld in den Erhalt der Gebäude investiert. Das müsse jetzt dringend nachgeholt werden, sagt der Pädagoge. Er fordert, dass die künftige Gemeinschaftsschule genauso behandelt wird wie die anderen Schulen im Stadtgebiet. Und da habe die Stadt in den letzten Jahren Millionen investiert, allein der Ausbau der Gemeinschaftsschule Harksheide koste mehr als zehn Millionen Euro. "Wenn wir schon Gemeinschaftsschule werden, müssen wir auch so ausgestattet werden", sagt Lühr.

Das bedeute mehr Lehrerstunden. Zudem fehlten vor allem Klassen- und Gruppenräume. Die sind nötig, um einzelne Schüler oder kleinere Gruppen aus der Klasse herauszunehmen und gezielt zu fördern. Nötig seien auch PC-Arbeitsplätze, an denen die Schüler sich Themen selbstständig und in Ruhe erarbeiten können, und Konferenzräume. Die 14 Klassenräume reichten schon jetzt nicht, um alle knapp 440 Schüler aufzunehmen. Knapp ein Drittel der Jugendlichen lerne in Containern auf dem Schulgelände.

Nach dem Schuljahr 2015/16 wird die Schülerzahl allerdings deutlich schrumpfen: Dann haben die Hauptschüler, die vom Falkenberg zum Aurikelstieg umgezogen sind, ihre Abschlüsse. "Auf Dauer rechne ich mit rund 360 Schülern. Wir wollen eine kleine, überschaubare Schule bleiben", sagt Lühr.

Jetzt ist die Kreativität der Kunstlehrer gefragt

Er muss nun aber erst mal die Aufgaben lösen, die die neue Schulform und der neue Name mit sich bringen: Schulstempel und Dienstsiegel müssen geändert, ein Logo als unverwechselbares Identitätsmerkmal entwickelt werden. Und das noch möglichst bis zu den Sommerferien. Schulleiter Gerhard Lühr setzt da ganz auf die Kreativität der Kunstlehrer, fantasiebegabter Schüler oder Eltern.