Hundesteuer - die große Ungleichbehandlung

Städte und Gemeinden legen die Höhe der Abgaben selbst fest: Wer in Bad Segeberg einen Hund besitzt, der zahlt beispielsweise siebenmal so viel für seinen vierbeinigen Liebling wie ein Hundebesitzer in Groß Rönnau oder in Hitzhusen

So mancher Hundebesitzer ärgert sich über hohe Steuern, die er für seinen "besten Freund" zahlen muss - andere Hundebesitzer wiederum freuen sich, dass ihr Vierbeiner kaum etwas kostet, weil sie in einem "Hundesteuerparadies" leben. Fakt ist: Da jede Stadt und jede Gemeinde selber festlegen darf, wie viel sie von den Hundebesitzern im Jahr an Steuern kassiert, werden Hundebesitzer im Kreis Segeberg mal mehr und mal weniger zur Kasse gebeten.

Bei der Hundesteuer handelt es sich zunächst einmal um eine Steuer, die von allen Hundebesitzern gezahlt werden muss. Dabei kann nicht nur die Höhe der Steuer in den einzelnen Gemeinden sehr unterschiedlich sein - auch die Anzahl der Hunde beziehungsweise die Rasse kann eine Rolle spielen, wenn es ums Bezahlen geht. Besitzt jemand zwei Hunde, muss er für den zweiten meist mehr zahlen als für den ersten - und der "Dritthund" wird dann oft noch teurer. Wer einen "gefährlichen" Hund besitzt - beispielsweise einen Pitbull-Terrier oder einen Rottweiler -, muss in der Regel noch tiefer in die Tasche greifen.

Richtig teuer ist es für Hundebesitzer unter anderem in der Gemeinde Seth: 100 Euro verlangt die Gemeinde für den ersten Hund. Die 18-jährige Setherin Lea Minnerop muss für ihre beiden Hunde Balu und Nine zusammen sogar 250 Euro pro Jahr berappen. "Die Steuer ist einfach zu hoch und meiner Meinung nach auch nicht gerechtfertigt. Es gibt keine Hundetoiletten oder Freilaufflächen in Seth", sagt Lea Minnerop. Zum Vergleich: In der Nachbargemeinde Itzstedt würden ihre beiden Lieblinge nur mit 80 Euro zu Buche schlagen.

In der Gemeinde Hitzhusen kostet jeder Hund nur 16 Euro im Jahr

Am niedrigsten ist die Steuer mit 16 Euro für den ersten Hund unter anderem in den Gemeinden Leezen, Bühnsdorf und Weede. Verständlicherweise hat Hundebesitzerin Petra Detlehfsen aus Leezen überhaupt keine Probleme mit der Steuer - allerdings, so sagt sie im Gespräch mit dem Abendblatt, würde sie es begrüßen, wenn Kotbeutel oder Hundetoiletten in der Gemeinde aufgestellt würden.

Auch in der Gemeinde Hitzhusen beträgt die Hundesteuer lediglich 16 Euro im Jahr - und zwar für den ersten, den zweiten und den dritten Hund sowie für die Gefahrhunde. Doch nicht nur in Hitzhusen ist das Halten eines Gefahrhundes so günstig. In elf der 14 Gemeinden des Amtes Bad Bramstedt-Land kosten Gefahrhunde genauso viel wie anderswo der Dackel von Tante Inge - maximal sind es 75 Euro. Andere Gemeinden langen deutlich kräftiger hin. Die Stadt Wahlstedt hat mit 800 Euro den höchsten Steuersatz für einen Gefahrhund - mehrere Hundert Euro jährlich müssen Hundebesitzer aber auch in zahlreichen anderen Gemeinden des Kreises für Pitbull und Co. zahlen (siehe Tabelle).

Die von den Kommunen erhobene Steuer ist nicht zweckgebunden

Der Grund für die ungleiche, von manchem Hundebesitzer sicherlich auch als unfair empfundene Besteuerung der Vierbeiner ist einfach zu erklären. Laut dem Innenministerium Schleswig-Holstein hat jede Gemeinde und jeder Kreis das Recht, kommunale Abgaben zu erheben. Unter kommunale Abgaben fallen sogenannte Aufwands- und Verbrauchssteuern wie zum Beispiel die Hundesteuer. Die Hundesteuer, die vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist, ist nicht zweckgebunden. Das bedeutet, dass die Kommunen die Einnahmen aus der Hundesteuer nicht ausschließlich für Angelegenheiten rund um den Hund - wie etwa das Beseitigen von Hundekot in öffentlichen Parks - verwenden müssen.

Doch natürlich geben die Gemeinden Geld für Dinge aus, die ausschließlich Hundehaltern zugutekommen. In vielen Städten und Gemeinden gibt es mittlerweile Hundetoiletten, also Ständer mit kleinen Plastiktüten, die zum Entfernen des Hundekots genutzt werden sollen.

Der Sülfelder Hundebeauftragte ist viel im Ort unterwegs

In Sülfeld gibt es immerhin spezielle Mülleimer für Hundekot. Elke Sievers wohnt seit vier Jahren in der Gemeinde und zahlt für ihre Sunny 80 Euro im Jahr. Sie sagt: "Die Steuer ist im Prinzip gerechtfertigt, aber einfach zu hoch. Bei den Hundetoiletten gibt es hier keine Beutel, es ist einfach nur ein Mülleimer vorhanden. Viele Hundebesitzer sind immer noch zu faul, den Dreck, den ihre Tiere produzieren, wegzumachen. Außerdem haben wir keine Freilaufflächen für unsere Hunde, das finde ich sehr schade."

Der Bürgermeister von Sülfeld, Volker Bumann, betont dagegen, dass die Hundetoiletten von den Hundehaltern seiner Ansicht nach angenommen werden: "Früher lag auf den Gehwegen viel mehr Hundekot. Die Hundebesitzer können die Beutel preisgünstig im örtlichen Supermarkt kaufen und beim Auslauf mitnehmen." Außerdem ist der Hundebeauftragte der Gemeinde, Jörn Willhöfft, viel im Dorf unterwegs und spricht die Hundebesitzer auch schon mal persönlich auf "vergessene" Hinterlassenschaften ihrer Hunde an.

Hundetoiletten und Freilaufflächen gibt es in der Gemeinde Seth nicht - obwohl hier die Hundesteuer, wie bereits erwähnt, sehr hoch ist. Kein Wunder ist es da, dass in der Gemeinde nur 73 Hunde auf 1000 Einwohner kommen. Eine geringere "Hundedichte" gibt es nur in wenigen anderen Gemeinden des Kreises.

Die Setherin Elli Pump hat trotzdem keine Probleme mit der Steuer: "Man weiß ja, dass es diese Steuer gibt, bevor man sich einen Hund anschafft. Die Steuer ist in Ordnung. Man muss für andere Hobbys schließlich auch viel Geld ausgeben", sagt sie.

Die Kreisstadt Bad Segeberg ist die teuerste Hundekommune in der Region

Geld ausgeben müssen vor allem die Hundebesitzer in Bad Segeberg. Die finanziell angeschlagene Kreisstadt ist die teuerste Hundekommune in der Region: Der erste Hund kostet 114 Euro, der zweite 132 Euro und der dritte gar 144 Euro. Und für einen Gefahrhund muss der Besitzer im Jahr stolze 660 Euro in die Stadtkasse einzahlen. Die Folge: In der Karl-May-Stadt sind vergleichsweise wenig Hunde - nämlich zurzeit 848 - gemeldet. Auf 1000 Einwohner kommen in Bad Segeberg demnach lediglich 53 Vierbeiner.

Gering ist die Hundedichte auch in Henstedt-Ulzburg - 57 Hunde kommen hier auf 1000 Einwohner. Jeden Morgen um 10 Uhr treffen sich Karl-Heinz Drewitz, Gunda Schüttig und Karina Köpke im Bürgerpark der Großgemeinde. "Mit 60 Euro ist die Steuer nicht zu hoch, und die aufgestellten Hundetoiletten mit Beuteln sind sehr sinnvoll und werden auch genutzt", sagt Karl-Heinz Drewitz.

Karina Köpke ist der gleichen Meinung und sagt: "Bei der Gemeinde kann man sich auch Beutel abholen, dann ist man auf jedem Weg gut ausgerüstet."