Kreis Segeberg

Krippenausbau geht gut voran

Zum 1. August werden 40 Prozent der Kinder einen Platz bekommen - doch mittelfristig wird das nicht reichen

Kreis Segeberg . Die Sternenschnuppenkinder kennen sich aus. Gerade haben sie auf dem großen Freigelände gespielt, jetzt um 11.30 Uhr gehen die zehn Kisdorfer Krippenkinder wieder rein. Schuhe aus im Vorraum, Jacke an die Haken vor einem der beiden Gruppenräume. Dann wird, wenn nötig, gewickelt - und dann steht endlich das Essen auf dem Tisch. Die Kleinsten in der Kindertagesstätte Sternschnuppe sind mittlerweile gut im 2011 gebauten Neubau angekommen und sitzen brav am Tisch - selbst wenn die Zeitung kommt.

Wer jetzt in Kisdorf einen Platz haben will, muss in Struvenhütten nachfragen

Insgesamt 30 Krippenkinder in drei Gruppen gibt es in Kisdorf, alle Plätze seien belegt, sagt Leiterin Sabine Asmussen. Dazu kommen im benachbarten Kattendorf weitere zehn Plätze im Montessori-Kinderhaus, für das sie ebenfalls verantwortlich ist. Auch diese sind alle belegt. Wer jetzt im Amt Kisdorf noch einen Platz in einer Krippe haben will, der muss in Struvenhütten nachfragen. Denn auch in Wakendorf II und Sievershütten sind die Kapazitäten erschöpft. Es gibt Wartelisten, denn auch anderswo sind die Krippenplätze heiß begehrt. In die Nachbargemeinde ausweichen, geht nicht so einfach.

Überall im Kreis sind in den vergangenen Jahren Krippenplätze geschaffen worden. In den Städten wie Norderstedt, wo bereits knapp die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren einen Krippenplatz bekommen kann, aber auch auf dem Land; insbesondere im Hamburger Umland. "Wir werden zum 1. August unser Ausbauziel erreicht haben", sagt der Leiter des Jugendamts des Kreises, Manfred Stankat. "Wir wissen aber auch, dass das nicht reichen wird."

Zum 1. August besteht ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kinder ab dem Alter von einem Jahr. Als er 2007 beschlossen wurde, war die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen davon ausgegangen, dass die Eltern für etwa 35 Prozent der Kinder einen Platz nachfragen würden. "Inzwischen ist diese Zahl deutlich korrigiert worden. Mittlerweile wird von 40 Prozent gesprochen", sagt Stankat. Diese Quote erreicht der Kreis bald, wenn auch nicht zum 1. August. Segeberg ist in Schleswig-Holstein damit nach Stormarn am weitesten. Bundesweit liege die Betreuungsquote zum 1. August bei unter 30 Prozent, sagt Stankat. Mittelfristig würde wohl mindestens die Hälfte der Kleinkinder in der Region eine Krippe besuchen.

Im ländlichen Amt Leezen ist davon noch nicht so viel zu spüren. "Die Gemeinde Leezen wollte mit der Kirchengemeinde eine Krippe aufbauen", sagt Dirk Herwig von der Amtsverwaltung. "Die Eltern sind angeschrieben worden, aber es war kein Bedarf da." Im kommenden Jahr sieht das anders aus, viele Eltern hätten signalisiert, dass sie dann einen Platz für ihr Kind in Anspruch nehmen würden. Ob die Amtsgemeinden, die zusammengenommen eine Betreuungsquote von 28 Prozent zum 1. August haben, jetzt schon alle Wünsche erfüllen können, weiß Herwig noch nicht. Allerdings wurde im Vorfeld der Bedarf abgefragt, und eventuelle Engpässe könnten auch mit anerkannten Tagesmüttern überbrückt werden. Auch hier zahlen die Gemeinden wie bei Kindergarten und Kinderkrippe einen Zuschuss zum Elternbeitrag. Generell wird im Kreis etwa ein Drittel der Kinder im Krippenalter von sogenannten Tagespflegepersonen betreut werden, schätzt Amtsleiter Stankat.

Auch Kindergartenleiterin Sabine Asmussen in Kisdorf verweist Eltern zurzeit auf bekannte Tagesmütter in der Gemeinde, die eine Schulung von mindestens 160 Stunden absolviert haben müssen. Wenn dann ein Platz in der Krippe frei wird, meldet sie sich bei den betreffenden Eltern wieder. "Wir ziehen uns unseren Nachwuchs selbst heran", sagt sie mit Blick auf die vollen Krippengruppen. "Wir können kaum noch Kinder von außen aufnehmen." Dennoch sind in Kisdorf und im gesamten Amtsbereich derzeit keine weiteren Neubauten in Planung.

In Alveslohe entsteht gerade ein Anbau für die Krippe und zehn neue Plätze

Das werde sich ändern, sollte die Gemeinde neue Baugebiete ausweisen, erläutert Jörg Hohmann vom Amt Kisdorf. Pro Haushalt rechne man mit 1,5 Kindern, bei 15 bis 20 neuen Häusern wäre da schnell eine Krippengruppe mit zehn Kindern voll. Bauen in den Gemeinden im Hamburger Rand ist teuer. "Da müssen bald beide wieder arbeiten", sagt Hohmann.

Während im Amt Kisdorf derzeit keine weiteren Krippenplätze gebaut werden, wird im benachbarten Amt Kaltenkirchen-Land noch kräftig investiert. In Alveslohe entsteht gerade ein Anbau für die Krippe und zehn neue Plätze, Schmalfeld plant einen Neubau mit 20 Plätzen. Dabei werden die Gemeinden nicht allein gelassen, Bund und Land haben bis jetzt insgesamt 14,5 Millionen Euro für die verschiedenen Bauvorhaben im Kreis Segeberg gezahlt. Weiteres Geld von Bund, Land und jetzt auch vom Kreis Segeberg steht in Aussicht. Vor diesem Hintergrund sagt Jugendamtsleiter Stankat: "Jede Gemeinde, die jetzt nicht plant, ist selbst schuld."