Nahverkehr

Kostenlos in Norderstedt mit Bus und Bahn fahren

Der Seniorenbeirat fordert eine HVV-Karte für Norderstedt. Politiker nehmen zu diesem und anderen Themen Stellung. "Durch den Verzicht aufs Auto würde sich auch die Klimabilanz der Stadt verbessern."

Norderstedt. "Ein spezieller oder sogar kostenloser Norderstedt-Tarif könnte mehr Menschen dazu bringen, das Auto stehen zu lassen und mit Bus und Bahn zu fahren", sagt Peter Arndt vom Seniorenbeirat Norderstedt. Die Seniorenpolitiker sprechen sich für eine HVV-Karte aus, die nur für das Stadtgebiet von Norderstedt gilt, deutlich günstiger ist als die üblichen Tarife und damit den öffentlichen Nahverkehr attraktiver macht. "Durch den Verzicht aufs Auto würde sich auch die Klimabilanz der Stadt verbessern", sagte Arndt. Die verfolge ja das ehrgeizige Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden und nur so viel CO2 in die Luft zu pusten wie auch gespeichert werden kann.

Der Seniorenbeirat stellt sich in einem ersten Schritt eine Tageskarte für zwei Euro vor, mit der die Inhaber kreuz und quer durch die Stadt fahren und einkaufen, zum Schwimmen oder ins Rathaus kommen können. Das wäre deutlich günstiger als die übliche Tageskarte, die mit eingeschränkter Fahrzeit schon 5,80 Euro kostet. "Ich zahle ja schon 1,40 Euro, um von der Falkenbergstraße ins Rathaus zu kommen", sagte Arndt. Noch komfortabler wäre eine kostenlose Monatskarte.

Der Seniorenbeirat will die Politiker fragen, was sie von dem Vorschlag halten. Der Beirat hat Vertreter der fünf Parteien, die zurzeit in der Stadtvertretung Beschlüsse fassen, zur Diskussion eingeladen. Sie werden sich am Donnerstag, 25. April, ab 15 Uhr im Plenarsaal des Norderstedter Rathauses zum Thema "Mobilität im Alter" äußern. Und dazu zählen auch Ruf-Taxis. Die könnten gerade älteren Menschen in den entfernteren Stadtteilen Glashütte und Friedrichsgabe das Leben erleichtern. Wie sollen die ein großes Paket von der Post nach Hause transportieren?", sagt der Seniorenpolitiker.

Neben der HHV-Karte für Norderstedt haben die Altenpolitiker für die Diskussion mit den Kommunalpolitikern weitere Themen vorbereitet, die Senioren in der Stadt beschäftigen. Dazu gehört der kommunale Ordnungsdienst. "Viele Radfahrer fahren, wie sie wollen, auf der falschen Seite und ohne Rücksicht gerade auf ältere Menschen, die sich dadurch beeinträchtigt fühlen", sagt Arndt. Das unbedachte oder sogar rücksichtslose Verhalten der Radler hat auch die Zahl der Unfälle nach oben getrieben (wie berichteten). Die Polizei will die Kontrollen verstärken und Radfahrer, die gegen die Verkehrsordnung verstoßen, zur Kasse bitten.

"Die Polizei hat aber nicht genügend Personal für die nötigen Kontrollen", sagt Arndt. Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes könnten die Beamten unterstützen. Und es gebe genügend weitere Einsatzbereiche: Vandalismus, die Einhaltung der Streupflicht, illegale Müllentsorgung und den allgegenwärtigen Hundekot. "Angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen der Stadt dürften die Kosten keine Rolle spielen, geht es doch um die Sicherheit der Bürger", sagt der Beiratssprecher. Zudem deckten die Einnahmen durch Buß- und Verwarngeld die Ausgaben zumindest zum großen Teil.

Außerdem will der Seniorenbeirat von den Politikern wissen, was sie von einer kostenlosen Laubabfuhr halten. "Vornehmlich ältere Norderstedt stehen jeden Herbst vor einem Blätterhaufen, der aber nicht von ihren, sondern von städtischen Bäumen stammt", sagt Arndt. Diese Personengruppe habe aber meist kein Auto mehr, es sei schwierig für sie, 30 bis 40 Säcke Laub beim Recyclinghof an der Oststraße kostenlos abzugeben. Die Biotonne reiche für Laubberge nicht aus, viele könnten sich die vom städtischen Betriebsamt angebotenen Biowertstoffsäcke zu 2,90 Euro pro Sack oder die Big Bags nicht leisten. "Es müsste doch machbar sein, dass die Müllwerker ein- bis zweimal im Jahr kostenlos Laub in neutralen Säcken abholen", sagt Arndt. So würden auch die Fahrten zum Recyclinghof verringert, der Klimaschutz verbessert.

Schließlich steht der Mangel an bezahlbarem Wohnraum auf der Tagesordnung. "Welche Möglichkeiten sieht die Politik, barrierefreie, kleine und günstigen Wohnungen zu schaffen?", lautet die Frage an die Vertreter der Parteien. "Das wichtigste ist aber, dass viele Besucher kommen und ihre Fragen stellen", sagt Seniorenbeirat Hans Jeenicke. Kai Hädicke-Schories von der Norderstedter Polizei wird die etwa zweistündige Talkrunde moderieren. In der Pause werden Sportler von TuRa Harksheide zeigen, wie man sich auch in hohem Alter noch bewegen kann. Eine mobile Hörschleife soll dafür sorgen, dass auch Menschen mit Hörgeräten die Diskussion verfolgen können.