Schröters Wochenschau

Der jährliche Eiertanz

Es gibt Fragen im Leben, die stellen sich jedes Jahr aufs Neue.

Dieses Wochenende wird man wieder mit einem der ganz großen Welträtsel konfrontiert, vorzugsweise durch unerbittliche Nachfragen unserer Kinder. Natürlich freuen wir uns darüber, dass sich der Nachwuchs nicht mit nebulösen Erklärungen abspeisen lässt. Aber was soll man antworten, auf Fragen wie: Warum bringt ausgerechnet der Osterhase die Eier?

Da können Sie viel erzählen. Die ganze pseudowissenschaftliche Leier abspulen. Hase als Fruchtbarkeitszeichen. Hase als Symbol einer germanischen Frühlingsgottheit. Hase als antikes Sinnbild von Leben und Wiedergeburt sowie deshalb auch im Christentum quasi als Auferstehungs-Wappentier verankert. Aber warum das ganze Jahr über nur die ollen Hühner Eier legen und dann ausgerechnet Hasen zu Ostern die Dinger in Schokolade mit Knickebeinfüllung verwandeln - das kriegen Sie mit handelsüblichen Osterhasen-Theorien nicht glaubhaft begründet.

Präsentieren Sie einfach Hühnerkacke und Hasenköttel

Kleine Zweifler aus der Abteilung "Jugend forscht" überzeugt man am ehesten mit dem lebenspraktisch-naturkundlichen Ansatz. Präsentieren Sie der staunenden Brut sowohl ein Schälchen Hühnerkacke als auch eine Portion Hasenköttel - schon ist höchst anschaulich bewiesen, welche Spezies ganzjährig die Schokoladeneiproduktion trainiert. Vom Verzehr der Demonstrationsobjekte ist allerdings abzuraten, bei Nichtbeachtung dieser Warnung droht akutes Knickebein.

Auch für eher konsum- als neugierorientierte Kinder gibt es eine Deutung des Osterhasenphänomens. Dieser Klientel genügt die Feststellung, Hühner seien nun mal nicht sexy und Hasen machen einfach mehr her. Dass nichts wichtiger ist als der Imagefaktor, kennen die Blagen aus dem Fernsehen, vornehmlich von Formaten wie "Germanys next Topmodel" oder "Der Bachelor". Nach dieser überzeugenden Ansage werden alle weiteren Ermittlungen in der Regel eingestellt.

Der Segen des Papstes sorgt für komplette Verwirrung

Ist die Hasenfrage endlich geklärt, ist damit die Osterkuh jedoch längst nicht vom Eis gezogen. Da wäre schließlich noch die TV-Übertragung der Vatikanischen Ostermesse mit anschließendem Segen des Papstes zu überstehen, die auch erwachsene Mitbürger komplett verwirren kann.

Erst im vergangenen Jahr animierte das einen (hier aus verständlichen Gründen nicht namentlich erwähnten) Nachbarn zum ratlosen Kommentar: Obi kenne er, aber Urbi müsse ein ganz neuer Baumarkt sein.

Da hilft dann leider nur noch ein Ei mit hochprozentiger Füllung. Egal, wer das legt.