Bad Segeberg

Statisten gesucht: Ihr Ziel ist die Kalkberg-Arena

| Lesedauer: 4 Minuten
Wolfgang Klietz

Sie wollen im Scheinwerferlicht stehen: 100 Frauen und Männer kamen zum Statisten-Casting. Sie wollen zum Ensemble der Karl-May-Spiele gehören.

Bad Segeberg. Jede gute Geschichte braucht einen Helden, jedes gute Bühnenstück auch. In Bad Segeberg wollen auf einen Schlag 100 Männer und Frauen Helden werden, im Scheinwerferlicht stehen und neben bekannten Schauspielern auftreten. Dafür schlagen und tanzen sie, lassen sich fotografieren und interviewen. Ihr Ziel ist die Kalkberg-Arena. Sie wollen im Sommer zum Ensemble der Karl-May-Spiele gehören - ein Casting für die Jobs der Komparsen.

Norbert Schultze jr. spricht die Kandidaten bei der Begrüßung schon mal mit "Liebe Kollegen" an. 80 Mitwirkende werden zu seinem Team gehören, das "Winnetou I - Blutsbrüder" in der Kalkbergarena präsentieren wird. 35 Statisten werden dazu gehören, die mindestens 16 Jahre alt und sportlich sein müssen. "Es soll ein spannender Sommer werden", verspricht die Geschäftsführerin der Karl-May-Spiele, Ute Thienel.

Viele Männer fragen "Wie war ich?", nachdem sie zuschlagen durften

Erste Station: Action. Die meisten Männer fragen "Wie war ich?", nachdem sie mal so richtig zuschlagen und treten durften. Einer von ihnen ist Christian Schumann aus Brakel. Der kräftige Niedersachse will zu den Helden gehören und geht richtig ran, als er Action-Spezialist Steve Szegete zeigen soll, wie er sich eine Western-Keilerei zwischen Saloon und Sheriff-Büro vorstellt. "Ausbaufähig", antwortet Szegete auf die Frage.

"Können Sie auch tanzen?", fragt das Abendblatt Schumann. "Noch nicht", antwortet er lachend. Zeit zum Üben bleibt jedoch jetzt nicht mehr. Nebenan bittet Jean-Marc Lebon die Kandidaten zum Tanz.

Auch der rundliche Herr mit dem Schnauzbart und dem weißlichen Teint geht hinüber. Stilecht hat er sich im Siedler-Look gekleidet, doch schon beim Prügeln fehlte der rechte Schwung. Saft- und kraftlos holte er mit der Faust aus. Beim Treten offenbart sich eine bedenkliche Hüftsteife.

Zweite Station: Tanz. Spätestens hier zeigt sich, dass Karl-May-Inszenierungen nicht für Grobmotoriker geeignet sind. Jean-Marc Lebon gibt die Folge der Schritte vor. Westerntanz ist kein Hexenwerk. Aber wer hier wie ein Mammut stampft, wird nie neben Winnetou, Old Shatterhand und Co. im Kalkberg-Rund stehen. Und dazu spielt vom Band die Westernfiedel, und Dolly Parton singt.

Jovana will nach dem Abi "irgendwas mit Schauspiel" machen

Dritte Station: Foto. Jovana Ulrich hält den Bewerbungsbogen mit der Ziffer, die jedem Kandidaten zugeordnet ist, vor den Bauch. Die 18-Jährige ist zum Casting aus Hamburg angereist, will nächstes Jahr Abitur und danach "irgendwas mit Schauspiel" machen, aber bitte nichts mit Tanzen. "Den Tanz hier kann ich nicht so gut", hat die Schülerin festgestellt, die sich gemeinsam mit einer Freundin für die Karl-May-Spiele bewirbt. "Das macht Spaß, und man kann Geld verdienen", sagt Jovana.

Letzte Station: Bewerbungsgespräch im Saloon. Norbert Schultze jr. ist ein freundlicher Mann. "Haben Sie so etwas schon einmal gemacht?", fragt er, und Petra Märker antwortet wahrheitsgemäß mit Nein. "Aber es war schon immer mein Traum", sagt die 48-jährige Hauswirtschaftskraft aus Ahrensbök. Jetzt kann sie sich ihren Traum erfüllen, die Kinder sind aus dem Haus.

Nach ihr kommen fünf Männer herein. Schultze jr. und die Herren kennen sich. Sie zählen zu den Stammgästen der Karl-May-Aufführungen und gehören dazu wie Winnetou und Manitu. "Ihr wisst, dass ihr wieder Eisenbahner werdet?", fragt der Regisseur. Die Männer sind damit zufrieden - Hauptsache wieder Karl May.

Am 22. Juni feiern die Karl-May-Spiele mit "Winnetou I - Blutsbrüder" Premiere, am 1. September reiten Apachen und Cowboys in diesem Jahr zum letzten Mal durch die Arena. 1700 Euro erhalten die Komparsen pro Saison und einen Fahrtkostenzuschuss. Ihre Arbeit beginnt allerdings schon im Mai, dann starten die Proben.

"Für Schüler und Studenten ist das attraktiv", sagt Geschäftsführerin Thienel. "Wir bieten ihnen ein besonderes Erlebnis." Manche Kandidaten kommen von Schauspielschulen, 15 gehören zu den Stammgästen. "Wir melden uns", sagt Schultze jr. zum Schluss des Bewerbungsgesprächs. 14 Tagen müssen die Bewerber des Castings warten, bis sie eine Antwort erhalten.

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