Schmalensee

Mit Kabarett und harten Fakten gegen Windkraft

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Helge Buttkereit

Wählervereinigung und Kabarettist Nils Loenicker sind gegen Anlagen in Schmalensee

Schmalensee. Zunächst macht Nils Loenicker Kabarett. Der Intendant des Alma Hoppes Lustspielhauses in Hamburg war in den Nordosten des Kreises Segeberg nach Schmalensee gekommen, um eine Veranstaltung der neuen Wählervereinigung "Bürger für Schmalensee" zu moderieren. Aber bei ihm erwartet sein Publikum etwas Lustiges. Und so ordnet er die aktuelle politische Lage ein und klärt zudem auf, warum das mit dem Frühling nicht so recht hinhauen will. Der Grund ist die tektonische Plattenverschiebung. Grönland sei immer näher gekommen und nun liege es vor der Tür. Mit Vor- und Nachteilen. Denn neben dem Nachteil des Winterwetters gebe es dort immerhin viele Parkplätze. Grönland ist leer. "Da ist auch viel Platz für Windkraftanlagen", meint Loenicker und ist beim Thema des Abends angelangt.

Dass der Kabarettist und Theatermacher großes Interesse an der Entwicklung des 450-Einwohner-Dorfes in der Holsteinischen Schweiz hat, ist klar. Schließlich besitzt er hier seit 25 Jahren ein Ferienhaus, und sein Bauer Hader stammt quasi auch aus Schmalensee. Denn das Vorbild für den Landwirt auf der Bühne wohnt an der Dorfstraße und schreibt sich mit einem weiteren "r". Das Leben auf dem Land lernte der 53-Jährige, der in Hamburg aufgewachsen ist, durch die Aufenthalte in Schmalensee kennen und lieben. So sehr, dass er heute sagt: "Ich werde meinen Lebensmittelpunkt in den kommenden Jahren nach Schmalensee verlegen."

Die Region in der Holsteinischen Schweiz hat offenbar großes Anziehungspotenzial für Hamburger Kleinkünstler. Loenickers Kollege Kristian Bader (Caveman) zieht es, wie berichtet, demnächst nach Bahrenhof bei Bad Segeberg. Wie Loenicker nennt Bader die Gemeinschaft und den Zusammenhalt auf dem Dorf als den Hauptgrund, warum er das Leben auf dem Land dem in der Großstadt vorzieht.

Loenicker lässt die Entwicklung in Schmalensee also nicht kalt. Da geht es ihm nicht anders als den gut 70 Besuchern der Veranstaltung. Zwischen Schmalensee, Stocksee und Damsdorf sollen auf 200 Hektar in der Feldmark etwa 16 Windkraftanlagen gebaut werden. Ende des vergangenen Jahres ist dort die zweitgrößte Eignungsfläche für Windenergie im Kreis Segeberg ausgewiesen worden (das Abendblatt berichtete). Erst kurz danach regte sich der erste Widerstand. Zu spät, wie Lars Holldorf von der Wählervereinigung "Bürger für Schmalensee" heute selbstkritisch bedauert. Denn wo die Bürger sich gegen Windenergie ausgesprochen haben - wie in Nützen, Föhrden-Barl oder Heidmoor -, gibt es keine neuen Windräder. Für einen Bürgerentscheid ist es in Schmalensee aber nun zu spät.

Die neue Wählervereinigung will somit nach der Kommunalwahl im Gemeinderat die aus ihrer Sicht größten Probleme der Windkraft vor Ort mindern. Für Holldorf ist neben den hohen Masten, die die Landschaft prägen, der Lkw-Verkehr das größte Problem: Schwere Lastzüge werden die bis zu 50 Meter langen Bauteile der Anlagen bringen, und darunter werde vermutlich die intakte Knicklandschaft leiden. Die neu entstehenden Wege könnten dann vielleicht als Fahrradwege genutzt werden, aber wer will hier künftig noch Radfahren oder Urlaub machen, meint Holldorfs Mitstreiter Jürgen Bucksch.

Damit die Bürger sich einen Eindruck von der Veränderung der Landschaft durch die Windkraftanlagen machen können, hatte Lars Holldorf ein großes Modell im Maßstab von 1:1000 vorbereitet. Zunächst ohne Windräder, dann standen sie in der Landschaft. "Salopp gesagt, das sieht scheiße aus", entfuhr es Loenicker, womit er sich mit den meisten der Anwesenden einig war. Denn die Befürworter der Windkraft im Dorf meldeten sich nicht zu Wort.

Loenicker hingegen skizzierte eine Idee, Kultur aufs Dorf zu bringen. Hans Scheibner und Henning Venske habe er schon gefragt, und Bauer Hader komme sicher auch wieder. Und als solcher kann er dann auch seine Vorschläge gegen Bevölkerungsrückgang im Dorf weiter ausarbeiten. Denn neben dem Zuzug von neuen Einwohnern, den Jürgen Bucksch ermöglichen will, hätten auch die Einheimischen Möglichkeiten. "Das wird im Alltag oft vergessen. Vielfach kommt es zu kurz", deutete er an, und der Saal lachte. Nach den harten Fakten konnte ein wenig Kabarett zum Schluss nicht schaden.

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