Norderstedt

Geplanter Umbau der Grundschule ist Flickschusterei

Eltern kritisieren Pläne für Ausbau der Grundschule Glashütte zur Ganztagsschule. Stadt hingegen spricht von gutem Kompromiss.

Norderstedt. Zu wenige Räume, unzureichende Sanierung und insgesamt Flickschusterei - so kritisieren die Eltern der Grundschule Glashütte den geplanten und von den Politikern mit großer Mehrheit beschlossenen Um- und Ausbau der Norderstedter Schule zur Ganztagsschule. Sie haben einen offenen Brief an den Ausschuss für Schule und Sport sowie an die Stadtverwaltung geschrieben und starten damit einen weiteren Versuch, um ihre Vorstellungen von einem modernen und funktionalen Schulgebäude durchzusetzen.

"Wir als Eltern haben uns zusammen mit der Schulleitung und einem unabhängigen Architekten viel Mühe gegeben, um unsere von der Verwaltung angeforderten Vorschläge einzureichen", sagt Julia Bade vom Vorstand des Schulvereins. Doch der Schulausschuss habe die Vorstellungen als "Luxuskonzept" abgelehnt. Nur Die Linke hatte sich auf die Seite des Kollegiums und der Eltern gestellt, war aber an CDU, SPD, GALiN und FDP gescheitert. Die beste Lösung aus Sicht der Eltern wäre ein kompletter Neubau, der auf dem jetzigen Sportplatz verwirklicht werden könnte. "Wir sehen durchaus ein, dass das aus Kostengründen nicht zu realisieren ist", sagt Katrin Engelhardt vom Schulelternbeirat.

Doch was der Fachausschuss beschlossen hat, sei völlig unzureichend. Den Politikern lagen fünf Varianten vor, Eltern und Lehrer favorisierten Variante 4. Sie sah den Neubau von vier Klassen- mit Gruppenräumen vor. Dadurch stünden den 175 Schülern sieben Klassenräume mit Gruppenräumen und ein Unterrichtsraum mit nicht abgetrenntem Nebenraum zur Verfügung. "Diese Extraräume sind wichtig, damit die Lehrer mit einzelnen Schülern oder kleinen Gruppen ausweichen und sie individuell fördern können", sagt Julia Bade. Die Inklusion, wonach alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden, führe zu einem erhöhten Förderbedarf.

Außerdem hätte der Um- und Ausbau die Chance geboten, den Sanierungsstau an der Grundschule zu reduzieren. Der bauliche Zustand könne nur noch als marode bezeichnet werden. Die Holzdecken, das WC in der Sporthalle sowie die Fassade der Halle und die Akustikdecken müssten saniert, Heizkörper und Bodenbeläge ausgetauscht werden. Diese Mängelliste, die sich noch verlängern lasse, ist der Stadt bekannt. Nach internen Berechnungen sind mindestens 300.000 Euro nötig, um die Schäden zu beheben.

Doch die von den Eltern favorisierte Variante scheiterte im Ausschuss. Zu teuer, befanden CDU, SPD, FDP und GALiN. 2,1 Millionen Euro könne sich die Stadt nicht leisten. "Wir müssen insgesamt noch elf Grundschulen umbauen. Und da sind noch größere Brocken dabei, die deutlich teurer werden dürften als die Maßnahmen in Glashütte", sagte Schuldezernentin Anette Reinders, die die abgespeckte Variante für einen guten Kompromiss hält. Die bietet fünf Gruppenräume und kostet knapp 1,4 Millionen Euro.

"Wir waren uns im Ausschuss so einig, wie das nur selten der Fall ist. Das zeigt schon, dass wir einen vernünftigen Beschluss gefasst haben", sagt die Ausschussvorsitzende Ruth Weidler (CDU). Der Ausschuss habe die Argumente in Ruhe abgewogen und eine für die Schule akzeptable Lösung gefunden. Auch die Vorsitzende weist auf die "Riesenaufgabe" hin, alle Grundschulen für den Ganztagsbetrieb fit machen zu müssen. "Und der städtische Haushalt ist kein Füllhorn, das wir nach Belieben ausschütten können", sagt Ruth Weidler. Auch SPD, GALiN und FDP wollen am Beschluss festhalten.

Nur Die Linke will das Thema nochmals in den Ausschuss bringen. "Deutsche Schüler schneiden in Bildungsstudien schlecht ab - und alle bis hin zum Oberbürgermeister betonen, wie wichtig Bildung als Standortfaktor geworden ist. Da sollten wir hier nicht sparen und ein vernünftiges Konzept scheitern lassen", sagt Fraktionschef Miro Berbig. Schließlich investiere die Stadt hier für die nächsten 40 Jahre.