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Zackige Leidenschaft

In unserer Vereinsserie stellen wir Ihnen heute die Briefmarkenfreunde Norderstedt und Umgebung vor

Thomas Kaufhold ist ein ruhiger, aber freundlicher Mensch. Wenn er fragt, ob jemand mal seine Briefmarkensammlung sehen möchte, dann gibt es kein hämisches Grinsen. Nein, dann zücken andere Sammler entzückt ihre Alben aus ihren Koffern und dann wird gesucht, getauscht, gehandelt.

Thomas Kaufhold ist Vorsitzender der Briefmarkenfreunde Norderstedt und Umgebung. Und jeden Montagabend trifft sich der 58-Jährige mit Gleichgesinnten im Norderstedter Rathaus, um einerseits Freundschaften zu pflegen und andererseits seine Briefmarkensammlung voranzutreiben. Ein endloses Unterfangen, wie Kaufhold zugibt. "Sie sind mit dem Sammeln eigentlich nie fertig", sagt er. Und gerade das macht den Spaß beim Sammeln aus.

Seit sechs Jahren organisiert Kaufhold die Tauschbörsen und Vereinsabende der Briefmarkenfreunde. Knapp 80 Mitglieder zählt der Verein und gehört damit zu den größeren Philatelistenvereinen in Norddeutschland. Noch. Denn der Nachwuchs, das gibt Kaufhold unumwunden zu, der fehlt den Briefmarkensammlern bundesweit in zunehmendem Maße. "Früher war Briefmarkensammeln ein typischen Hobby in der Gesellschaft. Doch die Zeiten sind vorbei. Die Jugend begeistert sich zum Beispiel eher für Videospiele als für das Sammeln, wie wir es in unserer Jugend gemacht haben", sagt der Vereinsvorsitzende. Und da Altersbedingt die Zahl der Briefmarkensammler sinkt, werden die Sammler allmählich so exotisch, wie eine blaue Mauritius.

Der "Michel" hilft beim Bestimmen der einzelnen Briefmarken

Nicht selten erhält Kaufhold Anrufe von Jüngeren, die eine Briefmarkensammlung von ihren Eltern oder Großeltern geerbt haben. "Die wissen nichts mehr damit anzufangen und wenden sich an uns, um zu erfahren, ob da vielleicht noch ein Schatz verborgen ist", sagt Kaufhold. In den meisten Fällen haben die Sammlungen außer einem emotionalen nur wenig Wert. "Die Meisten haben das gesammelt, was jeder hat. Briefmarken aus Deutschland etwa. Die haben entsprechend wenig Sammlerwert". Der Verein gibt dennoch Hilfe und unterstützt die Besitzer dabei, die Briefmarken zu veräußern. Manchmal kommen 60 Euro zusammen, meist aber weniger.

Auch wenn viele Sammler finanziell vergleichsweise wertlose Marken sammeln, so gibt es dennoch teure Sammlungen. "Wenn sie weniger bekannte Länder oder seltene Motive sammeln, dann kann da schon eine wertvolle Sammlung entstehen", weiß Kaufhold. Um herauszufinden, wie wertvoll eine Briefmarkensammlung ist, gibt es Fachbücher wie den "Michel". Ein Katalog, der genau aufzeigt, welche Briefmarken wann in welcher Region gedruckt wurden. Manchmal sind ungestempelte Marken wertvoller, manchmal auch gestempelte. "Es hängt ganz einfach davon ab, welchen Markentypus es seltener gibt", sagt der Philatelist und verweist etwa auf eine brasilianische Briefmarke aus dem Jahr 1848, die gestempelt deutlich mehr wert ist als ohne Stempel. Ein stolzes Stück Briefmarke, das etwa 1000 Euro im freien Handel kosten würde. Eine Wertanlage mit Steigerungspotenzial.

Peter Plüghan ist seit 15 Jahren bei Ausstellungen in ganz Europa vertreten

Wie teuer Briefmarken sein können, das weiß auch Peter Plüghan. Der 76-jährige passionierte Sammler ist ein Experte im Verein, wenn es um wertvolle Marken geht. Viele von ihnen hat er schon gesehen, in Brüssel, Paris, Kopenhagen und anderen Städten, wo große Briefmarkenausstellungen organisiert werden. Plüghan ist dann meist mit dabei - und das, was er ausstellt, sind meist Briefmarkensammlungen, die einen Musik- oder Kunstbezug haben. "Ich bin seit 15 Jahren bei Ausstellungen in ganz Europa vertreten", sagt der 76-Jährige. Und nicht ohne Stolz erzählt er auch von einer Briefmarkenausstellung in China. Dort waren rund fünf Millionen Besucher gekommen, um die Marken aus aller Welt zu sehen. In Europa sind die Besucherzahlen geringer. Etwa 5000 Besucher kommen dann pro Woche.

Bei den großen internationalen Briefmarkenbörsen darf nicht jeder Sammler ausstellen. Das wird akribisch geregelt. Es ist fast wie beim Fußball. Wer gut genug ist und Pokale in den niedrigeren Klassen gewinnt, der darf in die nächste Liga aufsteigen. Plüghan hat es bereits bis ganz nach oben geschafft. "Es bringt Spaß, für solche Kongresse spezielle Sammlungen zu erstellen. Da gibt es auch bestimmte Anforderungen, die erfüllt werden müssen", erzählt er. Das Thema ist wichtig, die Umsetzung und Kreativität und ebenso, wie selten die Exponate sind. "Irgendwann kommt der Punkt, wo ein Sammler tief in die Tasche greifen muss, um seltene Marken für seine Sammlung zu finden. Wenn das eintrifft, widme ich mich einem neuen Thema", sagt Plüghan. Seine Sammlung zur Opernmusik ist zwar noch nicht vollständig, dennoch arbeitet er vorsorglich an einer Sammlung zu den französischen Impressionisten.

Die Frauen sammeln entweder mit oder sie tolerieren das Hobby

Walter Thierenbach ist ebenfalls akribisch am Sammeln. Sogenannte Rollenmarken und Briefmarken aus Ländern wie Thailand, Burma und Laos aus der Zeit bis 1930 sind sein Spezialgebiet. Neuerdings sammelt er auch aufgedruckte Briefmarken der deutschen Briefzentren - also eigentlich Stempeldrucke, die wie Briefmarken aussehen. Je ungewöhnlicher die Kollektion, um so besser.

"Aber wenn ich ehrlich bin, ist das ja alles nur Beschäftigungstherapie, damit uns in der Rente nicht langweilig wird", sagt der 68-Jährige.

Vereinspräsident Kaufhold sieht das ähnlich. "Wir sind schon so ein wenig das, was viele als Sonderlinge bezeichnen, doch wir treffen uns vor allem deshalb im Verein, weil wir einfach die Zeit haben und mit gleichgesinnten und Freunden in Kontakt bleiben wollen", sagt Kaufhold. Und Freundschaften gebe es viele unter den Briefmarkensammlern. Auch auf internationaler Ebene. Und überhaupt: Das Hobby sei viel besser als manch anderes. Nicht zu kostspielig, nicht zu zeitintensiv, nicht zu eigenbrötlerisch. Kaufhold: "Wegen Briefmarkensammeln hat jedenfalls noch nirgends der Haussegen schief gehangen. Unsere Frauen sammeln entweder begeistert mit oder aber sie tolerieren es, wenn wir für ein paar Stunden in unser Briefmarkenzimmer gehen." Zudem fänden es die Ehefrauen auch besser, wenn ihre Männer ein paar Stunden pro Woche ihre Marken begutachten und sortieren, anstatt stundenlang in einer Kneipe zu sitzen oder für ein ganzes Wochenende an einen Angelsee zu verschwinden.

Einige Mitglieder des Vereins sammeln sogar Briefmarken aus Holz

Und wie viele Briefmarken hat nun ein durchschnittlicher Sammler? "Das lässt sich gar nicht sagen", sagen Kaufhold und Plüghan. Kaufhold schätzt seine Sammlung auf etwa 300.000 Bilder. Einige Sammler hätten sicher Millionen von Marken. Und Plüghan? Er grübelt kurz, zuckt mit den Schultern. "Wissen Sie, eine solche Frage stellt im Grunde nur jemand, der Laie beim Briefmarkensammeln ist", sagt er und lacht. Wie viele Marken eine Sammlung umfasse, das sei im Grunde auch einerlei. Wichtig sei die Qualität beziehungsweise Originalität der Sammlung. Einige Mitglieder des Vereins sammeln etwa Briefmarken aus Holz, andere welche mit Schokoladengeschmack, wiederum andere haben sich auf gestickte Briefmarken spezialisiert. Bei solchen Sammlungen gebe es zwangsläufig weniger Marken, die man sammeln könne. Doch die Qualität der Sammlung sei ungemein hoch - schließlich seien solche Marken nicht einfach zu finden.

Peter Kaufhold hat auch sein Spezialgebiet: Er sammelt unter anderem Marken aus dem Vatikan. Der Rücktritt Papst Benedikts XVI. passt ihm aus Sammlergründen gut ins Konzept. "Für die Vakanzzeit werden spezielle Marken gedruckt. Die sind begehrte Sammelobjekte", sagt er. Und diese will er seiner Kollektion hinzufügen.

Und wie schwer wird es, diese Marken zu bekommen? "Ich könnte die Marken einfach beim Postamt des Vatikans bestellen und mir zuschicken lassen", erklärt Kaufhold. Dann hätte er seine Sammlung schnell zusammen. "Das ist mir aber zu langweilig", sagt er. Nein, er wird abwarten und sehen, dass er diese besonderen Marken Stück für Stück seiner Sammlung in den kommenden Monaten hinzufügen kann. So hat er noch lange Spaß am Sammeln - zumindest, solange es immer wieder neue Päpste gibt.