Norderstedt

Judo ist bei den Putschers Familiensache

Markus, 16, und Richard, 18, sind Hamburger Meister. Trainer Dominik Falk lobt die vorbildliche Einstellung der kampfstarken Brüder

Norderstedt . Es ist nicht ungewöhnlich, dass zwei Brüder dasselbe Hobby oder denselben Sport betreiben. Dass die beiden aber so gut sind und in ihrer jeweiligen Altersklasse am selben Tag auch Hamburger Meister werden, das lässt schon aufhorchen. Geht es je doch nach der Einschätzung von Do minik Falk, Judotrainer beim TuRa Harksheide, wird man von Markus, 16, und Richard Putscher, 18, künftig noch viele positive Nachrichten zu hören bekommen.

Falk, Deutscher Hochschulmeister 2004 und zweimaliger DM-Dritter, gibt seit rund 15 Jahren sein Wissen an die TuRa-Judokas weiter. Und er weiß, wann er Qualität vor sich hat. Dabei ist ihm das Zwischenmenschliche ebenso wichtig wie sportliches Talent seiner Schützlinge.

"Ich habe noch nie so gut erzogene Jungen wie Markus und Richard in meine Trainingsgruppe bekommen", sagt Falk, "sie sind zurückhaltend, fleißig und diszipliniert. Da gibt es kein Gegenanreden, wenn ich etwas erkläre. Da wird genickt und die Anweisung in die Tat umgesetzt. Das ist genau das Rüstzeug für einen erfolgreichen Sportler."

Dabei hat sich der Ehrgeiz der Ju do-Brüder Putscher erst vor vergleichsweise kurzer Zeit entwickelt. Die jungen Henstedt-Ulzburger hatten als Steppkes von sechs, sieben Jahren zuerst Fußball gespielt, als sie den An stoß bekamen, der ihr künftiges Sportlerleben umkrempeln sollte.

"Ein Freund von uns hatte da schon mit einem anderen Kumpel zusammen beim 1. SC Norderstedt Judo trainiert und uns irgendwann gefragt, ob wir nicht auch mitmachen wollen", erinnert sich Richard Putscher, der 20 Monate älter als Markus ist.

Beim SCN geriet das Duo von 2002 an auf den "sanften Weg", was Judo übersetzt heißt. "Aber immer nur als Breitensport, Wettkämpfe waren damals gar nicht unser Ziel", sagt Richard, "das hat sich erst geändert, als unser Trainer aufhörte und wir 2009 zum Tu Ra Harksheide in die Gruppe von Je remias Lauterbach gewechselt sind. Dort hat uns dann Dominik gesehen und nach einem halben Jahr gefragt, ob wir etwas mehr trainieren wollen."

Aus diesem "etwas mehr" sind mittlerweile vier Trainingseinheiten pro Woche geworden. "Judo wird nie langweilig. Es fördert Ausdauer, Kondition, Disziplin und auch die Koordination", sagt Markus Putscher, "außerdem macht es Spaß, mit den anderen Jungs Turniere zu besuchen und in Hotels zu übernachten." Nur donnerstags stehen auch mal andere Unternehmungen auf dem Programm - und sei es auch nur, dass die Brüder zu Hause in Henstedt-Ulzburg miteinander an ihrer Playstation spielen.

Übungskämpfe gegeneinander finden dagegen nur selten statt. "Dominik möchte nicht, dass Brüder zusammen trainieren", sagt Markus Putscher, "das ist ja auch irgendwie nachvollziehbar. Wir kennen uns zu gut, da gibt es dann keine Überraschungen mehr." Und nur durch diesen Effekt verinnerlichen Markus und Richard unter anderem dienstags bei Übungseinheiten im Landesstützpunkt in Hamburg-Wandsbek, sich in Wettbewerben zu behaupten.

Sich durchzusetzen, das haben die Brüder auch dank ihres Trainingsfleißes gelernt. "Wobei ich im Kampf schon gerne in der Rolle des Lauernden bin", bekennt Markus Putscher, der in der Altersklasse U 18 in der Kategorie bis 66 Kilogramm antritt. "Ich bin mit meinen 1,70 Metern nicht sonderlich groß, und so kann ich bei einer unbedachten Aktion meines Gegners mit dem Körperschwerpunkt unter ihn gelangen und ihn aushebeln."

Eine Strategie, die Mitte Februar bei den Norddeutschen Titelkämpfen in Oyten für den Schüler des Alstergymnasium jedoch nicht zum Tragen kam. "Da habe ich im ersten Kampf mit Alexander Weise vom TSV Tarp einen Gegner gehabt, gegen den man schon mal verlieren kann", so der 16-Jährige, "und nachdem ich mich dann mit vier Siegen in der Trostrunde mühsam für den Kampf um Platz drei qualifiziert hatte, fehlte mir dann gegen Artem Fetter aus Hannover einfach die Kraft."

Seinen Bruder Richard, der 2015 an der Norderstedter Moorbekschule im Zweig Maschinenbau das Abitur machen will und leichte Defizite im konditionellen Bereich durch einen enormen Trainingsfleiß ausgleicht, kam entgegen, dass die U-21-Konkurrenz in der Klasse bis 55 Kilogramm mit fünf Startern nur dünn besetzt und somit Ausdauer weniger gefragt war.

Nach einer Auftaktniederlage gegen Jonas Thomsen (PSV Buxtehude) genügte ihm ein Sieg über Benjamin Lura (TuS Sulingen), um sich Platz drei und damit das Ticket für die Deutschen Meisterschaften zu holen.

Die DM findet am 10. März, in Frankfurt/Oder statt. Richard wird die Reise in Begleitung von Dominik Falk antreten. "Dort wartet auf ihn ein anderes Teilnehmerfeld als in Oyten, da werden wohl um die 20 Kämpfer starten", sagt der TuRa-Trainer, der für beide Putscher-Brüder eine positive Langzeitprognose aufstellt: "Mit viel Fleiß und der richtigen Einstellung kann jeder irgendwann um die Deutsche Meisterschaft mitkämpfen - und beide bringen alles mit, was dafür nötig ist."