Pronstorf

Das Grauen im Grafenschloss

Tilo Werner eröffnete das Projekt Thalia Kulturlandschaften auf Gut Pronstorf mit "Dracula"

Pronstorf. Nebel wabert über Wiesen. Wolken wandern vor den Vollmond. Im fahlen Winterlicht zwischen Dämmerung und Nacht ragen die Äste kahler Bäume in den Himmel. Schatten huschen über die Felder. Die Straße schlängelt sich am Wardersee entlang, verschwindet im grauen Nichts. Und auf Gut Pronstorf wartet Graf Dracula.

Plötzlich tauchen Schloss und Stallungen schemenhaft auf. Dunkel liegt das Anwesen derer zu Rantzau zwischen der alten Kirche und dem Wald. Nur wenige Fenster sind erhellt. Kein Mensch weit und breit. Kein Hinweis auf einen Empfang, und dennoch erwarten Gräfin und Graf Rantzau mindestens 100 Gäste.

Der Weg zum Kutschstall zwischen den hohen Bäumen vor dem Schloss ist finster und uneben. Endlich der Kutschstall. Knarrend öffnet sich die schwere Tür. Der Graf erscheint. Nicht der Dracula. Der Rantzau. Feuer knistert im Kamin, Kerzenschein flackert um einen Lehnstuhl. Dort sitzt er. Nein, auch nicht Dracula. Sondern Tilo Werner, der aus der Geschichte der jenseitigen Gestalt aus Transsylvanien liest.

Der Schauspieler des Hamburger Thalia Theaters hatte 24 Stunden Zeit für Bram Stokers "Dracula" und das unheilvolle Geschehen auf der Ruine in den Karpaten. Er sprang für seinen kranken Kollegen Matthias Leja ein. Sukzessive nimmt der Mann im Lehnsessel die Figur des von Dracula bedrohten Jonathan Harker an. Leise lässt er den Grusel in den Raum tröpfeln. Mit kleinen Gesten verstärkt er die bildreiche Sprache des irischen Autors, blickt unheilvoll ins Publikum und zieht die gut 100 Zuhörer in den Bann des Horror-Romans. Dunkel dräuende Musik, dumpfes Grollen im alten Gebälk und das Schlagen einer Turmuhr lassen erschauern. Und draußen zieht Nebel.

Die Lesung aus Bram Stokers Roman "Dracula" eröffnet eine neue Serie, mit der das Thalia Theater und der Verbund Metropolregion Hamburg mit ungewöhnlichen Veranstaltungen an ungewöhnlichen Orten mehr Kultur aufs Land bringen wollen. Leider stehen nicht alle Termine fest. Im Internet gibt es eine Übersicht.

www.metropolregion.hamburg.de