Kommentar

Es bleiben Fragen offen

Der Schreck sitzt zumeist tief. Einbrecher sind in die Wohnung eingestiegen, haben Schränke durchwühlt und Wertgegenstände gestohlen, die nicht nur teuer, sondern auch unersetzlich waren: die goldene Uhr vom Opa, die erste Goldkette der kleinen Tochter oder den eigenen Ehering. Nur wer selbst einen Einbruch erlebt hat, kann nachfühlen, wie sehr die Verletzung der privaten Sphäre schmerzen kann und warum manche Menschen nie über Verlust und Angst hinwegkommen. Umso erschreckender ist es, dass die Polizei seit Jahren von einem Massenphänomen spricht, dem sie jedoch kaum Herr zu werden schien. Aufklärungsquoten von 7,6 Prozent erhöhen nicht gerade das persönliche Sicherheitsgefühl.

Darum ist es richtig, dass die Polizei in Schleswig-Holstein seit Monaten massiv gegen die Einbrecherbanden vorgeht, die besonders im Hamburger Umland für Angst und Schrecken sorgen. Trotz hoher Belastungen und Personalknappheit konnten die Ermittler Erfolge melden, die sich sehen lassen können.

Doch die Polizei muss sich auch Fragen gefallen lassen: Schon seit Jahrzehnten sprechen die Beamten vom Massenphänomen Einbruchskriminalität. Warum sind die Erfolge in den Vorjahren ausgeblieben? Und warum spielten die dramatisch steigenden Zahlen in 2011 und 2012 in der Öffentlichkeitsarbeit keine Rolle? Nicht nur Erfolge schaffen Vertrauen in die Polizei. Auch Offenheit und eine kritische Analyse der eigenen Arbeit gehören dazu.