Henstedt-Ulzburg

Wo, bitte, geht's denn hier zum Tierheim?

Joachim Gädigk, der Leiter des Ordnungsamtes von Henstedt-Ulzburg, weigert sich, Schilder auf das Tierheim am Kirchweg zu installieren.

Henstedt-Ulzburg. Der Gegenstand der Diskussionen ist alles andere als weltbewegend: Alle wollen in Henstedt-Ulzburg Hinweisschilder auf das Tierheim am Kirchweg, nur einer will es nicht: Ordnungsamtsleiter Joachim Gädigk weigert sich, Schilder zu installieren - und zieht sich damit den Zorn aller zu.

Das Tierheim Henstedt-Ulzburg liegt zwar nicht am Ende der Welt, aber am Ende Henstedt-Ulzburgs. Im hintersten Winkel, von keiner Straße aus einzusehen wurde es hinter den Schlichtwohnungen am Ende des Kirchwegs gebaut. Dahinter kommt nur noch der Rodelberg, dann endet Henstedt-Ulzburg am Autobahnzubringer. Wer das Tierheim als Ortsunkundiger erreichen will, muss entweder ein Navigationsgerät besitzen oder sich im Ort durchfragen. Anders geht es nicht. Denn nirgends weisen Schilder auf diese Einrichtung hin (Ausnahme: Ein kleines Schild direkt an der Auffahrt zum Tierheim). Tierheimleiterin Sylvia Rückert hat einschlägige Erfahrungen gemacht: "Jede Woche beschwert sich mindestens eine Person, die uns nur schwer gefunden hat." Das seien oft Besitzer von Fundtieren.

Die Gemeindepolitiker sind sich einig: Hinweisschilder müssen installiert werden. Denn das Tierheim ist ja keine Selbstzweck-Einrichtung eines Vereins. Im Auftrage vieler Kommunen und Ämter in der Umgebung - darunter Henstedt-Ulzburg und Norderstedt - werden Fundtiere aufgenommen und versorgt. Dafür bezahlen die Städte, Gemeinden und Ämter den Tierschutzverein Westerwohld, der das Tierheim am Kirchweg betreibt. Genau genommen ist das Tierheim also ein ausgelagertes Amt, zuständig für einen Einzugsbereich mit 160 000 Menschen, von denen viele Tierhalter sind.

Gädigk begründet seine Ablehnung mit einem drohenden Schilderwald

Aber alle Versuche verschiedenster politischer Seiten, in dieser Richtung etwas zu bewegen, sind gescheitert. Joachim Gädigk begründet seine Ablehnung mit einem drohenden Schilderwald und dem Grundsatz der Gleichbehandlung gegenüber anderen Vereinen im Ort.

Der Ordnungsamtsleiter holte sich Schützenhilfe vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr. Referent Dieter Beck beanstandet die Ablehnung der wegweisenden Beschilderung des Tierheims nicht und trägt die Entscheidung der Verkehrsbehörde "vollumfänglich" mit. Die Begründung: Der Verkehr könnte beeinträchtigt werden, "da sich diese Beschilderung direkt an die Verkehrsteilnehmer wendet".

Während der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses hatte Joachim Gädigk dem nichts mehr hinzuzufügen: Er wolle sich nicht mehr dazu äußern, beschied er den verblüfften Gemeindepolitikern.

Unflexibilität wird dem Ordnungsamtsleiter vorgehalten

Die Empörung über das Verhalten des Ordnungsamtsleiters geht quer durch die Fraktionen. Unflexibilität wird ihm vorgehalten, "Sturheit" im Amt. Sylvia Rückert ist "mega enttäuscht". Sie befürchtet, dass die Tierschutzarbeit von den Behörden nicht geachtet wird. "Wir sind kein Verein wie jeder andere, sondern müssen eine öffentliche Aufgabe erfüllen." Die Hoffnungen ruhen jetzt auf der stellvertretenden Bürgermeisterin Elisabeth von Bressensdorf: Sie kündigte an, mit Joachim Gädigk noch einmal über die Entscheidung zu sprechen, ließ aber offen, ob sie eine andere Entscheidung durchsetzen will.