Kommentar

In der Mitte angekommen

Das wachsende Problem der Wohnungsnot kommt langsam aber sicher in der Mitte der Gesellschaft an. Entsprechend lauter werden die Rufe nach sozialem Wohnungsbau, die SPD verspricht im Bund Milliarden-Programme für die Schaffung bezahlbarer Wohnungen.

Die Zeiten sind vorbei, in denen sich nur die Randständigen der Gesellschaft mit dem Mangel an Wohnraum herumschlagen mussten. Unsere Gesellschaft produziert immer mehr Gewinner, aber auch umso mehr Verlierer. Und die kommen mittlerweile auch aus der Mittelschicht.

Denn Obdachlose sind schon längst nicht mehr nur Menschen, die "Platte" machen und die Brücke der schäbigen Notunterkunft vorziehen. Obdachlose sind Frauen, die mit ihren Kindern im Frauenhaus stranden, Obdachlose sind Familien, in denen der Vater den Job verloren hat und die das Reihenhaus nicht mehr halten konnten. Obdachlos sind Studenten und Auszubildende, die bei Freunden unterkommen, weil sie Wohnungen oder WGs nicht finanzieren können. Obdachlos sind Geringverdiener, denen angesichts steigender Mieten die Puste ausgeht.

Hinzu kommen jene, die nicht obdachlos, aber hoffnungslos Wohnungssuchende sind. Mit ihren Gehältern hätten diese Familien früher Häuser finanziert, heute reicht es noch nicht mal für eine Vier-Zimmer-Mietwohnung - ohne erhebliche Abstriche beim Lebensstandard oder den Kulturschock durch den Umzug von der Stadt aufs tiefste Land.