Schröters Wochenschau

Von Wölfen und Menschen

Der Wolf ist zurück im Landkreis Segeberg. In unseren Forsten geht der Holzklau um. Am Montag beging man offiziell den "Tag der Umarmung", tags darauf wurde in zahlreichen Festakten unter dem Stichdatum "50 Jahre Elysée-Vertrag" die deutsch-französische Freundschaft beschworen. Alles bei Dauerfrost. Was sagt uns das?

In der Ära versiegender oder hochriskanter Energiequellen wie Erdöl und Kernkraft besinnt man sich beim Heizbedarf auf vertraute Alternativen. Holzklau hat in der Krise immer Konjunktur. Kuscheln auch, vor allem bei arktischer Kälte, leerem Heizöltank und gewohnt ödem TV-Programm. Wer niemanden zum Kuscheln hat - vor allem an den 364 Tagen im Jahr, die leider nicht offiziell der Umarmung gewidmet sind - verfällt unter erwähnten Umständen (arktische Kälte, leerer Tank, ödes Programm) schon eher der Versuchung, sich im Schutze winterlicher Frühdämmerung an fremden Holzstapeln zu bedienen.

Hier kommt der Wolf ins Spiel. Diese Spezies galt in unseren Gefilden bereits als ausgestorben, jedenfalls in freier Wildbahn. Noch im 20. Jahrhundert rechnete man mit freilaufenden Wölfen bestenfalls jenseits des Ural. Was hätten die hier auch fressen sollen? Förster sind bewaffnet, und Pilzsammler haben nur in frostfreien Monaten Saison - das macht den Wolf nicht fett. Aber jetzt gibt es ja die Holzdiebe: Frierende, ansonsten oftmals gut genährte Singles, welche den Mangel an Zwischenmenschlichkeitswärme durch das Abfackeln illegal erworbener Brennstoffe zu überspielen gedenken und sich deshalb bedenkenlos in den Wald begeben. Unterm Strich ist das schlecht für die Singles, aber gut für die Artenvielfalt. Unter Wölfen wird sich das herumheulen. Und wenn dann demnächst wieder zu viele davon da sind, kommt Mensch garantiert auf die erprobte Idee, dass ein Wolfspelz locker so gut warm hält wie ein paar brennende Holzscheite.

Aber ganz vielleicht, möglicherweise, eventuell finden sogar so unterschiedliche Lebensformen wie Wolf und Mensch zwischen Frost und Feuer zu einer Nachbarschaftslösung, die für beide gut ist.

Der Elysée-Vertrag wäre kein übles Beispiel dafür.