Norderstedt
Plan: Schleswig-Holstein will eine neue Direktverbindung schaffen

S-Bahn soll bis Kaltenkirchen fahren

Der Kreis Segeberg ist der einzige Landkreis im Hamburger Umland ohne S-Bahn. Kieler Verkehrsministerium spricht von einem "mittelfristigen Projekt".

Kreis Segeberg. Das Kieler Verkehrsministerium plant eine S-Bahnverbindung zwischen Hamburg und Kaltenkirchen. Zwar stecke die Planung noch in den Kinderschuhen, sagte ein Ministeriumssprecher. "Doch das ist eine sehr wünschenswerte Sache." Noch in diesem Jahr werde der Auftrag für eine Machbarkeitsstudie vergeben.

Voraussetzung für das Projekt sei eine enge Abstimmung mit Hamburg, hieß es im Ministerium. In Kiel ist von einem "mittelfristigen Projekt" die Rede, das voraussichtlich im kommenden Jahrzehnt umgesetzt werden könnte. Der Hintergrund: Spätestens im Jahr 2017 benötigen die AKN und die Hamburger S-Bahn neue Fahrzeuge. Der neue Fuhrpark sollte dann auf der Linie eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil: Wenn beide Bahngesellschaften gemeinsam die Züge ordern, können sie mit einem niedrigeren Preis rechnen.

Ob dann auf der Linie die AKN, die Deutsche-Bahn-Tochter S-Bahn oder beide fahren, werde durch eine Ausschreibung geklärt, sagte der Ministeriumssprecher. "Diese Frage ist derzeit zweitrangig."

Noch ist zwischen Kaltenkirchen und Hamburg-Eidelstedt die AKN unterwegs, die nur abends und an Wochenenden bis ins Hamburger Zentrum durchfährt. Tagsüber müssen die Fahrgäste auf dem Weg in die City in Eidelstedt in die S-Bahn umsteigen. Erst vor wenigen Tagen hatten Bürgermeister, Verwaltungschefs und Abgeordnete der Gemeinden an der AKN-Strecke eine Resolution unterschrieben, in der sie eine ganztägige Direktverbindung zwischen Hamburg und Kaltenkirchen fordern (wir berichteten).

Vor wenigen Wochen erst hatte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Werner Marnette (CDU) angekündigt, die Schienenverbindung zwischen Kaltenkirchen und Hamburg auszubauen. Der Kreis Segeberg ist der einzige im Hamburger Umland ohne S-Bahn-Anschluss.

Der Ministeriumssprecher bezeichnete eine Verbindung von Kaltenkirchen über Hamburg nach Ahrensburg oder Bergedorf auf einer neuen S-Bahnlinie 4 als "eine Variante". Denkbar wäre auch eine Durchfahrt bis nach Stade: Züge aus Kaltenkirchen und Pinneberg könnten im Bahnhof Elbgaustraße zusammengekoppelt werden und weiter in Richtung City und nach Süden fahren.

Für eine S-Bahn-Verbindung auf den AKN-Gleisen nach Kaltenkirchen müssten die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, heißt es in Kiel. Die AKN fährt auf ihren Strecken mit Diesel-Fahrzeugen. Das Ministerium favorisiert jedoch elektrisch betriebene Fahrzeuge, die ihre Energie per Stromabnehmer beziehen. Klar ist in jedem Fall, dass ganztägige Direktverbindungen auf der Linie von Kaltenkirchen über Henstedt-Ulzburg nach Hamburg geschaffen werden sollen. "Wir könnten uns gut vorstellen, bis nach Kaltenkirchen zu fahren", sagt Egbert Meyer-Lovis, Sprecher der Deutschen Bahn, zu der auch die Hamburger S-Bahn gehört. Die Strecke biete großes Potenzial. Zunächst müssten jedoch die technischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Nahezu wortgleich äußert sich AKN-Sprecher Jörg Minga: "Wir können uns sehr gut vorstellen, eine elektrisch betriebene Verbindung von Kaltenkirchen nach Hamburg zu betreiben." Der freie Wettbewerb gebe der AKN die Chance, als bester und preiswertester Anbieter den Zuschlag für die Strecke zu bekommen.