Der Rohdiamant

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Christopher Herbst

Foto: Anne Pamperin

Eintracht Norderstedts Mittelfeldspieler Jordan Brown träumt von einer Karriere als Profi-Fußballer

Norderstedt. Für den ersten Moment ist das freundliche Lächeln zur Begrüßung ungewohnt. Denn wer Jordan Brown auf dem Fußballplatz erlebt, kennt den 19 Jahre alten Oberliga-Kicker von Eintracht Norderstedt nur als verbissenen und zielstrebigen Antreiber im Mittelfeld, der sich mit robustem Einsatz Respekt verschafft.

Seine rasante Entwicklung vom Debütanten bis hin zum unumstrittenen Stammspieler hat den jüngsten Akteur im Kader trotzdem überrascht. "Ich wollte so viel Spielzeit wie möglich bekommen. Ich bin dann im Pokal gegen Alstertal-Langenhorn für Philipp Koch in die Mannschaft gerückt und drin geblieben - das war absoluter Zufall, damit hätte ich nicht gerechnet."

Trotz aller Bescheidenheit sind dem in Hamburg geborenen Deutsch-Jamaikaner sein Ehrgeiz und seine Disziplin stets anzumerken. Viel Gelegenheit für Muße gibt es im Leben von Jordan Brown eh nicht, denn neben Sport und Schule ist für Freizeit wenig Platz. So hat die Vorbereitung auf das Abitur 2011 längst begonnen. "Es geht jetzt in die heiße Phase", sagt Brown, "Schule und Fußball beanspruchen mich komplett. In der Oberstufe muss man viel lernen. Das ist beim Fußball anders - entweder man kann es, oder man kann es nicht."

Die Bewertungen für seine Leistungen auf dem Rasen dürften ein gutes Omen für das Abitur sein. Beim Fachmagazin "Sport-Mikrofon" ist Jordan Brown beispielsweise mit einem Notenschnitt von 2,33 aktuell die Nummer zwei der Oberliga, und im Umfeld von Eintracht Norderstedt fragen sich viele, ob der Verein jemals zuvor ein derartiges Talent in seinen Reihen hatte.

Der Spieler selbst hält nicht viel von Superlativen. "Für mich geht es darum, meine Leistungen zu bestätigen. Ich will nicht, dass die Leute mich überbewerten." Trotzdem stellt sich die Frage, wie lange Jordan Brown und Eintracht Norderstedt noch gemeinsame Wege gehen werden. Der Hochgelobte macht sich darüber längst Gedanken. "Natürlich würde ich gerne höher spielen. Profi zu werden ist mein Kindheitstraum. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, wäre es super. Aber man muss härter als andere arbeiten - und konstant gute Leistungen bringen."

Einen konkreten Interessenten für Jordan Brown gibt es allerdings noch nicht. Und Wechselwille lässt sich genauso wenig feststellen. "Ich habe einen Zwei-Jahres-Vertrag, den ich auf jeden Fall erfüllen will."

Damit spricht er seinem Trainer Andreas Prohn aus der Seele. Dieser würde den Rohdiamanten nur ungern verlieren. "Jordan bringt viel mit: Er ist schnell, verfügt über eine gute Ballbehandlung. Und seine physischen Grundlagen ermöglichen es ihm, sich schneller aus Situationen zu lösen."

Prohn hofft, dass Brown auch die Saison 2011/2012 noch in Garstedt spielen wird. "Ich würde ihm nur raten, den Verein zu verlassen, wenn er einen Profi-Vertrag bekommt." Ähnlich äußert sich auch Eintracht-Präsident Reenald Koch: "Letztendlich können wir einen Spieler nicht halten, wenn ihn ein Profi-Klub holen will. Aber wir wollen unsere Ziele mit Jordan Brown verfolgen." Der Optimalfall wäre demnach, wenn die Eintracht mit Brown aufsteigt. "Ich hätte Lust darauf, mit Norderstedt überregional zu spielen", sagt der Youngster, "und ich denke, dass wir in absehbarer Zeit den Sprung schaffen können."

Zunächst einmal wartet aber das Tagesgeschäft. Gegen den HSV Barmbek-Uhlenhorst kann sich Eintracht Norderstedt am Sonntag (14 Uhr) als klarer Favorit weiter in den Top fünf der Tabelle festsetzen.

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