Norderstedt

Im zweiten Teil drehte Schroth auf

Das Norderstedter Kabarett- und Comedy-Festival läuft noch bis Sonnabend

Norderstedt. "Der Sauerländer hat sich ja von dem ernährt, was die Holländer aus dem Wohnwagen warfen." Dafür gab es den ersten großen Applaus. Da war es bereits 20.25 Uhr. Die Show begann um 20 Uhr. Horst Schroth hatte anfangs Mühe, sein Publikum beim "Ersten Norderstedter Kabarett- und Comedy-Festival" in der dreiviertel besetzten "TriBühne" auf Touren zu bringen.

Wer mit seinem Programm bei Adam und Eva anfängt, sollte sich darüber nicht wundern. Zum Schluss jedoch, nach einem spannenderen zweiten Teil so um 22.30 Uhr, jubelten ihm seine Zuhörerinnen und Zuhörer zu.

Nach anfänglichem Leerlauf zog Schroth sein Tempo an und ging auf die Zuschauer ein. Dass dabei die Damen und Herren in der ersten Reihe öfter dran waren, gehört bei Comedy-Programmen fast schon dazu.

Schroth wühlt mit seinem neuen Programm "Grün vor Neid" tief in den Beziehungs- und Familienkisten. Der Neffe taucht auf und seine familienferne Ehefrau, Kindergeburtstage werden zu Neid-Events, Testamentseröffnungen zu Verwandten-Schlachten.

Im ersten Teil beschränkt sich Schroth auf einfache Witze und Kalauer, verspricht sich oft, hadert mit den Buchstaben. Der Satz "Der Tango ist der vertikale Ausdruck eines horizontalen Verlangens" gehört noch zu den witzigeren Sprüchen.

Die Breitseite gegen die Männer gefällt vor allem den Frauen im Parkett. Bill Clintons Präsidenten-Seitensprung wärmt der 62-Jährige noch einmal auf, ebenso die Vielehen-Männer Gerhard Schröder und Oskar Fischer, die Seitenspringer Silvio Berlusconi und Nicolas Sarkozy. Nur Angela, nein, bei Angela kann er sich das nun nicht vorstellen.

Der Comedian mit den roten Socken und dem roten Einstecktuch preist den Sündenablass, die Beichte der Katholischen Kirche. Dagegen seien die Protestanten nun doch arm dran, schließlich könnten die Katholiken ihre neuen Sünden nach der Beichte so richtig genießen. Kommentar einer Zuhörerin: "Ich hätte doch Katholikin bleiben sollen!" Auch den alten Hut Ossi und DDR holt Schroth noch einmal aus dem Archiv.

Im zweiten Teil schwärmt Schroth von der guten alten Zeit: "Als Kind hatten wir was ganz Altmodisches, wir hatten Freunde, und wir haben uns noch unterhalten und nicht gesimst." Endlich wird er auch kabarettistisch, ein wenig zumindest, wird politisch, wettert gegen Steuerhinterziehung, gegen Zumwinkel und Co, karikiert die Pendler-Pauschale. Und kommt zu dem Schluss: "Im Neid steckt eine Triebfeder, ein guter Kern." Na, denn.

Termine des "Ersten Kabarett- und Comedy-Festivals" in der "TriBühne" am Rathaus, Rathausallee 50 in Norderstedt: Dienstag, 9. November: Comedian Matthias Brodowy mit "Offenbarung - Vom Urknall bis zum Untergang". 11. November: Kabarettist Thomas Freitag. 12. November: Ralf Schmitz (ausverkauft), Sonnabend, 13. November, Finale mit Komiker Heino Trusheim, dem Mann mit dem goldenen Mikro und "Alles eine Frage der Perspektive". Beginn jeweils um 20 Uhr. Karten zwischen 16 Euro und 26 Euro gibt es im Vorverkauf, unter Telefon 040/30 98 71 23 und an der Abendkasse.