Norderstedt
Gott und die Welt

"Sozusagen grundlos vergnügt"

Eines meiner Lieblingsgedichte heißt "Sozusagen grundlos vergnügt" von Mascha Kaléko.

Wie mürrisch man auch in den Tag gestartet ist, wenn man dieses Gedicht gelesen hat, muss man lächeln und fühlt sich ganz beschwingt.

Mascha Kaléko beschreibt mit so viel Freude die Schönheit der Schöpfung und die kleinen Dinge des Lebens. All das, was wir im Alltag so oft übersehen.

Jetzt, wo wir auf den Herbst zugehen und darüber meckern, dass es öfters tagelang regnet und dass uns die erste Erkältung erwischt hat, schreibt Mascha Kaléko, "Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter, gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter, wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn."

Den Sinn hinter den Dingen bejahen, annehmen und sich sogar darüber freuen, das fällt uns oft unendlich schwer. Wir sind so verzweifelt darum bemüht, unser Leben und die Welt nach unseren Vorstellungen zu formen und zu gestalten, dass wir kaum bemerken, wie krank uns diese Aufgabe macht. Dinge einfach mal geschehen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass der Sinn hinter den Dingen beim Gelingen schon das Seine tun wird, ist uns fremd geworden.

Den Sinn hinter den Dingen nennt die Bibel Gott. Aber Gott Spielraum im eigenen Leben zu geben, scheint für viele heute altmodisch und absurd zu sein. Dennoch ist die Sehnsucht nach diesem Glücksgefühl wie Mascha Kaléko es beschreibt ungebrochen und der Bibel nicht fremd: "Ich will danken, Gott, aus vollem Herzen, will erzählen alle deine wunderbaren Taten, will mich an dir freuen, meine Freude laut in die Luft werfen und in Musik verwandeln deinen Namen, Gott in der Höhe." (aus Psalm 9)

Glückstage. Los-Lass-Tage. Tage, an denen man sich dann doch am Schönen erfreut und immer wieder neu über Wunder staunt, den Sinn hinter den Dingen zulässt, dem Sinn hinter den Dingen vertraut. Solche Glückstage beschreibt Mascha Kaléko wie folgt: "An solchen Tagen erklettert man die Leiter, die von der Erde in den Himmel führt."

Ich wünsche Ihnen, dass sie viele Leitern besteigen werden.

Christina Duncker ist Pastorin der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Harksheide