Norderstedt
Tierschicksal

Wo sind die 14 Katzen geblieben?

Tierschützer glauben nicht an einen Zufall. Norderstedter Polizei sieht keinen Handlungsbedarf, weil der Anfangstatverdacht fehlt

Norderstedt. Snoopy, Tarzan und Flummi teilen mit elf anderen Stubentigern ein Schicksal: Die drei Hauskatzen aus Norderstedt sind in den vergangenen acht Wochen spurlos verschwunden. Tierschützer, allen voran Katrin Witthöft, wollen (neuerlich) nicht an Zufälle glauben - und vermuten, dass Tierfänger in der Stadt unterwegs seien könnten. Die 2. Vorsitzende des Tierschutzvereins Westerwohld ist, wie berichtet, in ein bundesweites Netzwerk von Aktivisten eingebunden, die hinter dem Verschwinden von jährlich bis zu 300 000 Katzen in Deutschland systematische Machenschaften organisierter Tierfänger vermuten. "Wenn ich auf meine Statistik gucke, ist das auffällig", sagt Katrin Witthöft, die seit 2006 akribisch Buch über verschwundene Tiere aus der Region führt.

Mathias Lüdke, Leiter der Polizeidienststelle Norderstedt-Mitte, und seine Kollegen sehen die Auffälligkeit indes nicht. Örtliche Katzenbesitzer, die Anzeige erstatten wollten, seien abgewiesen worden, so Katrin Witthöft. Dazu erklärte Lüdke: "Wenn es keinen Hinweis auf eine Straftat gibt, besteht kein sogenannter Anfangstatverdacht."

Auch die Kieler Staatsanwaltschaft sieht keinen Anfangstatverdacht

Diese Position werde auch von der zuständigen Staatsanwaltschaft Kiel vertreten. Selbstverständlich, so der Dienststellen-Leiter, sei man an einer guten Zusammenarbeit mit Tierschützern interessiert: "Wenn es Hinweise auf böse Menschen gibt, wenn wir konkrete Angaben zu verdächtigen Fahrzeugen haben, werden wir aktiv."

Die Tierschützer aber sehen ihre Hinweise an Katzenbesitzer kontakariert, das Verschwinden von Tieren bei der Polizei anzuzeigen - und zwar nach Ablauf von drei bis vier Wochen und der ergebnislosen Eigensuche. Wie es auf der Internetseite des Deutschen Tierschutzbundes heißt, ist die Polizei verpflichtet, Strafanzeigen aufzunehmen, wenn ein Tierdiebstahl angezeigt wird. Allerdings spricht auch der Dachverband der Tierschützer davon, dass "relativ konkrete Anhaltspunkte oder Verdachtsmomente vorliegen" müssten. Die sah der Chef der Norderstedter Dienststelle nicht. "Wenn zum Beispiel sechs Katzen aus einer Straße in einer Nacht verschwinden, sind die sicher nicht alle weggelaufen. Aber einen solchen Fall hatten wir hier noch nicht."

Für Sylvia Rückert, Vorsitzende des Tierschutzvereins Westerwohld mit Sitz in Henstedt-Ulzburg, besteht die Grundproblematik darin, dass "ich ein Fahrrad zwar jederzeit als gestohlen melden kann, ein Tier aber offenbar nicht". Dadurch werde das Lebewesen "abgewertet". Die Vereinsvorsitzende gesteht ein, dass der organisierte Tierdiebstahl bisher "nicht zu 100 Prozent sicher nachgewiesen worden ist".

Wer seiner Katze zu viel Freiheit lässt, merkt das Verschwinden viel zu spät

Katrin Witthöft hingegen sieht dank ihrer Statistik ihren Verdacht bestätigt: "Vorher sind vier Monate lang keine Katzen aus Norderstedt verschwunden. Und jetzt, innerhalb kurzer Zeit, gleich 14 Tiere."

Die Katzenschützerin steht regelmäßig in Kontakt auch mit Bauhöfen und Straßenmeistereien. Werden Tiere überfahren, erfolgt ein Abgleich mit der Verschwundenenliste.

Katrin Witthöft wünscht sich von Katzenbesitzern, dass diese mehr auf ihre vierbeinigen Lieblinge achten. Wer der Katze allzu viel Freiheit lasse, merke viel zu spät, wenn Mietzi verschwunden ist. In jedem Fall, so der Rat aller Tierschützer, sollten auch Katzen gechipt und registriert werden.

Was sollten die Besitzer zunächst tun, wenn ihre Katze weg ist? Tierschützer raten zur Suche in der Umgebung, derweil häufig genug Katzen unabsichtlich in Garagen und Kellern eingesperrt würden. Wer nachts sucht, hört besser, wenn ein gefangenes Tier "um Hilfe" miaut. Weiter sollten Nachbarn verständigt, Suchzettel aufgehängt, eventuell Anzeigen in lokalen Zeitungen aufgegeben werden. Nicht selten stellt sich heraus, dass Katzen "umgezogen" sind, um einige Zeit später im neuen Zuhause aufzutauchen.

Der Tierschutzverein Westerwohld hat eine Hotline für vermisste und zugelaufene Tiere eingerichtet: Telefon 0163/927 82 78.

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