Viele Dokumente fielen dem Feuer zum Opfer

"Wir werden das Schützenhaus mit Herzblut wieder aufbauen"

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Hans-Eckart Jaeger

Viele Waffen aus dem Bestand des am 5. Februar 1969 gegründeten Vereins sind durch den Brand wertlos.

Kaltenkirchen

Harry Blödorn (80) steht vor den Ruinen des abgebrannten Schützenhauses und schaut fassungslos in die Runde. Tränen stehen in seinen Augen, als er sagt: "Wie konnte man uns das antun. Die vielen ideellen Werte, die mutwillig zerstört wurden, kann uns keiner ersetzen."

Blödorn, wohnhaft in Schmalfeld, ist der langjährige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende des Schützenvereins Kaltenkirchen, dessen Schützenhaus im Freizeitpark in der Nacht zum Montag bis auf die Grundmauern abbrannte (wir berichteten).

Viele Luft- und Kleinkalibergewehre aus dem Bestand des am 5. Februar 1969 gegründeten Schützenvereins sind wertlos geworden. Nur die Waffen, die in einem abgeschlossenen Koffer aufbewahrt wurden, sind vom Feuer verschont geblieben. Auch ein Bild von Villeroy & Boch, gestiftet von Peter Behnk, scheint unversehrt. Verbrannt sind dagegen zahlreiche Fotos aus früheren Schützentagen. Das Album mit vielen historischen Dokumentationen hatte Hella Jürs (85) aus Oersdorf dem Verein zur Verfügung gestellt. Harry Blödorn hatte die unersetzlichen Erinnerungen zwei Jahre in seinem Keller aufbewahrt und sie erst vor kurzem im Schützenhaus verwahrt.

Die Kriminalpolizei geht weiterhin von Brandstiftung aus. Dafür gibt es Hinweise. Auf dem Boden liegen immer noch die Metallräder und weitere Überreste des blauen Papiercontainers, der zur Eingangstür gerollt und dort in Brand gesetzt worden war.

Neben Harry Blödorn steht Holger Dresler. Auch er ist erschüttert und tief ergriffen. Als das neue Schützenhaus gebaut und 1982 eingeweiht wurde, war er gerade Schützenkönig. Er krempelte damals die Ärmel hoch, und seine Frau Bärbel stand ihm tatkräftig zur Seite.

"Ich habe in meiner Freizeit weit mehr als 300 Stunden geopfert, damit das Schützenhaus kostengünstig gebaut werden konnte", erinnert sich Holger Dresler. Unvergessen bleibt ihm der 25. Juni 1982. An jenem Tag saß die Nation vor den Fernsehgeräten, als die deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Spanien gegen Österreich 1:0 siegte. Horst Hrubesch vom Hamburger Sportverein hatte in der 9. Spielminute das Tor des Tages erzielt.

"Ich hätte dieses Spiel auch gerne gesehen", so Dresler, "an diesem Tag habe ich aber die Giebel des neuen Schützenhauses schwarz gestrichen. Ich bin unendlich traurig, dass nun alles mutwillig zerstört wurde."

Harry Blödorn schaut trotz allem hoffnungsvoll in die Zukunft. "Wir werden das Schützenhaus mit viel Herzblut und großem Engagement wieder aufbauen", kündigt er an. Jeden Tag geht durch Kaltenkirchen und bittet bei Firmen und gutsituierten Privatleuten um Geldspenden.

Bis ein Neubau realisiert wird, können die 470 Sportschützen aus Kaltenkirchen bei befreundeten Vereinen ihrem Hobby nachgehen. "Darüber werden wir uns am 6. Juni beim Kreisschützenfest im Kaltenkirchener Ohlandcenter in Kaltenkirchen sicherlich verständigen."

Die Ermittlungen der Kripo dauern an. Gestern wurde ein Sprengstoffhund eingesetzt. Es wurden Proben genommen, die zur Analyse an das Landeskriminalamt geschickt wurden. Mit einem Ergebnis wird erst in einigen Wochen gerechnet.

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