Norderstedt

Die Retter des Schleswiger Kaltblutes

Pferde: Auf Gut Kamp in Travenhorst wird die vom Aussterben bedrohte Rasse gezüchtet. Für sein Engagement hat der Züchter Jürgen Isenberg sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Travenhorst. Ohne Pferdezüchter Jürgen Isenberg hätte Almfee nie das Licht der Welt erblickt. Gerade mal zehn Tage alt ist das kleine Schleswiger Kaltblutfohlen. Daß überhaupt noch Pferde dieser Rasse geboren werden, geht auf eine Initiative Isenbergs vor mehr als einem Vierteljahrhundert zurück. Auf seinem Gut Kamp in Travenhorst hat er dafür gesorgt, daß die Schleswiger Kaltblüter überleben können.

Mitte der 70er Jahre war diese Rasse akut vom Aussterben bedroht. Pro 40 Stuten gab es nur noch einen Hengst. Der Grund: Mit zunehmender Mechanisierung in der Landwirtschaft wurden die Einsatzbereiche dieser willensstarken Pferde immer mehr eingeschränkt. Um das Schleswiger Kaltblut erhalten zu können, machte sich Jürgen Isenberg deshalb auf die schwierige Suche nach einem Hengst, der typmäßig in die Zucht paßte.

Er fand ihn 1977 in Dänemark: Der Jütländer Hengst Odin schenkte seinen Stuten schöne und charakterstarke Fohlen. Auf diese Weise konnte Isenberg der Niedergang einer ganzen Pferderasse abwenden - und erhielt dafür das Bundesverdienstkreuz.

Heute wird der Hof von den Brüdern Johannes und Thomas Isenberg bewirtschaftet. Seit über 100 Jahren ist das Gut Kamp in Familienbesitz. Noch immer dient ein Großteil des 230 Hektar großen Geländes am Rande der Holsteinischen Schweiz der Zucht des Schleswiger Kaltblutes. "Der Name ,Kaltblut' bezeichnet übrigens nicht den Wärmegrad des Blutes, sondern das Temperament des Pferdes", erläutert Johannes Isenberg.

Die Rasse gilt als verkehrssicher, nerven- und charakterstark. Die Tiere sind daher vielseitig einsetzbar bei Kutschfahrten und vor allem beim Holzrücken im Wald: Erst vor wenigen Tagen ist Isenberg von einem Großeinsatz im Forstgebiet bei Mölln mit seinem siebenjährigen Hengst Regent zurückgekommen. Das stattliche Tier hat pro Tag sieben Stunden lang Baumstämme durch schwierigstes Steilhanggelände gezogen. Der Züchter schwärmt von den Qualitäten des Pferdes: "Mein Regent ist eine umweltschonende Alternative zur Zugmaschine und kommt dahin, wo Trecker keine Chance mehr haben."

Überhaupt versucht Johannes Isenberg, wann immer es möglich ist, andere Menschen für die fast ausgestorbene Rasse zu begeistern. Auf seinem Hof bietet er Planwagenfahrten mit den Schleswiger Kaltblütern an; vier Wagen und rund 30 Pferdefuhrwerke nennt er sein eigen. Neben der alten Kutsche der Holsten-Brauerei, in der er vor 27 Jahren geheiratet hat, besitzt er noch eine offene Kutsche aus Großbritannien, diverse Schlitten für den Winter sowie spezielle Hochzeitskutschen. Zur Kieler Woche 2006 wird er auf Einladung der Stadt Kiel mit seinen Schleswiger Kaltblütern anreisen und vor Ort im Getümmel zeigen, wie nervenstark seine Tiere im Geschirr gehen.